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Aufstand der Breslauer Stadtsoldaten 1636
Aus den Aufzeichnungen des Johann Gottlieb Klose,
Zunftältester der Schneiderzunft zu Breslau, 1794
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| Kaiser Ferdinand II - Detail des Hochaltars der Grazer |
1635 hatte Kaiser Ferdinand Herzog Wentzel,
Oberamtsverwalter in Ober- und Niederschlesien,
nach Breslau gesandt, um in seinem Namen die
Huldigung entgegenzunehmen. Am 22. Oktober
leisteten Rath, Kaufleute und Zünfte ihren
Treueeid. Die Breslauer Stadtsoldaten, die
fürchteten, sie könnten in andere kaiserliche
Regimenter versetzt werden, weigerten sich,
"zu den neuen Fahnen" zu schwören, und marschierten
stattdessen vom Schweidnitzer Keller,
wo ihre Wachstube lag, auf das Rathaus (31. Januar 1636),
wobei es zu einem Tumult kam und Schüsse fielen.
Weder ein Ausschuss von 12 "Bürgercapitaenen" der
die Meuternden zur Raison bringen sollte, aber
Schläge bezog, noch eine Abordnung von Vertretern
beider Parteien vor dem kaiserlichen Oberamt
konnten den sich zuspitzenden Konflikt beilegen.
Die Stadttore wurden geschlossen, die Bürgerschaft zur
Wache auf den Ring gerufen, kaiserliche Soldaten in den
Vorstädten zusammengezogen, welche, sobald sich eine
Gelegenheit dazu bot, von den Stadtsoldaten beschossen wurden.
Es wurde geplündert und, nachdem ein Edelmann von
Hornig aus Bischwitz die Stadtsoldaten mir der
Äusserung gereizt hatte, wenn "die breslauer Herrn Mangel
an Holtz hetten, so wolte er seynen Wald geben,
damit sie alle könten gehencket werden" (1),
eine grausame Jagd auf vermeintliche Gegner gemacht,
die einen Pfeiffer, einen kaiserlichen Hauptmann, einen
Leutnant und einen Fähnrich das Leben kostete. Daraufhin
sperrte die Bürgerschaft die Stadt vollends, besetzte
sämtliche Gassen und fasste die Rädelsführer.

Breslau um 1650
In den "Aufzeichnungen des Schneidermeisters
Johann Gottlieb Klose" (1), werden die Verurteilten wie folgt erwähnt:
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Es "wurde ihrer 7 das Leben abgesagt und den 28t (März 1636)
vor dem Rahthauße öffentlich Execution gehalten.
1tens, Hans THILE, ein Goldschlägergeselle, eines Kauffmanß Sohn, aus Breslau gebirtig, wurde enthaubtet, die reche Hand abgeschlaen und aufs Oderthor gesteckt.
2tens, Jeremias SCHOLTZE, ein Gürttlergeselle, eines Weißgärbers Sohn auß Breslau, der Kopf abgeschlagen und auf das Nicolausthor gesteckt.
3tens, Mathias ROSENBERG, ein Toepfergeselle auß Militsch. Dem wurde der Kopf abgeschlagen und auf das Scheidnitzer Thor gesteckt.
4tens, Bartolomeus BÜCHER, Baurensohn auß Gabitz, wurde der Kopf abgeschlagen und an dem Ohlauer Thor auf dem Thurm gesteckt.
5tens, Lorens VILSTIEH, Tambor aus Fraustat.
6tens, Andreas ARLT, Pfeiffer, Kräuttersohn auß Gabitz
7tens, Tobias HILTZINS, ein Koch aus Freyhan.
Diese letzteren 3 wurden die Köpfe abgeschlagen
und mit den andern 4 auf den Schweidnitzer Anger begraben,
neben dem Beinenbegräbniskirchhof." (...)
"Den 25ten April 1636ten Jahrs zogen die Zimmerleute von den
Mühlen mit Ober und Unter und fliegenden Fahnen, in die Stadt,
vor das Ragthauß und machten bey der Stabsaule einen hohen Galgen
von Holtz und da sie fertig wahren, zogen sie wieder auf ihre Herberge.
Den 26ten, früh um 7 Uhr machen 2 Bürgercompagnien den Kreiß und
wurden wieder 6 Aufrührer gehenckt.
1tens, Jeremias MÜLLER, ein alter Landkutscher von 63 Jahren,
2tens, Asolon WISTLICH, ein Karttenmacher von Olmitz,
3tens, Martin PAUL auß Oelß,
4tens, Caspar FINDLER, ein Schuhknecht aus Breslau,
5tens, George GOLDNER, ein Bauernsohn,
6tens, LAMPERT, ein Bauernsohn auß Langfeld.
Diese 6 Personen musten 2 Tage und 2 Nächte hencken,
alsden wurden sie neben die andern auf den Anger begraben.
Den 29. April wurden von den übrigen noch 13 loßgelassen,
einige davon nahmen wieder Dinste und einige davon musten
sich in 48 Stunden auß der Stadt machen und 6 sind zur
Gefangenschafft verurtheilet worden."
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( ) Anmerkung der Herausgeber
(1) Manuskript in der Universitätsbibliothek Wroclaw, Handschriftenabteilung, Signatur R 2389 VII/6,
zitiert in: A. Herzig/R. Sachs: Der Breslauer Gesellenaufstand von 1793, Die Aufzeichnungen des Schneidermeisters
Johann Gottlieb Klose Verlag Otto Schwartz & Co, Göttingen, 1987
Dieser Text wurde zur Verfügung gestellt von Susanna Prause
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