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St. Martini Kirche (Foto vor 1945)
Die St.-Martini-Kirche ist das älteste Gotteshaus Breslaus, sie ist sicherlich
schon vor der Gründung des Bistums unter der böhmischen Herrschaft als Kapelle
der ältesten herzoglichen Burg erbaut worden, die auf der Westseite der
ehemaligen Dominsel lag. Der hl. Martin war der Schutzpatron der Soldaten und
Krieger. Bei der Burgkapelle in der abbatia s. Martini haben wahrscheinlich die
ältesten Breslauer Bischöfe mit der Domgeistlichkeit residiert, bis Bischof
Walter (1149-1169) auf dem Friedhof der Vorstadt (suburbium) der Burg den ersten
steinernen Dom errichtete. Herzog Boleslaus IV. vom Polen schenkte 1149 die
Martinikapelle den Benediktinern von St. Vinzenz auf dem Elbing, die
wahrscheinlich nicht aus Tyniec bei Krakau, wie man bisher annahm, sondern aus
der St.-Vinzenz-Abtei in Metz gekommen sind. Die Abtei zum hl. Martin blieb
weiter im Besitz des Breslauer Bistums. Im Jahre 1163 kehrte Herzog Boleslaus
der Lange (1163-1202) nach seiner Vertreibung nach Breslau zurück und residierte
in der herzoglichen Burg auf der Dominsel. Damals ist wahrscheinlich die
St.-Martini-Kirche als Zentralbau nach westlichen Mustern neu erbaut worden, der
dann bereits im 13. Jhh. erweitert wurde. Denn nach 1310 verlegten die
plastischen Herzöge end-gültig ihren Sitz in die Burg auf dem linken Oderufer,
da wo heute die Universität steht. Bischof Preczlaus tauschte am 24. l. 1368 die
Martinikirche ein und gab dem Vinzenzstift dafür die benachbarte
Allerheiligenkirche. Unter Beibehaltung der alten Umfassungsmauer der Burg
wurden bei der Martinikirche sieben Kurien für die Kanoniker der Kreuzkirche
erbaut. Wohl nach einem Brand im Jahre 1466 erhielt sie die unregelmäßige Form,
die sie bis zur Zerstörung im Jahre 1945 hatte. Nach der Beschreibung des
Barthel Stein besaß die Martinikirche um 1500 nur einen Altar, sie war nicht
gewölbt, sondern hatte eine bemalte und mit goldenen Sternen verzierte,
getäfelte Decke. Noch zu Beginn des 19. Jhh. befand sich in der Martinikirche
ein Wandgemälde, das die Belagerung der herzoglichen Burg durch die Tartaren und
ihre Vertreibung durch das Gebet des seligen Czeslaus darstellte. Durch den Bau
der Gneisenaubrücke und die Anlegung der Martinistraße in den Jahren 1885-1887
erhielt die Dominsel einen zweiten Zugang zur Stadt. Die 1945 schwer zerstörte
Martinikirche wurde neuerdings in der ursprünglichen Form des achteckigen
Zentralbaues mit einem zweijochigen Chor wiederhergestellt.
Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert,
1961, 2. Auflage
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