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Die dem hl. Ägidius, einem der 14 Nothelfer, geweihte Kirche ist das älteste erhaltene Bauwerk in Breslau. Der Tradition nach ist sie von dem Domdechanten Viktor (1213-1235) als Vikarie der Domgemeinde gegründet und mit zwei Pfründen ausgestattet worden. Der jetzt noch vorhandene Bau stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, er setzt sich zusammen aus dem im Grundriß quadratischen Presbyterium mit einer nach drei Seiten eines Sechsecks geschlossenen Apsis und dem einschiffigen, zweijochigen, vom Chor durch einen Gurtbogen getrennten Schiffe. Den zwischen den beiden Pfarrern bei St. Ägidius und den Domvikaren 1262 entstandenen Streit hat B. Panzram in Band l des Archivs für schlesische Kirchengeschichte (1936) eingehend behandelt. Bischof Nanker errichtete 1329 an der Ägidienkirche ein drittes Kanonikat, erhob die am besten dotierte Pfründe zur Propstei und übertrug dem Propst allein die Seelsorge auf der Dominsel. Der Propst und die beiden Kanoniker wurden verpflichtet, sich am Domdienst in der Kathedrale zu beteiligen. Seitdem war St. Ägidien eine Kollegiatkirche. Im Jahre 1408 stiftete der Krakauer Domherr Nikolaus Prausnitz an der Ägidienkirche ein Kollegium von sechs Mansionaren, ähnlich dem bei der Krypta der Kreuzkirche, mit der Verpflichtung, täglich das Offizium "de passione domini" zu singen und wöchentlich eine hl. Messe für die Verstorbenen und sonnabends de beata Virgine Maria zu lesen. Vom Baseler Konzil (1431- 1449) wurde die Propstei der Ägidienkirche der Domkanzel inkorporiert. Die Seelsorge übernahm ein eigener Pfarrer (parochus proprius), der vom Domkapitel und vom Bischof besoldet wurde. Nach Barthel Stein hatte die Ägidienkirche um 1500 drei Altäre, ein vierter befand sich in der Sakristei. Es werden auch zwei Altaristen an St. Ägidien erwähnt. Die Kanonikate befanden sich zumeist im Besitz der Domherren an der Kathedrale. Den Visitationsbericht von 1580 hat A. Nowack in Band l des Archivs veröffentlicht. Neben der Ägidienkirche erbaute der Weihbischof Balthasar Liesch von Hornau ein Haus für 12 Kleriker, die ein gemeinsames Leben führen, die Vikare der Domkirche und der Kreuzkirche unterstützen, den gregorianischen Gesang und die Instrumentalmusik für den feierlichen Gottesdienst üben sollten. Nach der Säkularisation von 1810 wurde die Kreuzkirche die Pfarrkirche der Domgemeinde. 1889 zogen die Franziskaner in das Liesch'sche Haus neben der Ägidienkirche und übernahmen das Beichthören im Dom. Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert, 1961, 2. Auflage |
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