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Es gibt einen Breslauer Ausspruch, der auf die Bedeutung eines Besuches im
"Schweidnitzer Keller" hinweist: "Wer nicht im
Schweidnitzer Keller war, ist nicht in Breslau gewesen." Urkundlich
wird der Ratskeller erstmals im Jahr 1303 erwähnt als "cellaria
civitatis" - Stadtkeller. Ruhm hat der Keller sicher auch schon in früherer Zeit besessen. Er stellt immer einen Ort dar, an dem Arm und Reich, Jung und Alt zusammenkamen, um einträchtig nebeneinander zu sitzen. Auch Kaiser Sigismund hatte sich inkognito unters Volk gemischt, wo ihm so manche Grobheit zu Ohren kam. Das war im Jahre 1420 anlässlich des Reichstages in Breslau. Dabei musste er sich anhören, wie die Breslauer über ihn und seine teure Hofhaltung, die auf Kosten der Stadt ging, redeten. Daraufhin sollen folgende kaiserliche Worte von ihm an die Wand oder auf die Tischplatte geschrieben worden sein:
Diese Inschrift malte man im 16. Jahrhundert auf eine Holztafel, die bis 1945 vorhanden war.
Von 1428 bis 1760 war der Keller in stadteigener Verwaltung. Das Kelleramt der Stadt bestand aus dem Ratsältesten und zwei Ratsherren. Zuerst wurde im Schweidnitzer Keller das Schweidnitzer Gerstenbier ausgeschenkt. 1520 errichtete die Stadt eine eigene Brauerei, die sich zuerst auf der Kupferschmiedegasse und später im Hinterhaus des Hauses Ring Nr. 22 befand. Zwischen dem Keller und dieser Brauerei baute man einen unterirdischen Gang. Seit 1783 lag diese Brauerei, die man als "Gemeines Stadt Weißbier- und Kelleramtshaus" und später als "Stadt Berlin" benannte, im Haus Schweidnitzer Straße 51/Ecke Junkernstrasse. Um 1811 besaß der Keller keinen guten Ruf. Er stellt damals den Tummelplatz von Trödlern, Taschenspielern, Spekulanten und wüsten Gesellen dar, die dort ihr Unwesen trieben. Die Blütezeit des Schweidnitzer Kellers setzte ein, als Braumeister Karl August Friebe im Jahre 1821 als Pächter einzog. 1842 nahmen die Studenten die wiedereingerichtete "Bucht" für sich in Anspruch. Bis 1903 befand sich der Keller in den Händen der Friebeschen Erben. Seit 1904 pachtete die Haase-Brauerei den Keller und seit dem l. Oktober 1916 erscheint Max Kluge als Unterpächter. 1904 und von 1936 bis 1938 wurde der Schweidnitzer Keller vollständig und modern umgestaltet. Die Wände der alten Gewölbe erhielten eine stilvolle Ausleuchtung und wurden mit hübschen Wandfresken von Prof. Hehn geschmückt, die sich auf die deutsche Stadthistorie Breslaus bezogen. Die Geschichte reichte von den schlesischen Piasten bis in die jüngere Zeit. Hoch ist die Zahl der Kuriositäten und Raritäten, die der Schweidnitzer Keller barg, und der originellen Gestalten, die in ihm ein- und ausgingen. Zu den teuersten Flecken Erde Breslaus gehörte die "Würstelnische" und die "Kröppelnische". Den höchsten Bierumsatz erzielte der Schweidnitzer Keller kurz nach seiner letzten großen Renovierung im Jahre 1937 sowie im Zusammenhang mit den letzten deutschen Großveranstaltungen, die in Breslau vor dem Krieg durchgeführt wurden, wie z.B. das 12. Deutsche Sängerbundfest und das XII. Deutsche Turn- und Sportfest. Es soll Tage gegeben haben, an denen mehr als 9.000 Liter Bier gezapft wurden, was 20.000 ausgeschenkten Schoppen entspricht. Da der Keller über reichlich 700 Sitzplätze verfügte, trank man also damals auf jedem Platz durchschnittlich 29 Schoppen. Während der Festungsmonate 1945 diente der Keller als behelfsmäßiger Truppenverbandsplatz. Gleichzeitig suchte die Zivilbevölkerung in den festen Gewölben Schutz vor Bomben und Granaten. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurden alle Erinnerungen an diesen uralten deutschen Bürgerkeller beseitigt.
Seit 2002 erscheint der Schweidnitzer Keller nach umfangreichen Rekonstruktionen wieder als historischer Ratskeller. Man spürt die Atmosphäre von einst, die der Schweidnitzer Keller auf seine Besucher ausstrahlte. Gaukler in historischen Kostümen stehen in der Nähe des Breslauer Rathauses und laden zum Besuch ein. Jeder Besucher der Stadt sollte einmal hier gesessen haben. Auf der Speisekarte findet man so manches schlesisches Gericht und beim Trinken der Schoppen kann man sich ganz gut unterhalten. Die Kellner sprechen deutsch und können, wenn es gewünscht wird, den Besuch in dieser historischen Gaststätte auch durch die Ausstellung einer Urkunde bestätigen. |
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