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Im 12. Jahr - Heimfahrt nach Hause!
Reisebericht von Karla Postrach - Rast
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Interview in der Wohnung von Frau Kawala

Einladung vom Kultusministerium zum Interview für eine Ausstellung.

Dieses Mal begann die Reise nach Breslau - Wroclaw mit großen Schwierigkeiten. Im Rhein - Main - Gebiet war es stark bewölkt und es herrschte dichter Nebel. Die Flugzeuge konnten nicht landen und starten, auf der Reisetafel waren Verspätungen von bis zu 3 Stunden angezeigt. Also warten!

Nach knapp 3 Stunden kam der Flieger nach Warschau - Warszawa an und wir konnten einsteigen. Vorher gab es 6 Checkkontrollen. Mit erheblicher Verspätung startete dann die Lufthansa / Lot - Maschine. Schon im Flieger erfuhren wir, dass wir den Anschluss in Warschau nach Breslau nicht mehr schaffen werden und dort etwa wiederum 3 Stunden Aufenthalt haben würden.Doch wie immer hatte ich ein bisschen Glück, traf einen polnischen Geschäftsmann der in Mannheim arbeitet und es kam zu interessanten Gesprächen. Auch in Warschau kümmerte er sich um mich, wir besuchten die Einkaufsmeile am Flughafen und tranken zusammen Kaffee.Als wir dann endlich nach Breslau weiterfliegen konnten, stand fest, dass wir mit etwa 4 1/2 Stunden Verspätung dort eintreffen würden.

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Karla und Marek beim Kaffee und Kuchen in Galeria Dominikanska
Foto vom 13.10.2006

Mein bisheriger e- Mail, jetzt auch persönlicher Freund Marek Moson wollte mich am Lotport abholen, doch sagte man ihm, das die Maschine nicht mehr kommen würde und die Fluggäste evtl. in Warschau übernachten müssten.

Ich fuhr mit dem Taxi ins Hotel "Dom Jana Pawla II" auf der Dominsel (Ostrow Tumski). Dort erwartete mich ein wunderschöner Rosenstrauß von Marek, ein Brief von ihm und ein weiterer Brief von der jungen deutschen Freundin Sonja Stankowski, die in Kreisau arbeitet und mich auch treffen wollte.

Im Zimmer angekommen schaltete ich den Fernseher ein: als einziger deutscher Sender war das ZDF eingegeben (mein Mainzer Heimatsender) und ich konnte gerade noch die letzten Minuten des Heute Journals sehen. Der erste, schwierige Tag, aber auch mit vielen netten kleinen Begegnungen war zu Ende. Am nächsten Tag gab es das übliche reichhaltige Frühstücksbüfett, doch die nette Pani (Frau) verstand sehr schnell, das ich nur einen Milchkaffee (Kawa Late) bekomme und etwas warme Milch für mein Müsli.

Schon um 9.00 Uhr holte mich Marek ab, fuhr mit mir in eine neue sehr schöne, große Einkaufsgalerie, wo man alles bekommt, vom Beutel Hustenbonbon bis zum teuersten Photo - Handy. Ich kaufte nur ein paar Mitbringsel für Kinder und Enkel, bestaunte die vielen Fachgeschäfte, dann war es auch schon Zeit für ein kleines Mittagsessen. Um 13.00 Uhr sollten wir in Karlowitz (Karlowice) in meinem früheren Elternhaus sein, um zusammen mit Pani Alicjia Kawala auf die Reporterin zu warten, die zu einem Vorgespräch für das Interview, welches am nächsten Tag stattfinden sollte, kommen wollte.

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Karla verabredet sich für den nächsten Tag auf das Interview
Foto vom 14.10.2006

Ich hatte mich immer wenn ich in Wroclaw war mit Pani Alicja getroffen. Sie spricht kein deutsch, aber mit meinen wenigen Polnischkenntnissen konnten wir uns gut verständigen. Diesmal half uns Marek sehr gut und als die Reporterin kam, hat er auch wieder bei der Verständigung geholfen. Da ich schon öfter Interviews mit Instituten, der Presse und auch Studenten hatte, konnte ich mich gut vorbereiten. Ich hatte alte Berichte aus meiner Kindheit mit, Dokumente und Urkunden aus den Jahren zwischen 1920 und 1945 in Kopien und auch einige Bilder. Außerdem hatte ich ein Kirchengesangbuch aus Schlesien von 1902, das ich dem Kulturamt für die Ausstellung schenkte. So verlief dieses Vorgespräch sehr harmonisch im Gespräch und dann gab es natürlich Kaffee oder Tee mit Kuchen.

Auf der Heimfahrt noch interessante Gespräche mit Marek, wir verabredeten uns dann für den nächsten Tag um 15.00 Uhr zur nächsten Fahrt nach Karlowitz. Im Hotelrestaurant gab es meinen geliebten Zurek zum Abendessen und der 2. Tag ging friedlich - doch bei kaltem Wetter - zu Ende.

Am nächsten Morgen zu Fuß über die Brücke zur Kaufhalle - heute Hala Targowa -. Ebenfalls ein alter phantastischer Kuppelbau. Früher gab es dort fast nur Blumen und Obst und Gemüse aus dem Umland. Heute bieten viele kleine Läden ihre Produkte an, vom Schuhladen über moderne Kleidung, Andenken, Bücher und viel Essgeschirr aus Keramik. Weiter ging es über den Neumarkt (Nowy Targ) zum Ring (Rynek) in die Schweidnitzerstrasse. Auch viele Geschäfte haben sich dort verändert und modernisiert, doch in der ersten Querstraße rechts steht noch immer das Haus, in dem meine Großmutter im Jahre 1912 einen Modesalon eröffnete mit 8 Näherinnen und einer Direktrice. Das Haus ist sehr schön renoviert, und im Erdgeschoß gibt es - natürlich - ein Modegeschäft.

Als ich zum Rynek zurückkam, stand vor dem Schweidnitzer Keller eine Deutsche Touristengruppe und die Stadtführerin erklärte gerade die historische Bedeutung. Ich hörte eben mal 2 Minuten zu und - spontan wie ich bin - klopfte ich ihr auf die Schulter, fragte, ob ich auch ein paar Worte sagen darf. Sie stimmte zu, ich stellte mich vor die Gruppe:

"Herzlich willkommen in meiner Heimatstadt Breslau - Wroclaw! Es ist eine wunderschöne Stadt, nicht nur wegen der berühmten Gebäude, Kirchen und Oderbrücken, sondern weil sie auch viele Naturerlebnisse bietet, den Botanischen Garten, den Scheitniger Park, die Arkaden an der Jahrhunderthalle (Hala Ludowa) und das Wichtigste: Alle Menschen sind sehr nett, freundlich und hilfsbereit. Genießen Sie das alles, erzählen sie es zu Hause und kommen Sie mit Familien und Freunden nach Wroclaw".

Die Gruppe applaudierte spontan und die Stadtführerin nahm mich in die Arme.Dann schlenderte ich gemächlich zurück zum Hotel und genoss einen kleinen Mittagsschlaf.

Marek holte mich wieder rechtzeitig ab zu unserer 2. Fahrt nach Karlowitz. Wir hatten noch genug Zeit und Marek fuhr mich zu meinem alten Lyzeum, der Viktoriaschule und machte dann dort Aufnahmen vor und in der Schule.

Auch in Karlowitz fuhren wir noch zur Pestalozzischule - meiner Grundschule, jetzt ist dort eine Bibliothek eröffnet worden. Doch der alte Wasserturm steht noch davor. Er versorgte in ganz frühen Zeiten den Vorort mit Wasser. In meiner Kindheit gab es natürlich schon die normale Wasserleitung, Gas und Zentralheizung.

Bei Pani Alicja wurden wir sehr freundlich begrüßt, das Reporterteam war noch nicht eingetroffen, aber etwa 10 Minuten später waren alle da. Nach der persönlichen Vorstellung wurden die richtigen Plätze ermittelt, für den Befragten - mich - dann Beleuchtung, Kamera, Anstecken des Mikrophons erledigt und mir wurde kurz geschildert, dass ich die Familiengeschichte erzählen sollte. Herkunft der Ahnen (Brieg und Umkreis), dann der 1. Weltkrieg, Weimarer Republik, Hochzeit der Eltern, Geburtsjahr von mir, Kinderjahre, Nazizeit, meine Interessen (Schwimmwettkämpfe) der 2. Weltkrieg, Flucht am 19.Januar 1945 mit dem Zug nach Kiel, Rückkehr 1994 nach Wroclaw, Bekanntschaften und Freunde und Erlebnisse in der "alten - neuen Heimat".

Da ich diese Interviews in ähnlicher Form schon bei verschiedenen Gremien gemacht hatte, war es für mich fast schon ein bisschen Gewohnheit. Nur dass es dieses Mal in unserem ehemaligen Wohnzimmer stattfand, brachte mir so ein richtiges Glücksgefühl. An der Mimik und dem Kopfnicken des Dolmetschers erkannte ich, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Dann erzählte Pani Kawala von meinem ersten Besuch bei Ihnen und welche Freundschaft daraus entstanden war. 1996 war meine Enkelin Silke 1 Woche dort eingeladen und hat in meinem ehemaligen Kinderzimmer gewohnt.

Das ganze Interview dauerte fast 3 Stunden und nachdem die "Fachleute" abfuhren, haben Pani Kawala, Marek und ich uns noch ein wenig unterhalten..

Marek fuhr mich zurück zum Hotel wo wir noch gemeinsam ein kleines Abendessen hatten. Dann mussten wir uns leider verabschieden, denn Marek musste am nächsten Tag zum Dienst nach Poznan fahren.

Am Sonntag gab es ein spätes Frühstück. Die Pani an der Theke hatte sich gemerkt, dass ich einen Kawa Late bekomme und warme Mich für mein Müsli und kam daher schon mit der Milchkanne angelaufen.

Zu Fuß ging ich dann zur Swidnicka, um noch ein paar kleine Geschenke zu kaufen, umrundete noch einmal den Rynek und fuhr dann mit dem Taxi zurück zum Hotel. Der Fahrer sprach sehr gut deutsch, er hat Verwandte in Bayern und fährt einmal im Monat zu ihnen. Ich verabredete also gleich mit ihm den Termin für Dienstag Mittag, damit er mich zum Abflug an den Flughafen fahren konnte.

Nach dem Mittagsschlaf ging ich in den Botanischen Garten - Ogrod Botaniczny - der gleich neben dem Hotel liegt. Nach den ersten 200 Metern des üblichen Rundganges sprach mich eine junge Mitarbeiterin an. Sie hatte einen Fragebogen auszufüllen, warum man hier ist, was einem besonders gefällt usw. - insgesamt etwa 15 Fragen. Sie sprach weder englisch noch deutsch und ich verstand ihre polnischen Fragen sehr schlecht. Da ließ ich mir den Bogen geben, lesen konnte ich die Fragen recht gut. Ich zeigte ihr, wo sie die jeweiligen Kreuzchen machen sollte. Am Ende sagte ich ihr, dass die Botanischen Gärten in Breslau und Leipzig die ersten Gärten dieser Art waren, die es nördlich der Alpen gab. Sie lachte und antwortete: "jetzt habe ich etwas von Ihnen gelernt".

Am Abend holte ich mir, wie immer, einen Becher heiße Milch mit Honig, um ihn mit auf mein Zimmer zu nehmen. Mein Vater sagte mal vor 70 Jahren: "heiße Milch hilft bei allen Krankheiten und auch bei schlechter Laune". Ich trank ihn abends wegen der guten Laune und Zufriedenheit!

Am nächsten Morgen musste ich früh raus, denn schon um 8.30 Uhr wollte Sonja zum Frühstück kommen, da sie noch am Vormittag nach Kreisau zurück musste. In der Nähe in Schweidnitz unterrichtet sie nebenbei an einer Privatschule Deutsch. Ich hatte an der Rezeption gebeten mich um 6.30 Uhr anzurufen, da ich völlig aus dem Alltagstrott herausgefallen war und Angst hatte, nicht rechtzeitig wach zu werden. Das funktionierte auch gut, pünktlich klingelte das Telefon. Als ich zur vereinbarten Zeit mit dem Lift hinunter fuhr, saß Sonja schon wartend da. Wir hatten ein schönes Frühstück, Sonja genoss das große Angebot und dabei erzählte schon jeder von seinen Plänen und Erlebnissen. Sonja möchte sich beruflich nochmals verändern, aber gerne in Schlesien bleiben. Eine gute Stunde hatten wir dafür Zeit, dann musste Sonja leider weiter.

Ich hatte noch ein bisschen Zeit und fuhr dann um 11.00 Uhr mit dem Taxi zum Rynek, um mich mit Gosia, meiner jungen Freundin in Wroclaw im Mona Liza zu treffen. Auch sie spricht gut deutsch, da sie an der Rezeption im Hotel "Dwor Polski" arbeitet. Jetzt allerdings nur Teilzeit, da sie zwei kleine Jungen, Konrad 5 Jahre, Filip 3 Jahre alt, hat. Wir haben seit 8 Jahre guten Kontakt miteinander, Sie war auch schon bei mir in Mainz. Ich werde nie vergessen wie sie anfangs mal sagte: "Du bist keine Touristin, Du bist eine von uns und hast die Tore weit geöffnet".

Wir hatten viel zu erzählen, die Zeit verging sehr schnell. Bei einigen Einkäufen beriet sie mich noch, dann musste sie leider nach Hause. Am Nachmittag begann ich dann schon mit dem Packen, denn am nächsten Morgen hatte ich den nächsten, letzten, Termin im Willy Brandt Zentrum bei Dr. Ruchniewicz. Auch hier sollte ich schon um 8.30 Uhr da sein, doch Krzysztof kam etwas verspätet. Er nahm sich eine Stunde Zeit, wieder bekam ich ein Buch geschenkt: der Titel: "Mein Theurer Theodor". Es sind Briefe von Gustav Freytag an seinen Freund Theodor Molinari aus den Jahren 1847 - 1867. Dr. Ruchniewicz berichtete auch von einer bevorstehenden Zusammenarbeit des WBZ mit der Uni Mainz, die von der katholischen Kirche vorbereitet wird. Er meinte dazu: ich werde dann wohl öfter in Mainz sein, als Du in Wroclaw. Das würde mich sehr freuen!

Dann blieben noch 2 Stunden Zeit bis mich der Taxifahrer im Hotel abholen wird. Ich bezahlte die Rechnung per Euro - Chek, trank noch einen kleinen Kawa Late, zum letzten Mal ein Schüsselchen Zurek. Ein herzlichen Abschied im Restaurant und an der Rezeption ein "Dowidzenia". Das Taxi war schon 10 Minuten früher da, und auf der langen Strecke zum Flughafen erzählte mir der Fahrer von seinen Verwandten in Bayern. Er meinte aber, dass er und seine Söhne in Wroclaw bleiben möchten, sein Job sei sicher und die Söhne möchten ihre Heimatstadt nicht verlassen.

Am Fluhhafen ging es recht flott voran, nur ein Gepäck- Chek, der Bus, der uns zum Flieger brachte stand schon bereit und der Flieger startete pünktlich. Die kleine Maschine umrundete 3-mal das Stadtgebiet bei Sonnenschein, so dass ich mit einem herrlichen Blick zurück, Abschied nehmen konnte.

In Warschau hatten wir mehr als 2 Stunden Aufenthalt bis dann von dort aus der Jet nach Frankfurt startete. Wie überall waren auch hier an allen Wänden Werbeplakate aufgehängt, eins fand ich richtig lustig. De Text quer über die Tafel gedruckt: "Chip, Chip, Chip - Hurra", eine Werbung für die Euro - Check - Karte. Im Warteraum, bei einem Kaffee traf ich einen Geschäftsmann, Leiter von Orbis in Polen, der Franzose war. Er sprach kein Englisch, kaum Polnisch aber akzentfreies Deutsch, da er aus dem Elsass kam. Ich hatte wirklich wieder ein tolles Glück, immer Menschen zu treffen, mit denen ich interessante Gespräche führen konnte. Die Maschine nach Ffm. flog dann pünktlich ab, es dauerte nur 55 Minuten bis nach Frankfurt. Dort verging noch einige Zeit bis der Bus uns zur Ankunftshalle fuhr.

Hier kannte ich mich wieder so gar nicht aus, doch der hilfreiche Franzose brachte mich zur Gepäckausgabe und da stand auch der Helfer von der Caritas mit meinem Namensschild in der Hand. Er hatte mein Gepäck bereits abgeholt, prüfen lassen, so dass wir gleich zur S - Bahn fahren konnten. Schon 8 Minuten später kam ein Zug nach Mainz. Ich bedankte mich, er löste am Automaten die Fahrkarte für mich, und ab ging es in die "neue Heimat Mainz". Dort half mir noch eine junge Frau in Lufthansa - Uniform mein Gepäck bis zum Taxi - Stand zu bringen, eine Viertelstunde später stand ich vor meiner Wohnungstür.

Ich habe 5 wundervolle Tage erlebt, sehr anstrengend, aber mit so vielen interessanten Treffen mit vielen Menschen aus verschiedenen Ländern Europas. Ich freue mich über diesen Zusammenhalt, der sich in Europa entwickelt und werde mich auch in Zukunft - auf unterster Ebene - für eine gute Verständigung engagieren.

Ich gehe über die Brücken
die Odra fliesst träge dahin,
die Sonne wärmt mir den Rücken,
mir gehen alte und neue Erlebnisse durch den Sinn

Die Stadt ist ganz ruhig -
mir ist, als stände die Zeit jetzt still,
für das nächste neue Jahr bin ich sehr mutig
es wird gelingen - wenn ich nur will.

Hier finde ich inneren Frieden, hier gibt es keinen Schmerz-
alle Ängste sind draussen geblieben,
und die Sonne wärmt mir das Herz !

Karla Postrach - Rast, Oktober 2006

 
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