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Weihnachten zu Hause in Karlowitz - 1944
Aufgeschrieben von Karla Postrach-Rast

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Reisebilder 2005

Winter - Ohlehafen

 

Draußen lag tiefer Schnee, zu Hause war es warm und gemütlich.

Reisebilder 2005

Winter - Oderpartie mit Kreuzkirche und Dom

 

Es war Krieg, aber in Breslau spürten wir nichts davon. Zwar war alles dunkel, keine Laterne brannte, aber das waren wir schon gewöhnt. Mutti stand schon den ganzen Tag in der Küche und bereitete die Weihnachtssoße vor. Es gab - wie immer - Polnische Soße ( aus Pfefferkuchen und Bier und Wurzelwerk zubereitet) und dazu schlesische weiße Würstchen und polnische geräucherte Würstchen mit Kartoffeln und Sauerkraut. 

Ich brauchte in der Küche nicht zu helfen, Vati hatte sich im "Weihnachtszimmer" eingeschlossen, um den Weihnachtsbaum zu schmücken, nur mit Lametta und weißen Kerzen. Bis es los ging, saß ich in meinem Zimmer und las ein bißl. Am späten Nachmittag kamen die Große und die Kleine, so sagte ich zu ihnen. Die Kleine war eine gute Freundin von meiner Tante Lissy, die Große Ihre Mutter . Sie war so etwas wie eine Ersatzoma für mich, denn ich hatte keine Großeltern mehr. Wir aßen alle zusammen in gemütlicher Runde unsere Weihnachtsmahlzeit. Dann halfen alle der Mutti in der Küche und der eigentliche Weihnachtsabend begann.

In Vatis Zimmer, dem Herrenzimmer, stand außer seinem Schreibtisch und dem Bücherschrank auch ein Klavier. Jetzt kam meine große Stunde: ich spielte 4 Weihnachtslieder, zuletzt immer "Stille Nacht, Heilige Nacht". Alle sangen mit und es war sehr feierlich. Dann öffnete Vati die Tür zum Weihnachtszimmer, die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten, und darunter lagen die Geschenke. Mutti bekam ein Kaffeeservice aus Bunzlauer Porzellan mit dem neuesten Dekor. Ich einen neuen Wintermantel und ein Buch.Später gab es dann noch meine geliebten Mohnklöße und ich war glücklich und zufrieden.

Vor dem Einschafen las ich noch in dem neuen Buch und freute mich sehr über den schönen Abend, denn an diesem Tage wußten wir nicht, daß es das letzte Weihnachtsfest zu Hause ist.

 
© 2005 Egon Höcker
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