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Schülerbesuch aus Wroclaw in Mainz
Februar 2005

Seit einiger Zeit stehe ich mit einer Deutschlehrerin eines Gymnasiums in Wroclaw in Emailkontakt. 

Füher: 43.Volksschule für Mädchen. Yorkstr. 49
Heute: Liceum Ogólnokształcące Nr VII 
im K. K. Baczyńskiego ul Krucza 49

Sie hatte auf der Homepage "Breslau - Wroclaw" alte Breslauer gesucht, die ihr etwas von der Liebigshöhe (damals) erzählen konnten. Ich antwortete sofort und teilte ihr mir, dass ich in meiner Schwimmerzeit 1942 - 1944 nach dem Training im Halla, an der Liebigshöhe auf die Straßenbahn gewartet, um nach Hause zu fahren. Unser Kontakt erweiterte sich um viele Details aus alten Breslauer Zeiten. Bozena bespricht sehr viel mit ihren Schülern über die bekannten Gebäude damals in Breslau, über unsere Lebensart, Gewohnheiten und auch kleine Festlichkeiten.

Der Mainzer Dom - 1000 Jahre alt - Bozena Roskiewicz und ich

Jetzt hat sie mit 10 ihrer Schülerinnen und 2 Kolleginnen eine Reise nach Finnland gemacht. Auf dem Heimweg kommt der Flieger hier in Hahn, dem Ausweichflugplatz von Frankfurt am Main an. Die Weiterfahrt ist dann erst morgen abends, dem 25. Februar, so daß die Gruppe in der Jugendherberge in Mainz übernachtete, und wir uns morgen früh am Rathaus treffen werden. Den ganzen Tag war ich schon sehr aufgeregt und unruhig, ob wohl alles klappen wird. Eben, kurz nach 20.00 Uhr rief Bozena vom Flughafen aus an, sie sind gut gelandet und warten auf die Weiterfahrt nach Mainz. Jetzt freue ich mich sehr auf morgen, es muß, es wird bestimmt interessant werden.

Heute, Freitag Morgen war es bitterkalt in Mainz: minus 8 Grad. Die Autoscheiben total vereist, meine Stimmung sank auf den Nullpunkt. Ich verspätete mich ein wenig, und als ich im Rathaus ankam, war die Gruppe schon eingetroffen, aber mein Sohn und meine Schwiegertochter hatten sie bereits empfangen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und gutgelaunt begrüßte ich die 15 Gäste auf polnisch und hieß sie in Mainz willkommen.

Begrüßungsrunde im Rathaus Mainz

Bozena gab mir und Sabine als Geschenk je ein Buch: Breslau - Fotografien aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Ein dickes Buch in A4 - Format mit sehr schönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen und umfangreichen Erklärungen von Iwona Binkowska.

Dann übernahm wieder Ralf die Regie, erklärte den Bau des Rathauses, zeigte uns den Ratssaal mit der Sitzordnung aller Parteien und Sabine saß auf ihrem angestammten Platz in der Fraktion. Die Kameras der Schülerinnen klickten nur so. Anschließend fuhren wir auf das Dach des Rathauses, die Sonne strahlte, der Rundblick - bis hinüber auf die andere Rheinseite nach Wiesbaden war phantastisch.

Auf dem Rathausdach, 
im Hintergrund auf der anderen Rheinseite Wiesbaden.

Ralf erklärte präzise und fachgerecht die vielen interessanten Gebäude, ihre Entstehung und die heutige Nutzung. Die Schüler stellten viele Fragen. Meine Bemerkung dazu: Der Dom von Mainz ist 1000 Jahre alt, genauso alt wie unser Breslau / Wroclaw!

Zur Mittagszeit gingen wir ins Rathausrestaurant, zwei große Tische waren für uns reserviert und gedeckt. Es wurden 3 verschiedene Menüs angeboten, jeder konnte sich nach seinem Geschmack etwas aussuchen, auch die Getränke dazu. Die Gesamtkosten übernahm ich dann, denn sie waren außerordentlich gering. Beim Essen entwickelte sich eine rege Diskussion zwischen den 3 Lehrerinnen Sabine, Ralf und mir: ein bißchen auf polnisch, ein bißchen englisch, aber größtenteils deutsch. Bozena dolmetschte flüssig und sehr präzise.

Danach trennten sich unsere Wege, die Besuchergruppe spazierte alleine durch die Innenstadt, bewaffnet mit einem Ausschnitt des Stadtplanes. Die wichtigsten Punkte hatten wir markiert. Um 15.00 Uhr trafen wir uns alle wieder am Dom! Bozena sagte zu mir: "Es ist ein einmaliges Erlebnis: erst die Tage mit den Renntierschlitten im nördlichen Finnland, und dann die Kultur mit viel römischer Vergangenheit hier am Rhein."

Abschied in der Altstadt von Mainz.

Etwas später verabschiedete ich mich von unseren Gästen. Die herzlichen Umarmungen aller Schülerinnen haben mir unendlich gut getan. Eine Schülerin bedankte sich noch einmal mit einem riesengroßen Tulpenstrauß. Unsere letzten gemeinsamen Worte waren:

Do widzenia we Wroclawiu! (Auf Wiedersehen in Breslau )

Dann brachte Sabine alle Gäste zum Bahnhof, wo der Bus wartete, der bald in unsere Heimatstadt abfahren sollte.

Karla Postrach-Rast, Februar 2005

 
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