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Kreuzkirche (Foto vor 1945)
Nach Beendigung des großen Kirchenstreites mit Bischof
Thomas II. (1270—1292) stiftete Herzog Heinrich IV. von Schlesien am 11.1. 1288
unter den Mauern seiner Burg auf der Dominsel ein Kollegialkapitel zum hl.
Kreuz mit einer Doppelkirche. Bischof Johann III. Romka (1292—1301) konnte
schon 1295 den Hochchor einweihen, das Kreuzschiff und das Langhaus wurden erst
in der I. Hälfte des 14. Jahrhunderts vollendet. Herzog Heinrich IV., der am
23. 6. 1290 starb, wurde in einem Hochgrab im Chor der Oberkirche begraben. Das
Eigenartige dieser Kirche ist, daß sie 2 Geschosse hat, eine niedere, dem hl.
Bartholomäus geweihte Unterkirche und eine obere hohe Hallenkirche zu Ehren des
hl. Kreuzes. 17 Stufen führen hinab zur Unterkirche und 24 hinauf zur
Oberkirche. Der Gesamtbau hat 2 Türme, von denen nur der Südturm ausgebaut ist.
Die Wirkung der oberen Hallenkirche ist weiträumig. Sehr malerisch erscheint
das Äußere, obwohl die Kirche durch die umliegenden Gebäude in die Enge
gedrängt wird, besonders vom jenseitigen Oderufer. Über dem Portal der
Nordseite befindet sich ein Tympanon mit Gott Vater, der den Crucifixus vor
sich hält, während am Boden der Stifter mit seiner Gemahlin kniet. Das Kollegialkapitel
zählte 5 Prälaten und 12 Kanoniker, von denen viele zugleich Domherren an der
Kathedrale waren. Während des Dreißigjährigen Krieges haben die Schweden die
Kirche entweiht und die Unterkirche als Pferdestall benutzt. 1810 wurde das
Kollegialstift säkularisiert, die Kreuzkirche wurde Kuratialkirche der
Dompfarrei, die den ganzen Osten Breslaus umfaßte und bis Bartheln,
Bischofswalde, Grüneiche, Leerbeutel, Wilhelmsruh und Zimpel reichte. Am l. l.
1925 wurde die Pfarrei zum hl. Kreuz errichtet und von der Dompfarrei
abgetrennt. Sie umfaßte damals über 13300 Katholiken. Die große Ausdehnung der
Pfarrei machte bald eine Aufteilung notwendig, so entstanden auf ihrem Gebiet zwei
neue Pfarreien: St. Petrus Canisius an der Fürstenstraße und Hl. Familie in
Zimpel. Eine dritte Kirche war in Leerbeutel geplant. Der letzte Pfarrer der
Kreuzkirche, Erzpriester Geistlicher Rat Johannes Dittrich, wurde bei der
Belagerung Breslaus am 20. April 1945 getötet. Die Kreuzkirche erhielt einen
Bombentreffer, der bis in die Unterkirche ging. Die schweren Schäden sind
inzwischen beseitigt worden.
Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert,
1961, 2. Auflage
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