Wallonenflecken, Krötengasse und weißes Vorwerk.
Der Flecken der Wallonen entstand als ländlicher doch zur Stadt Breslau gehöriger Bezirk
etwa bei Beginn des 13. Jahrhunderts als Kolonie flandrischer Weber, die den vorderen (westl.) Teil
der jetzigen Klosterstraße bis zur Mauritiuskirche und südwärts bis zur Vorwerkstraße umfaßte. Der
O hieß am Anfange des 13. Jahrhunderts platea Romanorum Wratizlavie, 1315 platea Gallica, 1326,
47 und 86 platea Gallicorum prope s. Mauricium, 1358 und 1403 walgasse, 1387 platea Gallicana,
später deutsch Walengasse bis 1823. Seitdem führt die Hauptstraße des ehemaligen Fleckens der
welschen Weber den N Klosterstraße. Denselben N hat auch die östliche Fortsetzung der Straße von
St. Lazarus an (gegenüber dem Kloster der Barmherzigen Brüder), die früher die Weingasse hieß nach
einem Weingarten, dessen Erträge im 14. Jahrhundert dem Altar des heil. Thomas von Canterbury
gewidmet waren (hortus vinee in platea gallicana). Im übrigen gehörte das Gelände östlich der
Mauritiuskirche dem bischöflichen Stuhl. Es bestand (1)
aus der Krötengasse und Weingasse, 2) aus der villa Parsowiczi, auch (1360) Parschow und Parschaw, oder allodium album, später Weißes Vorwerk genannt.
Das Landbuch erwähnt etwa 1360 die weyngasse et crotengasse, 1372 wird sie plathea ranarum
(Froschgasse) sive crothyngasse genannt. Das Jahr 1387 führt einen scultetus (Schulze) in der crotingasse und piscatores (Fischer) in platea ranarum auf. Bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts waren Kröttegasse und Krethegasse allein üblich. Im Laufe der feinfühliger gewordenen Zeit ist aus der Krötengasse eine Greten- und zuletzt Margaretengasse gebildet worden. Der letzte N kam erst seit 1775 in Gebrauch. Ähnlich verhält es sich mit der gleichnamigen Mühle, die bei der jetzigen Krankenanstalt Bethanien lag. Sie hieß nach ihren Inhabern 1318 Walterynne 1) mol, 1342 molendinum
Walterinne(2), auch molendinum Waltheri prope Vratislaviam in platea Vinaria; 1423 und 87 crotenmol, 1435 die Mühle, die von
Alters geheißen hat Walterin-Mühle, gelegen vor Breslau in der Weingasse. Auch ihr N wurde später
in Greten- und Margaretenmühle umgewandelt.
Parsowiczi ist patronymisch und bezeichnet die Nachkommen eines Pars, Pasz (3)
und ihren
Wohnsitz. In den schles. Reg. ist 1177 der N Bars Pomeranus genannt, 1268 Pasco, 1300 Parsca,
1333 Pascho und Paschko, Kanonikus in Breslau. Diese N und Paszko sind nach Damroth (S. 226)
Kosenamen für Paul, Parschow und Parschaw sind Adj. masc. von dem obigen Pn, unserm Genitiv
Pauls entsprechend und in Gedanken etwa durch dwor Hof zu ergänzen. Wenn nicht die beiden
Endungen ow + iczi die Voraussetzung eines Pn notwendig machten, wäre es einfacher bei diesem On
an pol. paść pascere weiden, pasza pascuum die Weide zu denken, ein Thema, das zur Namengebung
vielfach Anlaß gegeben hat. Selbst die Ableitung von parszywy = räudig sei hier erwähnt. Sie
findet einen Anhalt in dem Umstand, daß in der Nähe ehemals ein Hospital für aussätzige Männer
(zu St. Lazarus) bestand.
Ähnliche On sind Parchwitz Kr. Liegnitz (1327 Parschowicz), Poischwitz-Jauer (früher Pascho-
witz), Paschwitz-Breslau, Parschwitz in Böhmen, Parschowitz-Mähren, Paszowa und Paszyn-Galizien,
Parschau Rgb. Danzig, Paskalewetz-Bulgarien.
Pn: Pasch, Paschek, Paschka, Päschke, Paschky, Paschurek, Paschwitz, Paszkiewicz.
Der später für Parschow eingeführte N allodium album weißes Vorwerk hat der Vorwerkstraße
den N gegeben. Die letzten Reste des ehemaligen Vorwerks gegenüber Bethanien wurden 1907 mit
Häusern bebaut.
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1)pro quadam planicie, que dicitur vulgariter Angir, sita intra fossata exteriora civitatis et St. Nicolaum a dextris, cum exitur versus Novumforum.
2)Eine ähnliche weibliche Endung aus derselben Zeit findet sich in Helmboldinne-Mühle bei Liegnitz (1320).
3)Das poln. sz wird vielfach mit leicht vorgeschlagenem r gesprochen.
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