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Auf einer Postkarte entdeckt, Aufnahme um 19391
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Die Normaluhr von Breslau, vielleicht schon in
Vergessenheit geraten, soll hier beschrieben werden. In den
dreißiger Jahren stellte man diese besondere Uhr in der
gesamten Stadt auf. Am Markte auf dem nordwestlichen Gehweg
nahe dem Torbogen vor der Drogerie Bauschke stand unsere
Normaluhr in Karlowitz.
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Normaluhr neben der
Drogerie Bauschke
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Dieses Bauwerk zum Wahrzeichen von Breslau geworden,
erfüllte zur damaligen Zeit drei Funktionen:
- Die Normaluhr gehörte zu einer elektrisch betriebenen
Zeitverteilungsanlage, die als sogenannte Nebenuhr durch
eine Zentralstelle zur einheitlichen Zeitanzeige veranlasst
wurde. Von der DEUTSCHEN REICHSPOST betriebene Hauptuhr
(Zentraluhr) ging ein Impuls zur Synchronisierung der
Normaluhren aus. Von dieser Stelle aus erfolgte auch die
ununterbrochene Pflege und Wartung der Uhren.
- Das Bauwerk besaß einen Empfänger mit Lautsprecher,
der mit dem Stadtfunk verbunden war. Somit konnte man
Nachrichtensendungen innerhalb der Stadt verbreiten und
einen großen Teil der Bevölkerung von Breslau erreichen. So
hörte man Direktübertragung von Reden und Aufrufen, sowie
Bekanntmachungen, Weisungen, Befehlen oder Verhaltensregeln
die für uns von Bedeutung schienen.
Aus dem Lautsprecher ertönte plötzlich laute Musik, die weit zu hören
war. Die Fenster gingen auf, denn jeder wollte wissen, was los ist. Eine
Bekanntmachung! Dann ging man auf die Straße und versammelte sich vor der
Uhr, um die Ansagen nicht zu verpassen. Es bildete sich einen
Menschentraube, die nun der Stimme aus dem Lautsprecher zuhörten. Während der Kriegsjahre
gab es die
Lagemeldungen von der Front und insbesondere ab 1944 die
Luftlagemeldungen.
An zwei Übertragungen kann ich mich besonders erinnern. Zum einen übertrug man 1944 die
scharfmacherische Rede des faschistischen Reichspropagandaministers
Dr. Joseph GOEBBELS über die Erfordernisse des "Totalen Krieges"
aus der Breslauer Jahrhunderthalle. Zum anderen hörte ich einer der
letzten Sendungen, am 20. Januar 1945, in der uns der Festungskommandant aufforderte, unseren
geliebten Stadtteil Karlowitz unverzüglich
zu verlassen, weil mit dem Vorstoß der Roten Armee von der
Weide aus gerechnet werden mußte.
- Die Außenflächen der Normaluhr, die verglast waren,
dienten als Reklameflächen. Über eine als Reklamefläche
kaschierte Eingangstür betrat man das Innere des Bauwerks.
Hier befand sich das technische Herz einer solchen Uhr.
Die Architektur des Baukörpers lehnte sich der Erfindung
der Litfasssäule an. Während die Säule rund war, besaß der
Baukörper einer Normaluhr eine achteckige Grundrissform. Das
Volumen ergab sich aus dem Durchmesser von etwa 1,50 Meter
und einer Höhe von etwa 2,50 Meter. Die feingliedrig
gestalteten Fassadenflächen deckte eine sechseckige Platte ab. Auf dieser
Fläche befand sich ein Würfel, in deren Fläche man die vier Uhrenblätter
angebracht hatte,
die man auch krönende Zifferblatthülle nannte. Die (unter
Glas gehaltenen) Werbeflächen standen im richtigen
Verhältnis zur Gesamtanlage. Der Betrachter konnte zu keinem
Zeitpunkt von der Reklame erdrückt werden.
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Normaluhr Am
Ohlauufer,
Aufnahme 19462
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Zur Abendzeit waren die Außenflächen dezent beleuchtet.
Für uns Kinder wurde unserer Normaluhr in Karlowitz zum zweiten Treffpunkt. Die Uhr verlor ihren Glanz
bereits in den folgenden Kriegsjahren, als man die Verdunklung der Stadt anordnete. Nach dem Krieg fand man zwischen den
Ruinen hier und da noch eine dieser Wunderwerke vor, die im
Laufe der Nachkriegszeit demontierte.
Autor Armin Lufer, 12.12.20053; Layout Egon Höcker, 12.12.2005
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