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St. Mauritius Kirche (Foto vor 1945)
Auch sie gehört zu den ältesten Kirchen Breslaus. Um die Mitte des 12. Jhh.
ließen sich Wallonen in der östlichen Vorstadt auf einen dem Archidiakon
gehörenden Gebiet nieder, die wahrscheinlich von Bischof Walter (1149-1169) oder
den Augustiner Chorherren, die an der benachbarten St. Adalbert-Kirche die
Seelsorge wahrnahmen, herbeigerufen wurden. Die Wallonen brachten das
Patrozinium des hl. Mauritius mit, dem zu Ehren sie bald eine Kirche erbauten,
die 1226 zuerst erwähnt wird, aber im Mongolensturm unterging. Die Kirche muß
aber bald wieder aufgebaut worden sein, da 1245 bereits ein Pfarrer bei St.
Mauritius erwähnt wird. Der bis zuletzt vorhandene Dachstuhl des Langhauses der
Kirche stammt aus der 2. Hälfte des 13. Jhh. Östlich von der Wallonensiedlung
lag das sogenannte weiße Vorwerk, das dem Breslauer Bischof gehörte, mit dem
St.-Lazarus-Hospital für Aussätzige, das schon 1260 erwähnt wird. Im Jahre 1530
beabsichtigte der lutherische Breslauer Rat, die Mauritiuskirche und das
Lazarushospital niederzureißen, er erhielt aber nicht die königliche
Genehmigung. Da die Mauritiuskirche unter dem Patronat des Breslauer
Archidiakons stand, blieb sie in der Reformationszeit katholisch. Nur im
30jährigen Kriege vertrieben die Schweden den katholischen Pfarrer und ließen in
den Jahren 1633-1635 lutherischen Gottesdienst halten. 1695 wurde das Langhaus
eingewölbt, 1711 ein neues Pfarrhaus und 1723/24 der Kirchturm erbaut. Da die
Mauritiuskirche nur 600 Personen faßte, die Katholikenzahl aber auf 22455
angewachsen war, plante man zunächst einen Neubau, doch wurde die alte Kirche
1897 durch den Anbau eines Kreuzschiffes und eines Presbyteriums erweitert. Um
die Pfarrkirche weiter zu entlasten, erhielt Tschansch 1909 und Brockau 1910/11
eine eigene Kirche, beide wurden von St. Mauritius abgetrennt und selbständige
Pfarreien. Der weiteren Entlastung dient die 1932/33 erbaute St. Josefs-Kirche
an der Ofener Straße.
Der letzte deutsche Pfarrer, Erzpriester Geistl. Rat Paul Peikert, mußte Breslau
am 11.7. 1946 verlassen. Er starb am 18.8. 1949 in Bredenborn, Kr. Höxter, wo er
auch begraben wurde. Ihm verdankt die St. Mauritius-Kirche den neuen Hochaltar,
den Architekt Hans Schlicht entwarf, und den neuen Taufbrunnen, den die Firma
Adolph anfertigte.
Quelle: Die katholischen Kirchen Breslaus, Dr. Kurt Engelbert/Josef Engelbert,
1961, 2. Auflage
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