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Kupferberger Gold, Ein schlesisches Schicksal
Kornemann, Heinz

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Taschenbuch 2004; 14 x 20,5 cm; 230 S.

Dieser Roman mit autobiographischen Zügen schildert das Schicksal einer Schlesierin in den Wirren des vergangenen Jahrhunderts. Die Vorfahren von Ella Frankhauser wurden bereits 1837 wegen ihres protestantischen Glaubens aus dem Zillertal vertrieben. 

Beschreibung / Inhalt

Die deutsche Vergangenheit Breslaus und des Riesengebirges wird für den Leser lebendig. Ein Roman, der fesselt, anrührt und Zeitgeschichte vermittelt, der Glanz und Tragik des alten Schlesien vor Augen führt und jeden Leser mahnt, doch aus der Geschichte zu lernen. Ein Stoff, so packend, aktuell und lehrreich, dass man sich auch eine Verfilmung vorstellen könnte.

Der Autor

Heinz Kornemann wurde 1949 in einem kleinen Ort im Kreis Nienburg/Weser geboren. Seine Mutter wurde mit ihren vier Kindern am 12. Juni 1946 aus Rohrlach im Riesengebirge vertrieben. Nach dem Schulbesuch in Bremen hat er eine Ausbildung zum Buchdrucker gemacht und in verschiedenen Berufen des graphischen Gewerbes gearbeitet. Heinz Kornemann ist verheiratet und lebt heute in Wolfsburg.
Kontakt: www.heinzkornemann.de

Benjamin Baumgarten zeigt der jungen Ella seine Heimatstadt Breslau.

Leseprobe aus dem Buch "Kupferberger Gold",  Seiten 40 bis 43

Von der Sandbrücke aus spazierten Ella und Benjamin eingehakt über den Ritterplatz am Oberlandesgericht, dem ehemaligen Vinzenskloster, vorbei. Benjamin blieb stehen: "Wenn ich hier langgehe, dann muß ich immer einen Blick auf diesen Barockbau werfen. Es ist ein interessanter Anblick, wie sich die Vinzenskirche aus dem 14. Jahrhundert an das Oberlandesgericht anschließt. Das sieht doch originell aus. Der Barockbau und direkt daran angebaut die Backsteinkirche."

Ella pflichtete ihm bei. Sie hatte sich schon daran gewöhnt, daß Benjamin mit seinem Interesse für Architektur fast zu jedem Haus in Breslau eine Bemerkung parat hatte.

"Wenn du an den kommenden Wochenenden nach Breslau kommst, dann können wir soviel zusammen unternehmen", schmiedete er schon die Pläne für die künftige gemeinsame Zeit.

"Wir werden den Zoo, der ist nicht weit von meinem Elternhaus entfernt, besuchen. Von der Stadt aus können wir mit der Straßenbahn zum Zoo fahren, sie hält direkt vor dem Tor zum Zoologischen Garten."

"In den Zoo würde ich gern mal wieder gehen", stimmte Ella freudig ein, "dort war ich mit meiner Oma zuletzt vor zwei Jahren. Auf einem Kamel sind wir durch den Zoologischen Garten geritten. Zu beiden Seiten trug das Kamel Holzbänke, auf denen wir saßen. Es hat ganz schön geschaukelt."

Benjamin lachte: "Das wollen wir wiederholen! Und wir können vom Zoo aus mit der Fähre über die Oder zum Wappenhof hinüberfahren. Das ist ein sehr schönes Ausflugslokal."

"Benjamin, was du alles mit mir vorhast" seufzte Ella mit leiser Stimme und schmiegte sich an ihn.

Benjamin schwärmte weiter: "Und den Bau des neuen Parkhotels hinter der alten Schweizerei muß ich dir zeigen. Wir gehen mal abends im Parkhotel zum Essen. Ein ganz schicker, moderner Bau ist das."

"Oh, Benjamin", sagte Ella und sah ihn glücklich an, aber sie konnte sich nicht so recht für die Architektur erwärmen. "Im Botanischen Garten möchte ich spazierengehen und die Architektur der Natur erleben. Dort befindet sich so eine interessante Sammlung von Gewächsen aus verschiedenen Gebirgen."

"Gewiß doch, den Botanischen Garten können wir nach einer Besichtigung der Dominsel besuchen; der liegt gleich nebenan. Aber wenn wir draußen in Scheitnig sind, sollten wir im Scheitniger Park spazierengehen. Der Park ist in der Nähe vom Zoo und damit auch von meinem Elternhaus. Ich werde dich meinen Eltern vorstellen."

"Benjamin", unterbrach sie ihn, "doch nicht so schnell."

"Warum? Du hast mich mit deiner Großmutter auch schon bekanntgemacht."

Ella rang nach einer passenden Antwort. Doch ehe sie etwas sagen konnte, hatte Benjamin schon wieder das Wort ergriffen.

"Du brauchst keine Angst zu haben. Meine Eltern sind ganz patente Leute. Wie deine Großmutter."

Ella schwieg, ihr war es nicht ganz geheuer, daß Benjamin solche Pläne mit ihr hatte. Sie war der Auffasssung, das Kennenlernen von Benjamins Eltern hätte noch Zeit. Sie kannten sich viel zu kurz. Benjamin merkte, daß ihr das Kennenlernen seiner Eltern nicht recht war und ging nicht weiter darauf ein. So kam er wieder auf sein Lieblingsthema, die Architektur, zu sprechen.

"Dort draußen in Scheitnig steht auch die Jahrhunderthalle. Sie wurde von Max Berg erbaut und ist mit ihrer riesigen Kuppel aus Stahlbeton eines der bedeutendsten Bauwerke der neuen Architektur."

"Benjamin", unterbrach sie ihn mit vorwurfsvoller Stimme.

"Ja", sagte er, "ich habe es schon gemerkt, dich interessiert das nicht so. Trotzdem, du solltest dir mal in Grüneiche die WUWA, die Wohnmustersiedlung aus der Zeit des ´Bauhauses´ ansehen. Alles in der Nähe. Hochinteressant, kann ich nur sagen!"

"Ja, für dich, mich interessiert es weniger. Was heißt denn WUWA?"

"WUWA ist die Abkürung für Werkbundausstellung. Diese Ausstellung über modernes Bauen mit rationellen Fertigungsmethoden fand hier 1929 statt. Die WUWA erhielt internationale Anerkennung. Nur die Konservativen waren entsetzt über so ungewöhnliche Baustoffe wie Beton, Glas, Stahl und artfremde Flachdächer. Sehr gefallen hat mir das Ledigenheim des Architekten Hans Scharoun, der auch hier an der Kunstakademie als ordentlicher Professor gelehrt hatte, bevor er nach Berlin gegangen ist."

Schmollend unterbrach ihn Ella: "Wenn das Wetter schön ist, können wir zum Waldbad Cosel fahren. Das finde ich viel interessanter als all diese Bauwerke von den verschiedenen Architekten."

"Na, gut", sagte Benjamin mit lachender Stimme, "ich sehe ein, daß ich dich nicht für die moderne Architektur begeistern kann."

Sie hatten den Ring mit dem Rathaus in der Mitte erreicht. Benjamin blieb mit ihr vor dem Ostgiebel des Rathauses stehen.

"Schau", fragte er, haben unsere Altvorderen nicht einen guten Geschmack gehabt? Dieser schöne Giebel mit seinen geometrischen Mustern und die Uhr mit Sonne und Mond. Solch ein mit Fialen geschmückter Giebel und das aufgesetzte Maßwerk; sieht das nicht bezaubernd aus?"

"Doch, mir gefällt das Rathaus auch", pflichtete ihm Ella bei.

Sie gingen um die Ecke des Ostgiebels und bogen in die Goldene-Becher-Seite ein. Hier war die mit Erkern reichgeschmückte Südfassade des Rathauses. Benjamin blieb wieder stehen. Diesmal vor dem Eingang des Schweidnitzer Kellers.

"Dort unten", sagte er und zeigte die Treppe zum Ratskeller hinunter, "ist der Schweidnitzer Keller, der älteste Ratskeller in Deutschland."

Ella blickte durch die geöffnete Pforte in den Schweidnitzer Keller hinab.

"Schade", bedauerte Benjamin, "daß wir keine Zeit haben. In den Schweidnitzer Keller müssen wir auf einem unserer nächsten Ausflüge auch noch gehen. In Breslau sagt man: ´Wer nich im Schweidnischen Keller war, der is nich ei Brassel gewesen!´ Dort unten gab es das gute Schweidnitzer Bier, ein Gerstenbier, das aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt wurde und nur in den Schweidnitzer Kellern der Städte ausgeschenkt werden durfte. Jetzt gibt es dort unten Schöps, ein in Breslau gebrautes Weizenbier."

Ella sah ihn verständnislos an.

"So nennt man das Bier im Schweidnitzer Keller. Hier in Breslau gibt es kein KUPFERBERGER GOLD, wie bei euch in der Umgebung und im Kupferberger Ratskeller, sondern Haase-Bier, Kißlings-Bier, Kipke-Bier und Haselbach-Bier. Alles sehr süffige Biere!"

Benjamin verzog genießerisch sein Gesicht. Ella lachte.

"Du wirst begeistert sein", fuhr er in seinen Ausführungen fort, "wenn wir dem Schweidnitzer Keller einen Besuch abstatten. Dort sitzen alle Schichten der Bevölkerung. Urgemütlich ist der Ratskeller, in dem Arbeiter, Studenten, Professoren, Handwerker, Intellektuelle und das Breslauer Künstlervolk zusammenkommen. Keiner fragt, wer der andere ist. Das ist das Schöne. Dort unten ist man Mensch! Sehr zutreffend finde finde ich auch einen Spruch an einer Wand im Schweidnitzer Keller, der lautet: ´Wenn mancher Mann wüßte, wer mancher Mann wär, gäb mancher Mann manchmal mehr Ehr.´"

"Benjamin, ich bin so froh, daß wir uns kennengelernt haben. Ohne dich würde ich vieles wohl nie zu sehen bekommen."

Lächelnd sah er sie an: "Es wird schön werden, wir zwei und Breslau."

Er löste sich von ihr und machte einen großen Freudensprung in Richtung Blücherplatz. Dann lief er schnell zu ihr zurück und schloß sie in seine Arme. Kopfschüttelnd beobachteten einige Passanten die Geste seiner Zuneigung. Andere Fußgänger wiederum lächelten. Ella und Benjamin war es egal, sie waren glücklich.

Vorbei zwischen dem kastenförmigen Gebäude der Sparkasse und der gegenüberliegenden Börse gingen sie über den Blücherplatz. Mitten auf dem Platz, eingerahmt von vielen Häusern mit Barockfassaden, stand das Denkmal des Marschalls Vorwärts.

Weiter liefen sie eiligen Schrittes, die Zeit drängte, über die Graupenstraße und den Schweidnitzer Stadtgraben zum Freiburger Bahnhof. Es waren knapp 10 Stunden seit Ellas Ankunft am Morgen vergangen. Ella kamen die 10 Stunden sehr lange vor. Die vielen neuen Eindrücke, die sie heute gehabt hatte. Und dazu Benjamins ausführliche Erklärungen über Breslau! Jetzt sah Ella die Stadt mit ganz anderen Augen. Sie war froh, bei ihrer Großmutter so viel Verständnis zu finden.

Benjamin erging es ähnlich. Er war glücklich, ein so nettes und natürliches Mädchen liebgewonnen zu haben, mit dem er in den kommenden Wochen viel zu unternehmen gedachte. Daß seine Eltern mit ihm und seinem Bruder Ende des Jahres Deutschland verlassen wollten, daran mochte Benjamin gar nicht denken. Insgeheim spielte er schon mit dem Gedanken, doch hier in Breslau zu bleiben.

Benjamin versprach Ella, sie am kommenden Sonnabend wieder vom Zug abzuholen. Als sie sich verabschiedeten, fiel es ihnen schwer, daran zu denken, daß sie sich eine ganze Woche lang nicht sehen würden.

Flüchtlingsströme ziehen im Januar 1945 durch Breslau

Leseprobe aus dem Buch " Kupferberger Gold",  Seiten 142 bis 144

Am Sonntag, es war der 14. Januar, sollte Ella nach Breslau fahren und am Montag mit Großmutter Riedel zurückkehren. In einem fast leeren Zug, in dem nur einige Soldaten saßen, machte sie sich auf den Weg. Die Züge, die Breslau verließen, waren mit Menschen vollgestopft und die Züge, die nach Breslau fuhren, waren menschenleer. Niemand wollte mehr in diese Stadt, wenn es nicht unbedingt sein musste. Jeder, der die Möglichkeit hatte, verließ das schöne Breslau. Es gingen Gerüchte um, dass die Bewohner evakuiert werden sollten. Ella und ihre Mutter waren sich im klaren, dass der alten Martha Riedel solche Strapazen allein nicht mehr zuzumuten waren. Da war es das beste, wenn Ella sie sicher nach Kupferberg bringen würde. In diesem kleinen Ort, abseits aller Kampfhandlungen gelegen, war sie sicher. Auf diesen Kurzbesuch, der ihr letzter in der Hauptstadt Schlesiens sein sollte, freute sich Ella sehr. So konnte sie doch mal wieder mit ihrer geliebten Großmutter über alles Mögliche ungestört sprechen.

Als der Zug in Breslau im Freiburger Bahnhof einlief, bekam Ella Schwierigkeiten beim Verlassen des Zuges. Solch eine riesige Menschenmenge hatte sie noch nie dort gesehen. Frauen, Kinder und alte Männer, mit Koffern und Taschen beladen, stürmten hier in der Endstation in den Zug und wollten raus aus der Stadt ins Gebirge. Mühsam kämpfte sich Ella gegen den Strom von Menschen voran. Schließlich gelang es ihr, den Bahnhof zu verlassen. Auch auf dem Bahnhofsplatz standen dicht gedrängt Flüchtlinge und wollten in den Bahnhof, um in einem der Züge ins Gebirge zu fahren. Eine Straßenbahn war nicht zu sehen. So machte sich Ella zu Fuß auf den Weg in die Clausewitzstraße. Sie erreichte die Schweidnitzer Straße und traute ihren Ohren nicht. Ganz deutlich vernahm sie vom Rathaus her das Muhen von Kühen. Neugierig geworden, folgte sie den Geräuschen und gelangte an die Südostecke des Ringes, auch Kornecke genannt, weil hier einmal der Getreidehandel stattfand. Das Bild, das sich ihr bot, hatte sie noch nie vorher gesehen. Am schönen Breslauer Rathaus zog eine endlose Rinderherde durch den Schnee dahin. Kühe in den Straßen einer Großstadt. Ella rieb sich die Augen, doch das Bild trog nicht. Sie ging die Ohlauer Straße entlang zur Kaiserbrücke. Was sie nun sah, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Es ließ sie erschauern. Die Straße war voll von Menschen, Fahrzeugen, Pferdefuhrwerken und auch Schlitten, die von Frauen und alten Männern über die festgefahrene Schneekruste gezogen wurden. Ein nicht abreißender Strom von Menschen, Fahrzeugen und Viehherden kam über die Kaiserbrücke aus Richtung Osten. Fassungslos blieb Ella in der Menge der Breslauer Bürger stehen, die am Straßenrand standen und ungläubig auf diesen schier endlosen Zug starrten. Zwischen den Pferdefuhrwerken und Lastkraftwagen gingen Frauen mit schweren Rucksäcken, weinende Kinder an der Hand und mit eingemummten Säuglingen auf dem Arm. Es waren Frauen und junge Mädchen, die Kinder auf Schlitten und Handkarren hinter sich herzogen, die auf dem Kutschbock saßen und die Pferde lenkten. Erschüttert starrte Ella auf den nicht abreißenden Strom der Flüchtlinge.

"Mein Gott", stammelte sie vor sich hin, "mein Gott, das darf nicht wahr sein. Ich habe einen ganz schrecklichen Traum. Bitte, laß dies nur einen schrecklichen Traum sein."

Doch es war ihr klar, es war kein Traum. Es war die raue Wirklichkeit des Krieges mit seinen unsagbar leidvollen Folgen. Wer von den staunenden Breslauern am Straßenrand konnte sich vorstellen, welche Strapazen diese Menschen in den nicht enden wollenden Trecks aus dem Osten, beladen mit Hausrat und Lebensmitteln, schon hinter sich hatten und auch noch vor sich. Die wenigsten Breslauer Bürger ahnten damals im Januar, dass auch ihnen in den kommenden Monaten ebenso schreckliche Dinge bevorstanden.

Diejenigen, die keinen Platz auf einem Wagen fanden, mussten nebenher laufen. Wer starb, wurde in der nächsten Ortschaft auf dem Friedhof begraben. Später, als das Chaos immer größer wurde, blieben die Toten am Straßenrand liegen.

"Mein Gott", wiederholte Ella erschrocken und starrte noch immer gebannt auf den endlosen Zug, der über die Kaiserbrücke die Oder überquerte.

"Wovor fliehen diese Menschen?" fragte sie einen alten Mann, der neben ihr stand.

Vorsichtig sah sich der Alte um und flüsterte Ella zu: "Sie fliehen vor der befürchteten Brutalität der Rotarmisten. Die russischen Soldaten haben sich durch ihr eigenes Land durchgekämpft, das deutsche Soldaten auf dem Rückzug systematisch zerstört haben. Nun nehmen die sowjetischen Soldaten an der deutschen Bevölkerung furchtbare Rache."

"Ja, ist die ganze Menschheit verrückt geworden", rief Ella, aber niemand gab ihr eine Antwort.

Jetzt schlurfte in dem Zug eine Gruppe von russischen Kriegsgefangenen in zerlumpten Mänteln vorüber. Sie wurden von Volkssturmmännern, die unentwegt ihre Gewehre auf sie richteten, bewacht.

Bei diesem Anblick rief rief eine Frau neben Ella aus der Menge: "Warum nehmt ihr diese Untermenschen noch mit? Bringt sie doch gleich um!"

Ein Pferd brach vor einem der Wagen zusammen. Mehrere Männer eilten herbei und versuchten das Tier wieder aufzurichten. In seiner Hilflosigkeit schlug einer der Beteiligten mit der Peitsche auf das am Boden liegende wiehernde Pferd ein, das nicht mehr imstande war, sich zu erheben. Ein Schuß hallte durch die Geräuschkulisse, die der endlos dahinziehende Treck verursachte. Das Pferd bäumte sich noch einmal auf: nun war es von seinen Qualen erlöst. Der Planwagen wurde an die Seite geschoben, der Treck zog weiter. Erschüttert wandte Ella sich ab und wollte auf dem schnellsten Weg zu ihrer Großmutter in die Clausewitzstraße gehen, da tippte ihr jemand von hinten auf die Schulter. Erstaunt drehte sie sich um. Ihr Schreck war groß. Ein Mann im langen Ledermantel stand hinter ihr. Auf dem Kopf hatte er einen Hut mit einer breiten Krempe. Dieses aufgedunsene Gesicht, das Ella unter dem Hut wutverzerrt anstarrte, hätte sie unter tausenden wiedererkannt. Das war der SA-Mann, der sie und Benjamin 1937 aus dem Theater gejagt hatte. Trotz der Zeitspanne von fast acht Jahren hatte sie ihn und er sie gleich wiedererkannt. So als hätten sie sich gestern zuletzt gesehen.

"Du Judenflittchen", zischte er Ella an, "diesmal entkommst du mir nicht."

Bestellung

Das Buch erschien im

Senfkorn Verlag Alfred Theisen
Brüderstraße 13, 02826 Görlitz
Tel. (03581) 40 20 21
Fax (03581) 40 22 31
www.schlesien-heute.de


Buchbestellung:
Kupferberger Gold,  2004 
ISBN: 3-935330-16-2 
Preis: 9,90 € 
Bestellung an: info@senfkornverlag.de

 
© 2006 Egon Höcker
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