Tschepine mit Viehweide und Zankholzwiese, Zehndelberg.
Das ehemalige Dorf T., eine Gründung der Cisterziensermönche des Klosters Leubus, lag
westlich von der Nikolaikirche und nahm einen beträchtlichen Teil der Nikolaivorstadt ein. Sein N
haftete vom 15. Jahrhundert ab vorzugsweise an der jetzigen Langengasse. 1203 und '41 hieß es
Stapin, 1204 bis '26 Stepin et Nabitin ante civitatem Wratizlavie et St. Nicolaum, 1257 Scepin, 1268
Schepin, 1318 Schepin und die Ebene vulgariter angir genannt, im Landbuch des Fürstent. Breslau:
Tschepyn alias ad sanctum Nicolaum prope Wratislaviam, 1519 Scheppin, l562 bis 1631 öfter Tschepin,
1666 vorübergehend Niklasdorf; 1669 Tscheppin, darauf Tschepine.
Die dem ursprünglichen N anscheinend zugrunde liegenden asl. Stämme step, stopa = vestigium
Fußspur und stapu gressus das Schreiten, der Schritt, Gang sind urverwandt mit dem ahd. stapfo, nhd.
Stapfe wie mit niederl. stap Tritt und engl. step Tritt, schreiten, während das poln. step Steppe, Heide
bedeutet und mit dem Suffix in das Eigentum eines Stapĭ oder Stepĭ
heißenden Mannes bezeichnet. Ein
solcher N ist aber bisher nicht nachgewiesen. Der Sinn des ebenfalls naheliegenden asl. Stammes
steb ist dunkel, hingegen hat steb im Polnischen in Verbindung mit der eine Tätigkeit bezeichnenden
Endung nik, in stebnik, die Bedeutung eines in die Erde gegrabenen Loches zur Überwinterung der
Bienen, kurzweg eines Bienenkellers.
Folgende slaw. On sind aus dem Stamme steb hervorgegangen: Stebne in der Bukowina,
Stepina und Stebnik in Galizien, Stemnitz Rgb. Köslin, Stemnitsa in Griechenland, Arkad., Stabin im
russ. Gouv Suwalki, Stabitz Rgb. Marienwerder. Ebenso scheinen die Pn Stabenow, Stabetzky, Stabisch,
Stabitzke von gleicher Herkunft zu sein. Hierbei sei zugleich der deutsche Pn Bienengräber genannt,
dessen Vorhandensein dafür zeugt, daß auch deutsche Imker ihre Bienen im Winter in Erdlöchern
unterbrachten.
Es darf nicht wundernehmen, daß eine Siedelung deutscher Mönche einen slaw. N erhielt.
Dieser kann von einem nahegelegenen Hofe des älteren später in Stepin aufgegangenen poln. Nachbar-
dörfchens Nabitin übernommen sein. Ähnliches zeigt der N Breslau, der von einer früher gegründeten
wenig ausbreitungsfähigen slaw. Niederlassung auf die von deutschen Kaufleuten geschaffene Stadt
übertragen wurde, die sich frühzeitig zu reichem Leben entfaltete.
Die N von 1257 ab bis auf die Gegenwart weichen von den älteren ab und scheinen auf das
poln. Verbum szczepić pfropfen, okulieren aufgebaut, wovon szczepek das geprofte Bäumchen, szczepnik,
szczepina die Baumschule, der Pflanzengarten abstammen.
Die bei der Namensangabe von 1318 genannte Ebene angir bedeutet nicht die Viehweide,
sondern einen andern städtischen Anger. Dieser lag nach dem Kopialbuche des Clarenstiftes f. 209 b
zwischen dem äußeren Stadtgraben und dem heil. Nikolaus zur Rechten, wenn man nach Neumarkt
geht.1) Der Anger breitete sich also östlich von der Nikolaikirche aus und ist längst im Häusermeer
verschwunden. Die Viehweide lag hinter St. Nicolaus, das ist westlich von der Kirche, wo in weiterer
Entfernung noch ansehnliche unbebaute Teile von ihr zu finden sind. Sie kam 1261 als pascua ab
utraque parte Odere in den Besitz der Stadt. 1276 bestätigt Herzog Heinrich IV. den Bürgern von
Breslau die Verleihung der Weideplätze, que viweyde vulgariter nuncupatur. 1277 wyweyde.
Über die Zankholzwiese zugleich zur Erklärung ihres N schreibt Dr. Wendt: "Sichere
Kunde von ihr haben wir erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Bis 1743 war sie noch mit Holz
bestanden. Aus ihrer Lage, ihrem N und dem Umstande, daß das ihr westlich benachbarte Terrain
des heutigen Eichenparkes früher Pöpelwitzer Zankholz hieß, können wir schließen, daß das Zankholz
durch Veränderungen des Oderlaufes seine jetzige Gestalt und Lage erhielt, daß dieser Eingriff des
Flusses zu Grenzstreitigkeiten zwischen der Stadt und Pöpelwitz führte und daß das strittige Gebiet
schließlich zwischen beiden Nachbarn aufgeteilt wurde". Die Eingemeindung der Tschepine nebst
Zubehör erfolgte 1808.
Der Viehweide und Zankholzwiese liegt gegenüber auf dem rechten Oderufer der Zehndelberg,
der seinen N von den reichlich dort wachsenden Weidenruten hat, die Zehndel, Zeine heißen, das
Grundwort Berg aber zu Unrecht führt, denn die Gegend dort ist ganz eben.
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