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St. Ägidien Kirche (Foto vor 1945)
Die dem hl. Ägidius, einem der 14 Nothelfer, geweihte Kirche ist das älteste
erhaltene Bauwerk in Breslau. Der Tradition nach ist sie von dem Domdechanten
Viktor (1213-1235) als Vikarie der Domgemeinde gegründet und mit zwei Pfründen
ausgestattet worden. Der jetzt noch vorhandene Bau stammt aus der ersten Hälfte
des 13. Jahrhunderts, er setzt sich zusammen aus dem im Grundriß quadratischen
Presbyterium mit einer nach drei Seiten eines Sechsecks geschlossenen Apsis und
dem einschiffigen, zweijochigen, vom Chor durch einen Gurtbogen getrennten
Schiffe. Den zwischen den beiden Pfarrern bei St. Ägidius und den Domvikaren
1262 entstandenen Streit hat B. Panzram in Band l des Archivs für schlesische
Kirchengeschichte (1936) eingehend behandelt. Bischof Nanker errichtete 1329 an
der Ägidienkirche ein drittes Kanonikat, erhob die am besten dotierte Pfründe
zur Propstei und übertrug dem Propst allein die Seelsorge auf der Dominsel. Der
Propst und die beiden Kanoniker wurden verpflichtet, sich am Domdienst in der
Kathedrale zu beteiligen. Seitdem war St. Ägidien eine Kollegiatkirche. Im Jahre
1408 stiftete der Krakauer Domherr Nikolaus Prausnitz an der Ägidienkirche ein
Kollegium von sechs Mansionaren, ähnlich dem bei der Krypta der Kreuzkirche, mit
der Verpflichtung, täglich das Offizium "de passione domini" zu singen und
wöchentlich eine hl. Messe für die Verstorbenen und sonnabends de beata Virgine
Maria zu lesen. Vom Baseler Konzil (1431- 1449) wurde die Propstei der
Ägidienkirche der Domkanzel inkorporiert. Die Seelsorge übernahm ein eigener
Pfarrer (parochus proprius), der vom Domkapitel und vom Bischof besoldet wurde.
Nach Barthel Stein hatte die Ägidienkirche um 1500 drei Altäre, ein vierter
befand sich in der Sakristei. Es werden auch zwei Altaristen an St. Ägidien
erwähnt. Die Kanonikate befanden sich zumeist im Besitz der Domherren an der
Kathedrale. Den Visitationsbericht von 1580 hat A. Nowack in Band l des Archivs
veröffentlicht. Neben der Ägidienkirche erbaute der Weihbischof Balthasar Liesch
von Hornau ein Haus für 12 Kleriker, die ein gemeinsames Leben führen, die
Vikare der Domkirche und der Kreuzkirche unterstützen, den gregorianischen
Gesang und die Instrumentalmusik für den feierlichen Gottesdienst üben sollten.
Nach der Säkularisation von 1810 wurde die Kreuzkirche die Pfarrkirche der
Domgemeinde. 1889 zogen die Franziskaner in das Liesch'sche Haus neben der
Ägidienkirche und übernahmen das Beichthören im Dom.
Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert,
1961, 2. Auflage
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