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Eintrittskarte zum
Japanischen Garten
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Tage in Breslau / Wrocław
Die Fahrt am späten Vormittag hier her war gemütlich und es
ging zügig voran. Manchmal habe ich auch gebummelt, um mir
die Umgebung - so um Trebnitz herum - ein bißchen anzusehen.
Am Stadtanfang wurde es allerdings dann kompliziert, denn
aus dieser Richtung bin ich noch nie nach Wroclaw gekommen.
Ich bin dann auch falsch abgebogen und wußte gar nicht mehr
wo ich war. Da sah ich auf einmal den Wasserturm am
Drabiciusplatz: ich war in Karliwice! Ganz nah bei unserem
früheren zu Hause. Von dort aus fand ich prima ins
Stadtzentrum, obgleich die Strassen dicht befahren waren und
man oft an den Ampeln 2 oder 3 Grünphasen abwarten musste.
Dann kam wieder eine unbekannte Strecke hier heraus zum
Hotel. Aber mit einem kleinen Umweg war ich dann gegen 15.00
im Wieniawa.
Eingecheckt, Zimmer 419 mit Blick auf einen kleinen Park und
die Bartolomäus Kirche.
Dann erst mal Pause: 1 Stunde fest geschlafen. Ein kleiner
Spaziergang, ein Kaffee mit herrlichem Kuchen und
anschließend begann die Terminplanung.
Die Edith Stein Stiftung angerufen, die Verbindung klappte
nicht. Doch schon 10 Minuten später rief eine Mitarbeiterin
von dort an, sie wußte, daß ich heute kommen werde und
meldete sich bei mir. - Interview am Freitag Vormittag hier
bei mir im Hotel. Dann Zbigniew angerufen, er kommt noch
heute abend hierher, und wir werden einen Termin ausmachen,
wo ich seine Familie treffe.
Kurze Zeit später rief Sonja Stankowski an, sie fragte, wann
ich zu ihr nach Kreisau komme. Das habe ich aber erst für
nächste Woche geplant und fahre dann von Szklarska Poreba
aus hin. Jetzt bin ich wieder völlig k.o. und warte nur auf
Zbigniew, dann geht es früh ins Bett.
Übrigens: ich schaltete den Fernseher im Zimmer an, und
direkt war die Heute - Sendung des ZDF auf dem Bildschirm.
Wieder eine Brücke geschlagen, dieses Mal von der Oder an
den Rhein!
Der erste Tag verlief dann - wohl wie geplant - aber doch
recht hektisch und anstrengend.
Nach dem Frühstück fuhr ich in die Stadt, am Wichtigsten war
mir jetzt ein Bummel um den Ring herum. Die Sonne strahlte,
es war warm, die vertrauten, herrlichen Fassaden und das
Rathaus begrüßten mich im schönsten Licht. Ich holte tief
Atem und dachte: Jestem w domu
(ich bin zu Hause). Dann wie geplant die Schweidnitzerstraße
entlang, hinter dem kleinen Tunnel in ein Warenhaus, dort
gibt es auch einen Pressestand mit ausländischen Zeitungen.
Ich fragte: " Czy ma Stern po niemeczku ? " ( Haben Sie den
Stern auf deutsch) Aber schade:
" Jutro - piatek mamy nowe Stern " ( Morgen - Freitag haben
wir den neuen Stern) Die ausländischen Zeitungen kommen
immer mit einem Tag Verzögerung, nur die Bildzeitung ist
aktuell.
Dann wollte ich - wie immer im Cafe Mona Liza meinen
Cappuccino trinken, aber da war noch geschlossen. Also in
einem anderen Restaurant am Ring die Mittagspause eingelegt,
und da die Parkuhr gleich abgelaufen war, ging es zurück zum
Hotel. Um 3.00 Uhr holte mich Bozena zum Mittagessen bei
sich zu Hause ab.
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Im Wohnzimmer von Bozena
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Ich lernte ihren Mann kennen und wir
unterhielten uns ein bißchen auf Polnisch.
Es gab Schlesische Klöße, Geflügelragout und Rote Bete,
hinterher natürlich Kommpott und auch noch Kaffe und Kuchen.
Die Beiden luden mich dann in ihr Auto ein, fuhren mit mir
in die Stadt, dann zum Japanischen Garten, dort lernte ich
viel Neues: Der Eingang: das Tor der Besinnung - man läßt
seine Sorgen hinter sich und genießt die japanische
Blütenpracht, daneben 2 kleine Bäche- ähnlich einem
Wasserfall. Einer stürmt kräftig die alten Steine hinunter,
er ist der Männliche, einige Meter weiter fließt der andere
Bach gemächlich den Fels hinab, es ist der Weibliche. Sie
vereinen sich in einem kleinen Teich, der mit wunderschönen
Seerosen bewachsen ist und von vielen aufblühenden
Mangnolienbäumen umringt wird.
Wenn man diesen zauberhaften Garten verläßt, kommt man durch
das Tor der Befreiung, ist innerlich gereinigt und läßt alle
Probleme und Schwierigkeiten hinter sich zurück.
Ich habe tief durchgeatmet und diese Befreiung gespürt.
Der Garten wurde vor ca. 8 Jahren von japanischen Gärtnern
restauriert.
Dann fuhren Bozena und ihr Mann mich zum nächsten Termin: Um
19.00 Uhr wartete mein
Email Freund Zbigniew schon vor seiner Haustür auf mich. Er
ist sehr an alten "Breslauer Zeiten" Bildern und Dokumenten
interessiert. Er zeigte mir alte Breslauer und Schlesische
Zeitungen aus den Jahren 1922 und früher, Postkarten - in
Sütterlinschrift - von 1905. Er hatte die Sachen vor ca. 15
Jahren gefunden, als er die Wohnung kaufte und renovierte,
Natürlich gab es auch hier wieder Kaffee und Käsekuchen,
später dann noch frischen Salat und Tee.
Zibigniew hatte auch ein altes Breslauer Adressbuch von
1942, dort war unter der Adresse
Carlowitzstrasse 48 eingetragen: Kurt Portak ( ein Kollege
meines Vaters, der im Erdgeschoß wohnte) und dann: Dagobert
Postrach, kaufmännischer Angestellter.
Ich fragte Zbigniew, ob er mir wohl eine Kopie machen
könnte. Er verschwand im Nebenzimmer - ich unterhielt mich
mit seiner Frau popolsku, und nach einer halben Stunde kam
er wieder: er hatte die Adressbuchseite eingescannt,
vergrößert und auf Diskette gezogen, die er mir mit gab.
Um 22.00 Uhr mußte ich dann richtig betteln, dass er mich
zurück zum Hotel fuhr, wir hätten noch stundenlang weiter
erzählen können, doch ich war total erledigt. Zum Abschied
bekam ich noch ein großes Stück Sernik ( Käsekuchen) mit.
Ein wunderschöner Donnerstag in meiner - unsere Stadt war
vorüber.
Heute, am Freitag den 15.April war der Tag auch schon voll
verplant. Um 10.00 standen 2 Studentinnen, die für die Edith
Stein Stiftung und das Willy Brandt Zentrum arbeiten, vor
der Tür. Sie hatten sich für ein Interview angemeldet. Zu
dem Thema " Breslau und Schlesien in der Nazizeit "" wird im
Herbst eine Ausstellung stattfinden, verbunden mit einem
Aktionstag, an dem vor Allem die junge Generation über die
Geschehnisse informiert werden soll.
Ich bekam als grobes Konzept erklärt, dass ich von meinen
Erlebnissen, persönlichen Einsätzen und evtl. privaten
Initiativen in der Familie berichten sollte.
Ich erzählte also von meinen 2 Jahren, die ich als Jungmädel
Dienst hatte- 2 mal wöchentlich 2 Stunden. Mit Lagerfeuer,
Schnitzeljagt und Wanderungen begann es. Dann lernten wir
auch im Gleichschritt marschieren. Als ich dann 1942 aktive
Schwimmerin wurde, kam ich in die Jugendmannschaft des Alten
Schwimmvereins, hatte täglich jeden Nachmittag Training und
brauchte dadurch nicht mehr zum HJ - Dienst.
Von Vatis Einsatz für die 100 Fremdarbeiter in den
Steingutwerken, er schickte immer 3 Tage lang einen von
ihnen zu uns nach Hause, wo sie im Garten halfen und dadurch
nicht 12 Stunden am Tag in der Fabrik die heiße Kohle in die
Brennöfen schaufeln mußten.
Dann kam die Erfahrung mit Muttis jüdischem Mädchennamen -
Fuchs - als man den Vater zwang für 5 Generationen
rückwirkend einen arischen Nachweis zu erbringen, er das
nicht konnte, zwang man ihn noch 1943 in die NSDAP
einzutreten.
Während der ganzen Zeit lief das elektonische
Aufzeichnungsgerät und die beiden Studentinnen stellten noch
gezielte Zwischenfragen. Das Ganze dauerte 2 Stunden, war
interessant für mich aber auch anstrengend.
Nach einer kleinen Mittagspause mit einem Teller Zurek, hier
im Hotel, machte ich mich wieder auf den Weg zu Malgorzata.
Bei Tee und Kuchen erzählten wir uns die neuesten Ereignisse
von den Familien und den Veränderungen in Nasze Miasto. Wir
sind jetzt fast 9 Jahre befreundet und verstehen uns sehr
gut.
Auf der Rückfahrt zum Hotel hatte ich wieder Probleme mit
den vielen Umleitungen und wußte einfach nicht mehr weiter.
Reger Autoverkehr, wenig Menschen auf der Strasse. Ich fuhr
and den Straßenrand, wartete ein Weilchen, da kam ein
Fußgänger, den ich nach dem Weg fragte, die Verständigung
war schwierig:
Die Gute Tat:
Warum so lange reden und diskutieren,
man soll es einfach praktisch ausprobieren.
Der Mann fragte: darf ich fahren mit Ihnen?
Dann kann ich am Besten dienen.
Er stieg ein, wir fuhren um x Ecken,
damit konnte er mein Vertrauen wecken.
In wenigen Minuten sind wir im Hotel angekommen
Er hat liebevoll meine Hand genommen,
verabschiedete sich mit einem Kuß darauf
und begann zu Fuß seinen Rückweg im Dauerlauf!
Und wieder geht ein schöner Tag zu Ende!
Samstag Morgen, 10.00 Uhr. Wieder ging um 6.00 Uhr die Sonne
auf und weckte mich!
Einen kleinen Cappuccino, unter die Dusche, ein bißchen
gelesen und dann so gegen 9.00 Uhr zum Frühstück. Heute habe
ich mal außer dem Müsli zum Kaffee auch noch eine Portion
Rühreier gegessen, obgleich ich nachher bei Bozena bestimmt
wieder eine Menge guter Dinge angeboten bekomme.
Dann schon mal etwas zusammen gepackt und ins Auto gebracht,
es ist ja eine Menge Kram, den ich mitgebracht habe, jetzt
hier in Wroclaw ist noch Einiges dazugekommen.
Natürlich war es dann auch so, es gab einen herrlichen
Mohnkuchen und ich bekam dann zum Abschied noch 2 Stück
davon auf den Weg. Wir hielten noch ein kleines Resümee über
die vergangenen 3 Tage und nach einer herzlichen Umarmung
folgte dann die gewohnte Pause mit dem Mittagsschläfchen
Gegen 14:00 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Karlowice,
da ich befürchtete, dass ich den Weg zur Innenstadt wieder
verfehlen würde. Es war dann auch so, denn erst um ½ 4 Uhr
traf ich " zu Hause " ein. Wie schon gewohnt stand das
Gartentor offen, ich fuhr hinein und als ich klingelte kam
Pani Alicja auch schon die Treppe herunter gerannt. Wir
fielen uns in die Arme, sprachen deutsch und Polnisch
durcheinander, keiner verstand den Anderen, aber beide
wußten wir, was wir empfanden. Oben in der Wohnung erwartete
mich Marta Paliga, eine Freundin von Dominika, da sie selbst
gerade dienstlich in Amerika war. Marta spricht fast perfekt
deutsch und wir hatten viel zu erzählen. Es ist ein
wunderbares Gefühl in den Räumen der Kindheit mit so lieben
Freunden zusammen zu sitzen, Kaffe zu trinken, Käsekuchen
dazu und danach meinen liebsten Obstsalat. Pani Alicia
versteht fast alles, was ich auf Deutsch sage, Marta
brauchte uns nur wenig zu übersetzen, war aber selbst sehr
an meiner Geschichte interessiert. Auch wir werden in
Zukunft in Email Kontakt bleiben. Pani Alicja schenkte mir
ein Buch: "Die Geschichte von Carlowitz in den letzten 300
Jahren" allerdings auf Polnisch.
Ich hatte am Anfang erzählt, dass ich mit der Orientierung
in der Stadt dieses Mal so große Schwierigkeiten habe und
als ich mich nach 2 Stunden verabschieden wollte, kam die
nächste Gute Tat! Pani Alicja sagte:
Ich werde als Pilot Ihnen voran fahren, dann können Sie sich die Umwege sparen.
Sie lotse mich auf unbekannten Strassen durch die Stadt. Und schon nach 30 Minuten fand die letzte Umarmung vor
meinem Hotel statt!
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Mein Lebenslauf auf Polnisch
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Hier angekommen, hatte Bozena meinen Lebenslauf - auf
Polnisch übersetzt - an der Rezeption abgegeben. Natürlich
auf Diskette gespeichert, dazu auch die Fotos, die wir bei
ihr gemacht hatten.
Dann ging ich nach einer kurzen Pause in die Drinkbar, wo
ein Computer kostenlos zur Verfügung steht. Ein junger Mann
- deutsch sprechend - hat mir die Web.de - Seite auf deutsch
eingestellt und ich konnte meine inzwischen eingegangenen Email lesen.
Dann noch ein kurzes Gespräch auf Polnisch mit den beiden
Damen an der Theke, Sie freuten sich sichtlich, dass die
Deutsche Pani Polnisch sprach, und - wie nun schon erwartet
- verabschiedeten sie mich mit einer herzlichen Umarmung.
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Hotelrechnung vom 17. April 2005
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Jetzt, wieder auf meinem Zimmer, versuche ich ein Fazit zu
ziehen über die 4 ereignisreichen Tage in Wroclaw, die
interessanten Unterhaltungen, die herzliche Aufnahme bei
allen Familien zu Hause.
Wenn ich mich jetzt festlegen müsste, wo es am Schönsten
war, dann weiß ich es nicht präzise zu beurteilen. Sehr
beeindruckt hat mich die große Hilfsbereitschaft von Bozena,
Ihre aufschlussreichen Erklärungen über die Stadt.
Aber auch der Nachmittag in Karlowice, die Geborgenheit dort
und das gute Gefühl mit Pani Alicia so auf einer Wellenlänge
zu liegen, macht mich glücklich.
Und wiederum das Treffen mit Zbigniew, sein Interesse am
alten " Breslau " seine persönliche Zuwendung sind
Ereignisse, die mir unvergessen bleiben werden.
Um es in wenigen Worten zusammen zu fassen:
Ich wünsche mir von ganzem Herzen,
dass ich auch dieses mal werde den Abschied verschmerzen.
Das Gott mir dabei hilft und zur Seite steht,
damit mein Leben so noch ein bißchen weiter geht!
Karla Postrach - Rast, 16. April 2005
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