Wer hat sie nicht gekannt und geliebt, die alte,
ehrwürdige Christophori-Kirche? Mitten im Herzen
der Großstadt stand sie, einer echten Dorfkirche
ähnlich mit ihrem steilen Ziegeldach und schlankem
Glockenturm. In diesem Turm war, was nur wenige Breslauer wussten,
eine Küsterwohnung gebaut. Als Wächter stand außen am Tore in einer
Nische St. Christophorus mit einem Eichenstock in der
Hand und mit dem Jesuskinde auf der Schulter.
Aus Holz geschnitzt, war er noch einmal im Innern der
Kirche neben der Kanzel aufgestellt.
Am herrlichsten war das Kirchlein, wenn in der
Advents- und Weihnachtszeit durch die Butzenscheiben das
Kerzenlicht fiel und wenn froher Advents- und Weihnachtsgesang
aus dem Innern der Kirche drang.
Nach der Renovierung 1935 überquerte ein großes Holzkreuz
den Altarraum mit der machtvollen Inschrift:
"Christus vivit, Christus vincit, Christus regnat, Christus triumphat!"
(Christus lebt, Christus siegt, Christus herrscht, Christus triumphiert,
Worte, wie sie auch auf dem alten deutschen Reichsschwert standen).
Fast 900 Jahre hat dieses Kirchlein gestanden mit seiner wechselvollen Geschichte,
bis es ein Opfer der Festungszeit wurde. Vor 1945 hörte man evangelische
Gottesdienste in polnischer Sprache für die polnische Minderheit in
Breslau. Mit ökumenischer Hilfe wurde sie wieder
aufgebaut. Am dritten Adventssonntag
1959 ist sie für die evangelischen Deutschen wieder geweiht worden.
Die Feier hielt Pastordiaconus Wolfgang Meißler.
Die Christophori-Kirche ist heute die einzigste evangelische Kirche in Breslau, in der
deutschsprachiger Gottesdienst gehalten wird. Für die in Breslau lebenden
deutschen Familien bietet sie Schutz und Geborgenheit, vermittelt Kraft,
Hoffnung und gibt Trost.
Jeden Sonntag, um 10.00 Uhr, findet ein evangelischer Gottesdienst in deutscher Sprache statt.