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Der Schweidnitzer Keller
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Es gibt einen Breslauer Ausspruch, der auf die Bedeutung eines Besuches im
"Schweidnitzer Keller" hinweist: "Wer nicht im
Schweidnitzer Keller war, ist nicht in Breslau gewesen." Urkundlich
wird der Ratskeller erstmals im Jahr 1303 erwähnt als "cellaria
civitatis" - Stadtkeller.
Die Geburtsurkunde des Schweidnitzer
Kellers ist das Privileg Herzog Heinrichs IV. über das
Schrotamtsrecht, nach dem der Rat von Breslau das Recht zum alleinigen
Ausschank von Wein und Bier ableitete. Im Jahre 1331 wurde im "Armen
Heinrich", dem ersten Rechnungsbuch der Stadt, eine Einnahme aus dem
Schweidnitzer Keller erwähnt. Er war immer eine gute Einnahmequelle
der Stadt.
Ruhm hat der Keller sicher auch schon in früherer Zeit
besessen. Er stellt immer einen Ort dar, an dem Arm und Reich, Jung und Alt
zusammenkamen, um einträchtig nebeneinander zu sitzen. Auch Kaiser
Sigismund hatte sich inkognito unters Volk gemischt, wo ihm so
manche Grobheit zu Ohren kam. Das war im Jahre 1420 anlässlich des
Reichstages in Breslau. Dabei musste er sich anhören, wie die Breslauer
über ihn und seine teure Hofhaltung, die auf Kosten der Stadt ging,
redeten. Daraufhin sollen folgende kaiserliche Worte von ihm an die
Wand oder auf die Tischplatte geschrieben worden sein:
Wenn mancher Mann wüßte,
wer mancher Mann war'
tat mancher Mann
manchem Mann manchmal mehr Ehr'.
Diese Inschrift malte man im 16. Jahrhundert auf eine Holztafel, die bis 1945
vorhanden war.
Von 1428 bis 1760
war der Keller in stadteigener Verwaltung. Das Kelleramt der Stadt bestand aus
dem Ratsältesten und zwei Ratsherren. Zuerst wurde im Schweidnitzer
Keller das Schweidnitzer Gerstenbier ausgeschenkt. 1520 errichtete
die Stadt eine eigene Brauerei, die sich zuerst auf der Kupferschmiedegasse
und später im Hinterhaus des Hauses Ring Nr. 22 befand. Zwischen dem Keller und dieser Brauerei baute man einen unterirdischen
Gang. Seit 1783 lag diese Brauerei, die man als "Gemeines Stadt Weißbier- und
Kelleramtshaus" und später als "Stadt Berlin" benannte, im Haus Schweidnitzer
Straße 51/Ecke Junkernstrasse. Um 1811 besaß der Keller
keinen guten Ruf. Er stellt damals den Tummelplatz von
Trödlern, Taschenspielern, Spekulanten und wüsten Gesellen dar, die
dort ihr Unwesen trieben. Die Blütezeit des Schweidnitzer Kellers
setzte ein, als Braumeister Karl August Friebe im Jahre 1821 als
Pächter einzog. 1842 nahmen die Studenten die wiedereingerichtete
"Bucht" für sich in Anspruch. Bis 1903 befand sich der Keller in den Händen
der Friebeschen Erben. Seit 1904 pachtete die Haase-Brauerei den Keller und seit
dem l. Oktober 1916 erscheint Max Kluge als
Unterpächter.
1904 und von 1936 bis 1938 wurde der Schweidnitzer
Keller vollständig und modern umgestaltet. Die Wände der alten Gewölbe
erhielten eine stilvolle Ausleuchtung und wurden mit hübschen
Wandfresken von Prof. Hehn geschmückt, die sich auf die deutsche
Stadthistorie Breslaus bezogen. Die Geschichte reichte von den schlesischen Piasten
bis in die jüngere Zeit. Hoch ist die Zahl der Kuriositäten und
Raritäten, die der Schweidnitzer Keller barg, und
der originellen Gestalten, die in ihm ein- und ausgingen. Zu den teuersten
Flecken Erde Breslaus gehörte die "Würstelnische" und die "Kröppelnische".
Den höchsten Bierumsatz
erzielte der Schweidnitzer Keller kurz nach seiner letzten großen
Renovierung im Jahre 1937 sowie im Zusammenhang mit den letzten
deutschen Großveranstaltungen, die in Breslau vor dem Krieg
durchgeführt wurden, wie z.B. das 12. Deutsche Sängerbundfest und
das XII. Deutsche Turn- und Sportfest. Es soll Tage gegeben haben, an
denen mehr als 9.000 Liter Bier gezapft wurden, was 20.000
ausgeschenkten Schoppen entspricht. Da der Keller über reichlich 700
Sitzplätze verfügte, trank man also damals auf jedem Platz
durchschnittlich 29 Schoppen.
Während der
Festungsmonate 1945 diente der Keller als behelfsmäßiger Truppenverbandsplatz.
Gleichzeitig suchte die Zivilbevölkerung in den festen Gewölben
Schutz vor Bomben und Granaten. Nach der Übernahme durch die
polnische Verwaltung wurden alle Erinnerungen an diesen uralten
deutschen Bürgerkeller beseitigt.
Seit 2002 erscheint der Schweidnitzer Keller nach umfangreichen Rekonstruktionen
wieder als historischer Ratskeller. Man spürt die Atmosphäre von einst, die der Schweidnitzer Keller auf
seine Besucher ausstrahlte. Gaukler in historischen Kostümen stehen in der
Nähe des Breslauer Rathauses und laden zum Besuch ein. Jeder Besucher der Stadt
sollte einmal hier gesessen haben. Auf der Speisekarte findet man so
manches schlesisches Gericht und beim Trinken der Schoppen kann man sich ganz
gut unterhalten. Die Kellner sprechen deutsch und können, wenn es gewünscht
wird, den Besuch in dieser historischen Gaststätte auch durch die Ausstellung einer Urkunde bestätigen.
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