Geschichte von Breslau


Die (alt)lutherische Kirche1

Christuskirche
Hohenzollernstraße 53/57

 

Gegen die vom König von Preußen (Friedrich Wilhelm 111.) gewünschte Union, die nicht "Bekenntnisunion" von Lutheranern und Reformierten, sondern nur "Verwaltungsunion" sein wollte und auch geblieben ist, und vor allem gegen die "Unionsagende von 1822", fünf ,Jahre nach der 300jährigen Jubelfeier der Reformation von 1917, wandten sich besonders in Schlesien viele Geistliche mit ihren Gemeinden. Endlich, nach vielen Schwierigkeiten, konnte 1845 die "Lutherische Kirche in Preußen" begründet werden. Die Leitung der "Freikirche" der "Alt-Lutheraner" war in Breslau, die Geschäftsstelle das Oberkirchenkollegium Hohenzollernstraße 57. In Breslau bestanden vier Gemeinden: Breslau-Süd, Hohenzollernstraße 57, Breslau-Nord, Katharinenstraße 17, Breslau-West, wo ein Kirchbauplatz, aber noch keine Kirche vorhanden war, der Gottesdienst daher in einer Schule gehalten werden mußte, und Breslau Goldschmieden.

Die altlutherische Kirche besaß in Breslau einen großen Häuserblock (etwa vier Morgen groß), Hohenzollernstraße 53/57. Im Mittelpunkt desselben (Nr. 55) stand die mächtige Christuskirche, deren schönes Stahlgeläute oft in Rundfunkübertragungen zu hören war. Davor war ein Platz mit Ein- und Ausfahrt, hinter dem Gotteshaus ein großer Pfarrgarten.

Orgel in der Christuskirche2

Die Christuskirche baute man  als einen  roten Backsteinbau und man weihte sie 1901 ein.. Die Kirche selbst ist eine Hallenkirche mit 1250 Sitzplätzen. Sie ist auf der Form eines quadratischen kreuzarmigen Kreuzes errichtet. Die Seitenarme des Kreuzes bergen die Emporen, die Längsarmen Orgelchor und Altarraum gegeneinander. Altar, Kanzel und Taufstein sind aus weißer Terrakotta hergestellt. Über dem Altar mit dem Sandsteinrelief der Kreuzigung ist in monumentaler Malerei der thronende Christus,  von Seraphinen angebetet, dargestellt. Die Gestalt Christi ist etwa drei Meter groß. Moses und Paulus als die des neuen Bundes sind links und rechts vom Herrn abgebildet. An die Altarseite der Kirche schließen sich zur Rechten die Sakristei und zur Linken die Taufkapelle an. Die Orgel hatte 34 klingende Stimmen. Der Turm besaß eine Uhr und ein Geläut von drei Stahlglocken in C, Es und F. 

Über dem Kirchenraum lag ein großer Sitzungssaal des Ober-Kirchen-Kollegiums mit wertvoller Bibliothek und Archiv. In dem Hause befand sich auch eine Diakonissenstation. Nr. 57 war ein großes Pfarrhaus mit drei Pfarrwohnungen in den drei Stockwerken und einem Seminarsaal für Vorlesungen sowie einer großen Bibliothek für die Theologiestudenten im dritten Stock. Nr. 53 war ein dreistöckiges Haus, das von Angestellten und Beamten der Kirche bewohnt war. In der Hohenzollernstraße (71) besaß die Kirche noch ein Wohnhaus, dessen drei Etagen vermietet waren.

Katharinenkirche2

Die Katharinenkirche, der gottesdienstliche Raum für Breslau-Nord, befand sich in der Katharinenstraße 17. Es war eine schöne, alte Kirche. Forkenbeckstraße 7 war ein Gemeindehaus mit Gemeindesaal, Küsterwohnung und vermieteten Räumen. Der Friedhof im Süden der Stadt (Menzelstraße) war etwa vier Morgen groß und hatte eine Verwalterwohnung. In Breslau-Goldschmieden war gleichfalls eine schöne Kirche mit einem geräumigen Pfarrhaus, das durch einen überschatteten Gang mit der Kirche verbunden war.

Im Kriege ist der Besitz der altlutherischen Kirche, der zum größten Teil im Süden der Stadt lag, völlig zerstört worden. Zur Diözese Breslau gehörten 14 Pfarrbezirke mit 11 387 Seelen, zur Diözese Nieder-Schlesien 13 Pfarrbezirke mit 8341 Seelen. Insgesamt gehörten zu den sieben Diözesen in Preußen 76 Pfarrbezirke mit ebensoviel Geistlichen, mit 185 Gemeinden und 57566 Seelen.

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1 Auszüge aus dem Buch "Entstehen und Vergehen der Evangelischen Kirchen Breslaus", Urich Bunzel, Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn, 1964, S.107ff
2 Bilder aus dem Privatarchiv von Egon Höcker, 14. Dezember 2005


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