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1418 - 1420 Breslauer Revolte
Aus den Aufzeichnungen des Johann Gottlieb Klose,
Zunftältester der Schneiderzunft zu Breslau, 1794
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1390, unter König Wentzel, hatte die Bürgerschaft den ganzen Magistat ab- und
einen anderen eingesetzt. 1395 war es wegen der freien Marktrechte abermals zu
Zwiespälten zwischen Rat, Kaufleuten und Handwerkern gekommen und da man zu
keiner Einigung kam, begab der König sich nach Breslau, um diese
herbeizuführen. 1404 setzte er den von der Bürgerschaft
abgesetzten Rat wieder ein, aber kaum hatte er den Rücken gekehrt, setzte die
Bürgerschaft ihn wieder ab, worauf der König Breslau alle Privilegien und die
Ratswahl abnahm. Das ging noch etwas länger hin und her bis diese seit 1390
andauernden Breslauer Bürgerkämpfe 1418 ihren Höhepunkt erreichten und den unten
geschilderten dramatischen Ausgang nahmen.
Nachstehend ein Auszug aus den "Aufzeichnungen des Schneidermeisters Johann Gottlieb Klose" (1),
der in seiner Chronik aus dem Jahre 1794 unter anderem die
Namen der Rädelsführer der Breslauer Revolte von 1418 erwähnt, wobei er sich
vermutlich weitgehend auf die Darstellung seines Namensvetters Samuel Benjamin
Klose stützt (2).
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1417 bestädtigte der König Wentzel der Stadt die Privilegien, aber dem
ungeachtet murreten sie doch und wahren unzufrieden, biß es 1418 zu einer
völligen Revolte kam. Es hatten sich selbiges Jahr viele Personen immer in der
Neustad in einen Kretscham-Hauße, welches daß Paradiß hiß, aufgehalten und
versamlet, um die Sache zu verabreden und verschworen sich den Tag vorher in der
Clementz-Kirche in der Neustadt und ihre Loßung wahr, wen der Hirte würde mit
dem Horn blaßen, daß Viehe auszutreiben, so solten sie alle mit gewaffneter Hand
aufs Rahthauß gehen.
Es war [Montag] den 18ten July zu Mittage um 12 Uhr, da die Aufrührer aufs Rahthauß
gingen, den Thurm, welcher verschloßen war, aufhauten und des Braumeister
Hanckes seine Frau die Rathaußglocke zum Sturm lautete. Alle Kisten und Kasten
wurden zerbrochen, Königsiegel und fürstliche Briefe zerrißen, alle Gelder
entwendet. Alle Gefangene wurden loßgelaßen, 6 Rathßherrn ließen sie die Köpfe
abschlagen, und einen von den Bürgerrahtherrn, welcher sich auf den Thurm
verstecket hatte, schmiß ein Schumacher mit Nahmen Ratteburg, welcher sein
Gefatter war, beyn Fleischmarckt herunter. Es wurden alle Mittel angewand, die
Leite zu beruigen. 
Kaiser Siegesmund
Allein, sie konten den Auffruhr nicht gantz dämpfen, biß 1420
der Kayser Siegemund selbst nach Breslau kam und die Sache untersuchte. Es waren
schon 23 entdecket und zu gefänglicher Hafft gebracht worden, welches die
Rädelßführer waren.
Da der Kayser die Sache untersuchet hatte, liß er den 23. die Köpfe abschlagen
auf dem Ringe bey der Frau Wolffen ihrem Hausse. Der Kayßer stand auf dem
Rathauße am Pfenster wie die Hinrichtung geschehen. Es war Mittwoch nach
Aöstomihl (= Estomihi)*. Die Nahmen der Enthaubteten sind volgende:
die Bräuerfrau [Braumeister Hanckes seine Frau];
Buchwald, ein Tistilator (=Destilator);
Bock, ein Fleischer;
Bockwitz, ein Kretschmer;
Radeburg, ein Schumacher [vorstehend Ratteburg];
Sessel, ein Seyler;
Gintzel, ein Zichner;
Peschke, ein Gürtler;
Hahn, ein Schwertfeger;
Kober, ein Bauer;
Eskaly, ein Taschner;
Schöpß, ein Bräuer;
Oltendorff, ein Tischler;
Friedrich, ein Becker;
Otto, ein Glaßer;
Gäßler, ein Meltzer;
Steineck, ein Schneider;
Glachof, ein Sattler;
Thiell, ein Maurer;
Oppitz, ein Kirschner;
Fiebig, ein Bittner; welcher den Rathausthurm aufgehauen (a);
Duackscher, ein Weißgärber;
Glaubitz, ein Zimmermann;
Alle diese sind auf den Elisabethkirchhoff begraben worden, an den Häußern bey
den Stadartzt und nachstehende Personen sind entwichen und in die Acht erkläret
worden, wie folget:
Hanß Scholtz, ein Fleischauer;
Nicolaus Weiganßdorff, dito;
Nocolauß Kohlkammer, dito;
Arnold, ein Knabpe;
Bruchsbende, ein Seyller;
Hanß Posler, ein dito;
Nicolausß Poßler, dito;
Hanß von Dohnin;
Frantz Döring, ein Seyffensieder;
George Roht, ein Meßerschmied;
Hakils, ein Müller;
Mönch, ein Kretschmer;
Nikolauß Kastunge, dito;
Bartuß, ein Maurer;
Scharbench, ein Taschner;
Polcherwitz, ein Fleischer;
Teuffel, der Schneiderbotte;
Jahn, ein Züchner;
Mönnech, ein Geißler;
Schubarth, ein Wäber;
Thomaß, ein Beuttler;
Frankenstein, ein Meltzer;
Kleyn, ein Gürtler;
Küngling, ein Schumacher;
Peter Porschnitz, ein Schumacher;
Hanß Teuffel, ein Schloßer;
Seitter, ein Maurer;
George, ein Messerschmidt;
Albrecht, ein Kretschmer;
Kehlchen, ein Fleischer;
Schilder, ein dito;
Groß, ein dito;
Binnaß, ein Fleischer
Stephan, ein dito;
Stöltzner, ein Fuhrman;
Rudel, ein Fleischer;
Feigenast, ein dito;
Zenhaße, ein dito;
Stäubel, ein Wagner;
Taschner, ein Rohtgärber;
Georg, ein Beidler;
Wilchelau, ein Fleischer;
Mühlheimb, ein dito;
Steiner, ein Meßerschmid;
Haugwitz, ein Wilpbredhändler;
Brand, ein Schneider;
Jäschner, der Meßerbotte;
Hanß, ein Weber;
Jäschke, ein Weißgärber;
Knittenburg, ein Wäber;
Blumencron, ein Meßerschmid;
Persotzner, ein Fleischer;
Haugwitz, ein Stellenmacher;
Heinrich, ein Steinmetzer;
Feilergaß, ein Kleinschmid.
Alle diese, derer 55 an der Zahl, sind in die Acht erkläret worden und ihre
Gütter sind confisciret.
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* Aschermittwoch, 21. Februar 1420
( ) Anmerkung der Herausgeber
[ ] Anmerkung SP
(1) Manuskript in der Universitätsbibliothek Wroclaw, Handschriftenabteilung, Signatur R 2389 VII/6,
zitiert in: A. Herzig/R. Sachs: Der Breslauer Gesellenaufstand von 1793, Die Aufzeichnungen des Schneidermeisters
Johann Gottlieb Klose Verlag Otto Schwartz & Co, Göttingen, 1987
(2) Samuel Benjamin Klose: Von Breslau. Dokumentirte Geschichte und
Beschreibung. In Briefen, 3 Bde, Breslau 1781-1783.
Dieser Text wurde zur Verfügung gestellt von Susanna Prause
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