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Der Kindelmarkt
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Am beliebtesten, vor allem bei den Kindern, war der Kindelmarkt. Er gehörte,
wie auch in anderen deutschen Städte, zu den Traditionsmärkten der Stadt
Breslau und er begann elf Tage vor dem heiligen Christfest. Zu dem Kindelmarkt
waren nur Breslauer Kaufleute zugelassen und man vermiet allzu lautes
Markttreiben. Man legte Wert darauf, "unter sich zu bleiben".
Angeboten wurden vor allem weihnachtliche Artikel, wie Zuckerzeugt, glasierte
Bratäpfel, Lebküchnereien, die sogar von Nürnberg gekommen waren, Honig in
allen Geschmacksrichtungen, Honigweine, Pfeffernüsse,
"Pflastersteine", Holzschnitzereien, kirchliche Gebrauchsgegenstände,
wie Leuchter, Kruzifixe, Votivbilder, Wachsstöcke, Kerzen, natürlich auch
hölzernes Kinderspielzeug usw. Mit der Barockzeit kamen auch künstlerisch hochwertige Weihnachtskrippen
auf, wie man solche in allen Gegenden Schlesiens, besonders im Riesengebirge,
herzustellen gewohnt war.
Vor hundert Jahren wurde der letzte Kindelmarkt an der Nordseite des Ringes
abgehalten, wo es sonst Süßigkeiten gab. Seit 1904 fand der Christkindelmarkt
auf dem Neumarkt statt.
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Weihnachten
Markt und Straßen stehen verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehen und schauen,
sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heiliges Schauern!
Wie so weit und still die die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigts wie wunderbares Singen -
o du gnadenreiche Zeit.
Joseph von Eichendorf
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Kreuzkirche - Kunstmaler Hans Genehr
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Der Spiller-August
Und Advents geschah uns schließlich die Einschwingung in der Heimat Hauptstadt.
Da gab' s den Kindelmarkt im "Pariser Garten ", einem Lokal der Innenstadt, und
auf dem Neumarkt mit dem Brunnen des Neptuns, den ob und trotz seines
sinnbildschweren Dreizacks die Breslauer unehrerbietig "Gabeljürge" nannten.
Dort wie hier die üppig geschmückten Buden mit bunten Lampen, Glitzerketten im
Spiel des Regenbogens, Engelshaar, den schlesischen Christbaumkugeln und den
Sternen aus "indischen Schatzkammern" (wie der heisere Ausrufer verkündete)
waren einfach knorke. Lerge, welches Glück, ein Breslauer zu sein!
Auch die angebotenen Waren des Kindelmarkts waren "pfundig". Da gab's die
"weltberühmten Liegnitzer Bomben" und "Pflastersteine" - die Sensation des
Zeitalters. Sie dienten weder Krieg noch Straßenbau, sondern allenfalls einem
Magenkatarrh. "Türkischen Honig" verkaufte - die Scheibe für'n Behm (zehn
Pfennig) - ein Mann mit rotem Fez und dem typisch osmanischen Namen August
Spiller aus Pöpelwitz, Landkreis Breslau.
Dieser Spiller-August, Freund unserer Jugend, wie seine Kindelmarkt-Kollegen und
-Kolleginnen, standen vermummt, mit unwahrscheinlich dicken Stiefeln hinter
ihren Zaubertischen, wärmten überm Holzöfchen ihre roten "Brummen" (Hände) und
tranken immer mal wieder ein" Tippel" (Kaffee) oder einen" Vierstöckigen" (Korn
aus dem Wasserglas). Wie herrlich beschwingt war ihr Schimpfen, wenn eine Weile
niemand kaufte: "Ihr Gamel (Dummköpfe), Plenten, verpuchte! (verdammte
Geizhälse). Denkt ihr vielleicht, wir halten hier Maulaffen feil für euch
Sehleute, euch Dreckfresser, vergeizte!" Und kaufte einer, schlug die Stimmung
von einem Furioso in das andere um: "Seht Euch den Doktor an! Der ist vielleicht
'n Lebemann, Ihr Leute! Der denkt: Lieber 'n bissel besser und davor 'n bissel
länger gelebt!"
Gerhart Pohl (1902 - 1966) aus "Schlesien gestern und heute.
Eine Auswahl von Dichtungen und Berichten namhafter Autoren".
Herausgegeben von Albrecht Baehr, München 1970
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