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Breslau - Wroclaw September 2005
Reisebericht von Karla Postrach-Rast

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Breslauer / Wroclawer September 2005 -
Ich bin glücklich!

Wie geplant bin ich heute morgen - am 17.09. gegen 10.00 Uhr in Szklarska Poreba gestartet. Noch war es verhangen wolkig, aber die Strassen waren wieder freigeräumt, gestern war alles gesperrt, da die Tour Polognia - eine lange Radtour von Danzig nach Süden, an Poznan vorbei bis Wroclaw und dann weiter ins Karkonosze - stattfand. Sieger soll ein Deutscher geworden sein. Ich fuhr gemütlich bergab, hinter Bolkow kam die Sonne heraus, es wurde wärmer und langsam fuhr ich durch die schlesische Tiefebene mit ihren noch immer bewirtschafteten Bauerndörfer. In Zcegom ging es dann auf die Autobahn nach Wroclaw, es folgte eine Baustelle nach der anderen mit einspuriger Strassenführung. Doch da der Verkehr gering war, rollten wir gleichmäßig mit 60 bis 80 km/h. bis zur Stadt. Dann wurde es jedoch eng, in Wroclaw herrscht immer reger Verkehr, an manchen Ampeln braucht man 3 Grünphasen ehe es weiter geht. Doch mit innerer Sicherheit fuhr ich ohne Schwierigkeiten bis zur Dominsel - Ostrow Tumski -und fand auch gleiche das "Dom Pana Jana II." Ein schönes Gebäude recht gut ausgestattet, doch leider war mein vorbestelltes Zimmer noch nicht bezugsfertig, aber es war auch erst 12.30 Uhr. 

Ich rief meine neue Freundin an, sie wollte mich in einer guten halben Stunde abholen. Also wartete ich ein Weilchen, inzwischen konnte ich auch mein Zimmer beziehen, wollte mich gerade umziehen, da stand auch Bozena schon vor der Tür. Unsere Begrüßung war sehr herzlich, sie war vor einer Woche mit 4 Schülern und einer Kollegin in Mainz gewesen und von meinem Sohn und meiner Schwiegertochter betreut worden. Sie erzählte ganz begeistert davon. - Wir fuhren zu ihr nach Hause, Jurek ihr Mann, begrüßte mich auch ganz herzlich, es gab Tee und dann gleich ein obiad -Mittagessen. Wir hatten viel zu erzählen aber wenig Zeit, da Bozena am Abend schon mit einigen Schülern zu einem neuen Reisetermin aufbrechen mußte. Trotzdem blieb so viel Zeit, dass sie mir im PC die Bilder von der letzten Reise nach Finnland und Mainz zeigen konnte. Außerdem durfte ich meine e -mails bei ihr lesen und war wieder auf dem neuesten Stand.

Dann brachte mich Jurek zurück ins Hotel. Hier gab es dann einige Schwierigkeiten, das Telefon im Zimmer funktionierte nicht, an der Rezeption half man mir erst ein bißchen, aber ich gab nicht auf, denn ich wollte ja auch in meinem Zimmer telefonieren. Da gab sich die Mitarbeiterin die Mühe, kam mit mir hoch und mußte feststellen, dass es nicht an meiner technischen Unkenntnis lag, sondern der Apparat tatsächlich kaputt ist. Mal sehen, was morgen daraus wird. Jetzt ist es 21.00 Uhr, Zeit um nach dem anstrengenden Tag Schluß zu machen, denn morgen Nachmittag bin ich schon mit meiner jungen Freundin Malgorzata im Mona Lisa am Ring verabredet.

Die Nacht zum Sonntag habe ich gut verbracht, 10 Stunden lang herrlich tief geschlafen und geträumt. Das Frühstück war dann eine kleine Enttäuschung, zwar gab es mein Müsli und auch das übrige reichliche polnische Büfett, doch als "Aufmunterungs - Kaffee" wurde nur Nestcafe aus der Doe angeboten, den man sich dann auch noch alleine aufgießen mußte.

Anschließend startete ich zum ersten Rundgang am Ring und in der Schweidnitzerstrasse und war erstaunt, dass kaum ein Geschäft geöffnet hatte, das war vor 2 Jahren noch ganz anders.

Da die Sonne schien, die Wroclawer und Touristen langsam in die Gänge kamen, war die Atmosphäre aber bald so angenehm wie immer. Eine kleine Gemüsesuppe mit Flaki war das " warme Mittagsgericht " und dann machte mich auf dem Heimweg. Die alten - neuen Pflastersteine erinnern zwar am Ring und drum herum herrlich an alte Zeiten, doch meiner schmerzenden Wirbelsäule machten sie arg zu schaffen Deshalb tat die Mittagsruhe heute besonders gut. Um ½ 3.00 ging es dann wider los, Malgorzata wartete schon im Mona Lisa und die Wiedersehensfreude war auch dieses Mal sehr groß. Fast 3 Stunden lang haben wir die letzten 6 Monate von beiden Seiten Revue passieren lassen und kamen bei der angeregten Unterhaltung kaum dazu den großen Käsekuchen mit dem vielen frischen Obst und Sahne zu genießen. Als ich von meinen Erlebnissen der letzten Wochen, den vielen neuen Kontakten im Karkonosze erzählte, umarmte mich Malgorzata und begann zu weinen - Sie hatte als Geschenk für mich eine Mütze mitgebracht mit der Aufschrift

Jestem Dolnoslanzakiem www.dolnyslask.pl
(Das heißt: Ich bin Niederschlesier, und dazu die entsprechende Web - Seite.)

Als wir uns dann trennen wollten - mußten - ging Malgorzata noch mit mir in einen Presseladen, der geöffnet hatte und ich bekam meinen Stern po nimiecku. Also, wieder einmal ein gelungener Nachmittag in nasze Miasto. Zurück im Hotel die kleinen, neugekauften Andenken verstaut und jetzt sehe ich im TV unser Wahlergebnis.

Der dritte Tag in Wroclaw ist schon fast vorbei. Von dem Wahlergebnis war ich gestern Abend sehr enttäuscht, abwarten was nun daraus entsteht. Zurück zum Alttag: wiederum wunderbares, sonniges Wetter, schon um ½ 11 Uhr zog ich los in die Stadt. Inzwischen sind alle Strassen, Ecken und sonnige Plätzchen wieder so vertraut, dass ich gerne kleine Umwege mache um die netten schmalen Gassen im Zentrum zu durchstreifen. Wieder ein paar Mitbringsel besorgt und zum Mittagessen ins Mona Liza. Dort bekam ich dann auch endlich meinen geliebten Zurek. Er erinnert ein bißchen an die alte schlesische Mehlsuppe mit gekochten Eiern, nur dass im Zurek noch viel Fleisch dabei ist und er mit einem Berg Petersilie obenauf serviert wird. Der Cappuccino danach darf natürlich nicht fehlen .Dann ein Bummel am Rynek, einen neuen Film gekauft, denn nachmittags wollte ich ja zu meinem Lieblingsplatz dem Ogrod Botaniczne. Auf dem Rückweg noch die Hala Targowa durchstreift, der erste freischwebende Kuppelbau, den es damals in Europa gab. Drinnen gab es nichts Neues, also weiter in einen kleinen Park an der Oder. Eine junge Frau neben mir auf der Bank, sprach mich an, und obgleich ich ihr sagte, dass ich das Polnische sehr schlecht verstehe, erzählte sie mir 1 Stunde lang von der Kunstakademie, einer Galerie in der Swinicka und all den Ausstellungen. Sie zeigte mir Fotos von den einzelnen Ausstellungsstücken, dabei handelte es sich vorwiegend um moderne Malerei. Ich weiß auch nicht, warum ich immer gleich so intensiven Kontakt bekomme. Von ihren vielen Erklärungen habe ich höchstens 10 % verstanden.

Zurück ins Hotel und noch mal eine Stunde Pause gemacht. Ehe ich dann zum Botanischen Garten ging an der Rezeption ein Gespräch mit Dr. Kulej geführt, dem Arzt, der mich immer in Swieradow betreute und jetzt in Wroclaw wohnt und arbeitet. Ich hatte seine Handy - Nr., er meldete sich auch gleich, aber........: aus Danzig, wo er Urlaub macht. Mit einem Treffen wird es also dieses Mal nichts.

Als ich dann am Eingang zum Ogrod Botaniczne mein Ticket lösen wollte, winkte mich der "Wachmann" einfach durch: jest o.k. - Ich spazierte fast eine Stunde durch die kleine, wunderschöne Anlage, Sie ist Anfang des 19. Jahrhunderts von der Kirche angelegt worden und war mit dem Botanischen Garten in Leipzig der 1. Garten dieser Art nördlich der Alpen. Heute gehört der Garten zur Universität. Ich habe einen Kaffee dort getrunken, viele Fotos gemacht und auf dem Rückweg noch in eine Bücherei neben dem Dom reingeschaut. Viele kirchliche Lektüre aber alles nur auf Polnisch.

Dann fiel mir ein, dass ich das Telefongespräch mit Dr. Kulej nicht bezahlt hatte, also gleich zur Rezeption um meinen Fehler wieder gut zu machen. Doch auch die Pani wikte ab: ist alles o.k., meinte sie. Warum sind alle Menschen hier so nett zu mir ?????

Heute am Dienstag stand ich früh in den Startlöchern. Frühstück schon um ½ 8 Uhr, damit ich anschließend ins WBZ fahren konnte, wer weiß, was auf den Straßen wieder los sein würde. So war es auch : duzo ruch- viel Verkehr, aber pünktlich um 9.15 Uhr traf ich dort ein, Krzysztof Ruchniewiecz kam gleichzeitig mit mir an, und sofort legten wir los. Ein interessantes Gespräch, bei dem er durch seine beruflichen Erfahrungen natürlich ganz andere Erkenntnisse hat, als ich mit meinen schönen privaten Erlebnissen. Das es bei mir so postiv aussieht, freute ihn sichtlich. Im WBZ treffen sich zu Foren, Referaten und Studien nicht nur Deutsche, Polen, Engländer und Franzosen, sondern jetzt gibt es auch Interessenten aus Nord und Südamerika, sogar Japaner und Chinesen waren schon dabei. Einzige Bedingung ist, sie müssen Deutsch oder Polnisch sprechen. Doch auch das wird von den jungen interessierten Leuten gelernt. Dieser Job ist für Krzysztof sehr interessant aber auch anstrengend, zumal er oft auf Auslandsreisen ist. Trotzdem interessierte ihn mein Zeitungsbericht und das Büchlein mit meiner Lebensgeschichte sehr. Er meinte, bestimmt Zeit dafür zu finden. Die Stunde mit ihm verging viel zu schnell, aber der nächste Termin wartete schon auf ihn. Anschließend habe ich mich noch mit seiner Sekretärin Karina unterhalten, sie übersetzte mir die Aufzeichnungen, die mir die junge Polin gestern auf der Parkbank geschenkt hatte, Sie hat unser Gespräch in blumenreichen Worten zusammen gefaßt und als kleines Andenken an eine gemeinsame Stunde im Wroclawer Sonnenschein bezeichnet.

Dann blieb mir noch Zeit für einen Spaziergang auf der Schweidnitzerstrasse und einen guten Kaffee in einem Restaurant, das sich "French Cafe" nannte.

Wie üblich eine kleine Mittagspause und dann ging es nach Karlowice. Das Gartentor war geöffnet, damit ich gleich reinfahren konnte und Pani Alicja kam mir schon entgegen gelaufen. Dieses Mal hatte sie niemanden zum Dolmetschen gefunden, aber wir haben uns 2 Stunden lang sehr intensiv unterhalten. Ich habe polnisch gesprochen, wenn mir mal ein paar Worte fehlten, auch auf deutsch, aber sie hat immer verstanden was ich erzählte. Sie spricht polnisch sehr langsam und deutlich und auch ich habe alles mitbekommen. Das nächste Mal. Im Juni 2006 will sie dann auch ein bißchen deutsch gelernt haben. Gegen 5.00 nachmittags fuhr ich dann zurück ins Hotel, die Strassen waren jetzt total verstopft, und ich total erschöpft. Es war ein wunderbarer Tag, ich war im doppelten Sinn " zu Hause - w domu ".

Nun geht auch der letzte Tag in Breslau - Wroclaw zu Ende. Heute morgen wollte ich noch mal zur Jahrhunderthalle- Hala Ludowa - fahren, sie ist für mich das 2. Wahrzeichen der Stadt, gleich nach dem Rathaus. Ich hatte mir noch den Stadtplan angesehen und glaubte sicher dorthin zu finden.. Schon um 10.00 waren alle Strassen verstopft, viele Laster, so dass ich die Schilder nicht erkennen konnte. Dann merkte ich aber, dass ich mich wieder einmal verfranzt hatte, ich war schon fast aus der Stadt heraus Richtung Krakau. An der nächsten Tankstelle fuhr ich raus und ließ ein Taxi rufen, das mich als Pilot zur Hala leiten sollte. Ich hatte Glück, der Fahrer sprach deutsch und für ca. 6 Euro leitete er mich zurück und auf freien kleinen Umwegstrassen zum Parkplatz vor der Jahrhunderthalle. Dort herrschte nur wenig Betrieb, nur wie überall in der Stadt waren junge Mütter mit ihren kleinen Kindern zum Spaziergang unterwegs. Wieder war herrlicher Sonnenschein und als ich auf der Bank vor dem Pergola - Rundweg saß, kamen so viele Kindheitserinnerungen hoch, denn auch hier ist alles so schön geblieben wie damals - und herrlich gepflegt und sauber. Bei einem Kaffee später im Pergola - Cafe saß am Nebentisch ein älterer Mann, wir kamen ins Gespräch, po polsku und er erzählte mir, dass er in Lodz wohnt und hier nur zu einer Behandlung im Krankenhaus sei. Auch er schwärmte von den alten Zeiten in Lodz, wo Juden, Deutsche und Polen die Kultur der Stadt prägten. Vor allem jüdische Kaufleute mit großen Textilfabriken haben damals zum Reichtum der Stadt beigetragen. Der Mann sprach auch ein paar Worte deutsch, seine Mutter stammte aus einer deutschen Familie. Wieder ein interessantes Gespräch, ganz unvermutet.

Den Heimweg ins Zentrum fand ich dann erstaunlich gut, nur dauerte er ewig, so verstopft war alles. In der Hala Targowa (Markthalle) aß ich noch 2 Najleszniki (Pfannkuchen oder Eierkuchen sagen wir) gefüllt mit Obst und Sahne. Erst um 15.oo Uhr war ich wieder im Hotel, nach kurzer Mittagspause packte ich dann das Meiste ein und verstaute es auch schon im Auto. Danach gab es einen Milchkaffee, ich lernte, dass er hier Kawa Late heißt. Jetzt noch einen Rundgang um dem Dom, mal hineingeschaut und dem lieben Gott für die schönen Tage in " meiner Stadt " gedankt. In der Bücherei nebenan fand ich einen Wandkalender für 2006 mit herrlichen Landschaftsbildern von hier. Er wird mich im nächsten Jahr jeden Tag an die Heimat erinnern, wenn ich nach dem Datum schaue.

Morgen früh geht es dann los Richtung Görlitz und weiter bis nach Wolfsburg, wo ich Heinz Kornemann, den Autor von "Kupferberger Gold" treffen werde.

 
© 2005 Egon Höcker
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