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Vor 60 Jahren - Festung Breslau



Lagebericht

 

Die Lage(2)

Breslau, 17. Februar 1945

Unsere „Schlesische Tageszeitung" erscheint heute zum ersten Male mit dem Titel „Frontzeitung der Festung Breslau". Was bereits seit dem Tage, an dem Breslau in den Kampfbereich rückte, tatsächlich der Fall war, erfährt damit nun auch äußerlich seine Kennzeichnung. Selten einmal selbst In diesem Kriege wird eine Zeitung so nahe hinter der Front, beinahe in der HKL., geschrieben und gedruckt worden sein, wie es hier in Breslau geschieht. So ist die STZ. - die schon in den früheren Kriegsjahren, als die Fronten noch fern von der Heimat standen, immer sich bemühte, engste Verbindung mit den Frontsoldaten zu halten - schnell zur Zeitung der Soldaten geworden. Sie ist keine Zeitung mehr für „Zivilisten". Was aber nicht bedeuten soll, daß wir einen Unterschied machen wollten zwischen „Militär" und „Zivil". Sondern es bedeutet: In Breslau, In der vom Feind eingeschlossenen Festung Breslau, gibt es solche Unterschiede überhaupt nicht mehr. Hier sind nur noch Kämpfer, die alle unter dem gleichen Befehl und dergleichen großen Aufgabe stehen, I mitzuhelfen, daß wir den Kampf mit Erfolg führen. Die Waffe kann zwar nicht jeder tragen. Aber wer mit seiner Arbeit hilft, und in einer belagerten Festung ist auch dringend notwendige Arbeit in Hülle und Fülle da, der ist nicht weniger wichtig. Er ist ebenfalls Kämpfer. Auch die Frauen, die hier geblieben sind, gehören dazu. Für sie alle wird unsere Zeitung gemacht, - die Frontzeitung der Festung Breslau. In geschlossener Front stehen wir dem Feind gegenüber. Daß die bolschewistische Übergabeaufforderung - wie wir an anderer Stelle noch berichten - nur eine Antwort erhalten konnte, nämlich daß sie keine Antwort erhielt, ist eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns längst schon zur Abwehr und zum Kampf bis zum Äußersten bekannt, und wir werden nun, wo der Kampf erst wirklich beginnt, nicht anders denken und erst recht nicht anders handeln. Die Bolschewisten werden es noch deutlich genug zu spüren bekommen. Der Verlauf der Kämpfe während der letzten Tage und besonders auch während der letzten 24 Stunden mag ihnen schon einen Begriff davon gegeben haben. Von dem stürmischen sowjetischen Vormarsch in den ersten Wochen der Winteroffensive und dann wieder nach dem Angriff aus dem Brückenkopf Steinau ist nichts mehr zu merken. Sagan ist gestern allerdings in die Hände der Bolschewisten gefallen, um die Stadt wurde aber schon seit einigen Tagen gekämpft, und ebenso ist der bolschewistische Geländegewinn auch in der Gegend Bunzlau nur. geringfügig. Dagegen steht der Erfolg, den Volkssturmeinheiten nördlich Sagan, bei Christiansstadt, errangen, wo sie die Bolschewisten über den Bober zurückwarfen, und auch die neuen schweren Panzer und Menschenverluste der Bolschewisten sind auf unserer Plusseite zu verbuchen. Alles das sind Tat Sachen, die für eine weitergehend (Festigung der deutschen Front in Schlesien - und ähnlich auch in den übrigen Kampfabschnitten des Ostens - sprechen. Damit soll keine Schönfärberei getrieben werden. In der gewohnten Offenheit fügen wir daher hinzu, daß die Lage trotzdem gespannt bleibt und der starke Druck der Bolschewisten weiter anhält, nicht zuletzt auch an der Front vor Breslau, wo der Feind aber auch gestern und heute keine wesentlichen Fortschritte zu machen vermochte.

H. Zg.



PRAWDA 
ORGAN DES ZENTRALKOMITEES UND DES 
M(OSKAUER] K[OMITEES] DER KPdSU (B)

Nr: 41 (9812) 

Freitag, 17. Februar 1945

Preis 20 Kop.

AUS DEM SOWJETISCHEN INFORM(ATIONS)BÜRO 
KRIEGSBERICHT FÜR DEN 16. FEBRUAR

Im Gebiet von BRESLAU (BRESLAWL) vollendeten unsere Truppen, von Norden, Westen und Süden zur Stadt vorrückend, die Einkesselung der Gruppierung des Feindes, die die Stadt BRESLAU (BRESLAWL) verteidigt. Im Verlaufe der Angriffskämpfe besetzten unsere Truppen in diesem Gebiet mehr als 200 Ortschaften, darunter die Städte HUNDSFELD, DEUTSCH-LISSA und WANSEN und die größeren Ortschaften MARGARETH, DRACHENBRUNN, SAKRAU, PASCHKERWITZ, SCHEBITZ, SCHÖNGARTEN, DOBRUKK [Druckfehler! Der Ort heißt richtig LOHBRÜCK! ], KLETTENDORF, KATTERN [und] KRAFTBORN. Im Gebiet der Stadt Breslau (Breslawl) fanden erbitterte Kämpfe statt. Als Ergebnis der erfolgreichen Angriffe unserer Truppen von den Aufmarschplätzen nordwestlich und südöstlich von Breslau wurde dieser stärkste Verteidigungsstützpunkt der Deutschen und dieses bedeutende Industriezentrum fast völlig eingekesselt. Zur Verfügung des Feindes blieb nur ein unbedeutender Korridor mit einer Breite von 8 Kilometer. Die Deutschen bemühten sich, koste es, was es wolle, die Straßenund Eisenbahnstrecken Breslau - Frankenstein in ihrer Hand zu behalten. Mit starken Angriffen von drei Seiten brachen die sowjetischen Truppenteile den Widerstand der Hitlerfaschisten und vollendeten heute die völlige Einkesselung der Stadt Breslau. Unsere Truppen bauten diesen Erfolg aus und besetzten mehr als 200 Ortschaften. Sie vertrieben die Deutschen aus der Stadt Deutsch-Lissa, die 7 Kilometer nordwestlich von Breslau liegt, und aus der Ortschaft Kattern (6 Kilometer südlich von Breslau). Während dieses Kampftages wurden 37 deutsche Panzer, 16 Schützenpanzerwagen und mehr als 50 Geschütze vernichtet.

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1) Auszug "Breslauer Apokalypse 1945", Band 2, Dokumente, Februar 
2) ZEISSIG, HERBERT: "Die Lage. Breslau, 17. Februar." - Schles.Tagesztg. (Fes tg.Breslau) 16.Jahrg., Nr. 45 v. 18.1. 1945, p. 1. - Faksimile-Druck, 1: 1. -Voller Wortlaut. -Original i. d. Sammlg. v. Dr.-Ing. CURT LIEBICH (Wolfenbüttel) als Ausschn. aus d. Zeitg. - Mikrofilm: Univ. Bibl. Bremen, Dt. Presseforschg.

 
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