|
||
Die St.-Martini-Kirche ist das älteste Gotteshaus Breslaus, sie ist sicherlich schon vor der Gründung des Bistums unter der böhmischen Herrschaft als Kapelle der ältesten herzoglichen Burg erbaut worden, die auf der Westseite der ehemaligen Dominsel lag. Der hl. Martin war der Schutzpatron der Soldaten und Krieger. Bei der Burgkapelle in der abbatia s. Martini haben wahrscheinlich die ältesten Breslauer Bischöfe mit der Domgeistlichkeit residiert, bis Bischof Walter (1149-1169) auf dem Friedhof der Vorstadt (suburbium) der Burg den ersten steinernen Dom errichtete. Herzog Boleslaus IV. vom Polen schenkte 1149 die Martinikapelle den Benediktinern von St. Vinzenz auf dem Elbing, die wahrscheinlich nicht aus Tyniec bei Krakau, wie man bisher annahm, sondern aus der St.-Vinzenz-Abtei in Metz gekommen sind. Die Abtei zum hl. Martin blieb weiter im Besitz des Breslauer Bistums. Im Jahre 1163 kehrte Herzog Boleslaus der Lange (1163-1202) nach seiner Vertreibung nach Breslau zurück und residierte in der herzoglichen Burg auf der Dominsel. Damals ist wahrscheinlich die St.-Martini-Kirche als Zentralbau nach westlichen Mustern neu erbaut worden, der dann bereits im 13. Jhh. erweitert wurde. Denn nach 1310 verlegten die plastischen Herzöge end-gültig ihren Sitz in die Burg auf dem linken Oderufer, da wo heute die Universität steht. Bischof Preczlaus tauschte am 24. l. 1368 die Martinikirche ein und gab dem Vinzenzstift dafür die benachbarte Allerheiligenkirche. Unter Beibehaltung der alten Umfassungsmauer der Burg wurden bei der Martinikirche sieben Kurien für die Kanoniker der Kreuzkirche erbaut. Wohl nach einem Brand im Jahre 1466 erhielt sie die unregelmäßige Form, die sie bis zur Zerstörung im Jahre 1945 hatte. Nach der Beschreibung des Barthel Stein besaß die Martinikirche um 1500 nur einen Altar, sie war nicht gewölbt, sondern hatte eine bemalte und mit goldenen Sternen verzierte, getäfelte Decke. Noch zu Beginn des 19. Jhh. befand sich in der Martinikirche ein Wandgemälde, das die Belagerung der herzoglichen Burg durch die Tartaren und ihre Vertreibung durch das Gebet des seligen Czeslaus darstellte. Durch den Bau der Gneisenaubrücke und die Anlegung der Martinistraße in den Jahren 1885-1887 erhielt die Dominsel einen zweiten Zugang zur Stadt. Die 1945 schwer zerstörte Martinikirche wurde neuerdings in der ursprünglichen Form des achteckigen Zentralbaues mit einem zweijochigen Chor wiederhergestellt. Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert, 1961, 2. Auflage |
||
|
© 2004 www.breslau-wroclaw.de |