Christophoribote
Mitteilungsblatt
der ev. Gemeinde deutscher Sprache
in Breslau und Niederschlesien
Oktober,
November 2008 /Nr. 10-11 (42-43)
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Liebe Gemeinde!„Als der Herr sein Schöpfungswerk fast vollendet hatte, wandte er sich einem Fleckchen Erde zu, dem seine ganze Liebe gelten sollte. Aber ach, vorher hatte er „sein Material“ schon „so großzügig verteilt, dass“ kaum noch etwas „übrig geblieben war. Erst machte er ein ernstes Gesicht. Dann lächelte er und beschloß, aus“ den wenigen „verschiedenen und höchst gegensätzlichen Zutaten,“ die ihm geblieben waren, „etwas“ ganz „Besonderes entstehen zu lassen,“ ein Paradiesgärtlein, das man daran erkennen sollte, dass es „die Form eines Eichenblattes“ hatte. „Das war“ nicht schwer zu bewerkstelligen, „denn die starke Mittelrippe des Blattes und auch die feineren Nebenrippen waren schon vorhanden – mit der Oder und allen Ihren ... Nebenflüssen.“ Aus „den restlichen Zutaten entstanden liebliche Landschaften und fruchtbares Ackerland, hohe Berge mit Felsgestein, stillen Mooren und tiefen Wäldern. Unverwechselbare Düfte schwangen über allem, Farben spiegelten sich in diesem heiteren ... Guckkasten ... Das schwer zugängliche Felsgestein der Gebirge hütete eine Fülle von Schätzen, zu denen Eisen, Kohle und heiße Quellen gehörten. Quarzgestein war reichlich vorhanden für die Glasherstellung, Tonerde“ für die Bunzlauer Tippl. „Neben dem goldenen Korn wuchs blaublühend der Flachs, aus dem die Weber ihr Leinen herstellten, nachdem ihnen die Spinner den Flachs gesponnen hatten.“ „Ernst und heiter wurden Landschaft und Menschen geprägt. Weinen und Lachen waren dort ... immer nahe beieinander. Grübelnd und fröhlich zugleich“ gaben sich die Menschen. Die Heilige Hedwig, Spinner und Gottsucher, Bauern und Feldherren, Klöster und Dome, Friedenskirchen und Bethäuser, Herzöge und Fürstentöchter, Barockdichter und Kirchenmusiker, Laboranten und Vagabunden, Gutsbesitzer und arme Weber, Dörfer und Städte, die verschiedensten Mundarten und Trachten, Aberglaube und der Berggeist Rübezahl, Streuselkuchen, Liegnitzer Gurken, Liegnitzer Bombe und Grünberger Wein, der cherubinische Wandersmann, Gerhart Hauptmann und Jochen Klepper hatten alle ihren Platz in diesem Land, in diesem Paradiesgärtlein Gottes. So entstand Schlesien. Wer dieses Land kennen- und liebengelernt hat weiß: Es ist ein Garten Eden! Wem die Liebe zu diesem Land im Herzen brennt, wer in wehmütiger Erinnerung schwelgen möchte, wer Zukunft bauen möchte, wer dieses Paradiesgärtlein Gottes auch für die erhalten möchte, die nach uns kommen, ganz gleich, woher sie kommen, welchen Glauben sie haben und welchem Volk sie angehören, der muß zuallererst mithelfen, dass der Frieden diesem Land nicht wieder verloren geht. Der muß dafür einstehen, dass die Vielfalt dieses Landes in Natur und Kultur, in Wirtschaftskraft und Wissenschaft, in Gestaltungsfreude und Glaube erhalten bleibt und gefördert wird. Der muß auch ganz gut auf das hören, was am Anfang der Bibel im 2. Kapitel des 1. Mosebuches steht: Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; Aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. „Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden!“ Was das bedeutet, kennen wir durch die Berichte aus den Hungergebieten Afrikas, wo jahrelang der Regen ausbleibt und fruchtbares Land zur Wüste wird. Wir wissen auch aus dem Riesengebirge, wie Bäche zu fast versiegenden Rinnsalen werden und wie Talsperren leer laufen, damit Mensch und Tier sich noch laben können. Wir wissen aber auch von der Oderflut, wie die Kraft des Wassers übermächtig werden und Menschenwerk in Nu zerstören kann. Und wir wissen auch, dass der Mensch seinen Anteil an solchen Katastrophen hat. Er ist verantwortlich für die Erderwärmung und die Klimaveränderungen. Er ist verantwortlich dafür, dass die Flüsse ihre natürlichen Überschwemmungsgebiete verloren haben und deshalb bei Hochwasser in die Städte drängen müssen. Es darf uns nicht mehr gleichgültig sein, was mit dem Wasser geschieht, wie viel wir davon verbrauchen, welchen Raum wir ihm geben und was alles wir dem Wasser zumuten zu verkraften an chemischer Belastung. Das Wasser ist die Quelle unseres Lebens. Ohne das wasser hätte es keine weitere Schöpfung – also auch uns – nicht gegeben. Wenn wir dem Wasser Schaden zufügen, zerstören wir Gottes Paradiesgärtlein und damit unsere eigene Existenz. Dieses Paradiesgärtlein hat Gott gestaltet, nicht weil er gerade mal Langeweile hatte, sondern für uns, für den Menschen! Welch eine Achtung, welch eine Liebe, welch eine Auszeichnung für den Menschen! Und wenn es nur das Paradiesgärtlein Schlesien gewesen wäre! Welch eine wunderbare Tat Gottes! Aber es ist die ganze faszinierende Welt geworden mit der Erde, auf der wir leben, und mit dem Weltraum, der uns umgibt. Unbegreiflich wunderbar ist das! Ja und dann gibt Gott sich mit dem einzelnen Menschen – also auch mit mir – ganz viel Mühe. Gott formt den Menschen wie ein Töpfer sein Gefäß. Bunzlau kommt mir wieder in den Sinn. Wieviel Liebe und Kreativität steckt in der Formgebung und Gestaltung eines einzelnen Tippls. Wieviel mehr in der Gestaltung eines Menschen. Als ich einmal die Bunzlauer Werkstätten besuchte, liefen dort Menschen umher, deren ganzer fast unbekleideter Körper mit Ton bedeckt war. Es war wohl eine Werbeidee. Aber ich wurde an Gott, den Schöpfer, erinnert, der seine Menschenkinder geformt hat. Gott hat dem Menschen seinen Geist eingehaucht. Erst dadurch wurde aus dem geformten Erdklumpen Leben. Das, liebe Gemeinde, ist für mich der faszinierendste Gedanke an der ganzen Schöpfungsgeschichte: Der Mensch lebt von dem Atem Gottes! Gottes Geist wohnt im Menschen! Der Mensch ist mit göttlicher Kraft begabt: „Gott blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ Der Mensch hat sein Leben nicht aus eigener Kraft. Aber er hat Anteil an dem, was Gott auszeichnet: Schöpferisch gestaltende Fähigkeiten, Wille zum Leben, Liebe zum Geschöpf, Wissen, was gut und böse sei. Er ist also ein wahrhaft göttliches Geschöpf, das aus derselben Kraft lebt wie Gott. Zugleich aber ist der Mensch vergänglich. Das unterscheidet ihn von Gott. Er ist von erde genommen und soll auch wieder zu Erde werden. „Adam“ wird der erste Mensch später genannt. Das ist hebräisch und heißt auf deutsch ganz einfach: Erde, Acker. Sein Name beinhaltet also schon seine Vergänglichkeit. Daraus ergibt sich seine besonders hohe Verantwortung für das Leben im Garten Eden. Die Möglichkeit zu schöpferischer Gestaltung ist uns nur begrenzt gegeben. Was wir bis zur Grenze unseres Lebens getan oder unterlassen haben, können wir später nicht mehr korrigieren. Die Vergänglichkeit des Menschen ist auch geeignet, uns den Hochmut als „Krone der Schöpfung“ zu nehmen. Wir sind nichts anderes als das, was uns sonst in Gottes guter Schöpfung umgibt: Erde, die nach dem Willen Gottes geformt und durch den Geist Gottes zum Leben erweckt wurde. Gott gibt den Lebensraum, den er für den Menschen gestaltet hat, ganz in die Verantwortung des Menschen. Was hat der schöpferische, kreative, geistbegabte, fleißige Mensch nicht alles geschaffen in Gottes Paradiesgärtlein Schlesien?! Barocke Schlösser uns Kirchen, Gruben, um die Bodenschätze zu nutzen, Städte mit weitreichenden Handelsbeziehungen, Marktplätze voller Leben mit ihren imposanten Rathäusern, gr0ßartige Dichtungen, kultiviertes Land, das die Menschen ernährte, eine Leopoldina, die zur zeit ihrer Entstehung ihresgleichen suchte, modernste Baukunst wie die Jahrhunderthalle, Brauchtum, das den Menschen Freude und Sicherheit gab, Musik und Theater von hoher Blüte, bodenständiges Handwerk, dessen Produkte in die Welt gingen, volkstümlichen Humor und so vieles, vieles mehr! Das alles soll der Mensch „bebauen und bewahren“. Also: Bebauen und nicht zubauen oder zerbauen. In der hebräischen Urfassung der Schöpfungsgeschichte bedeutet der Begriff „bebauen“: Einen Acker bearbeiten und mit dieser Arbeit Gott dienen. Also ist es die Aufgabe des Menschen, den Garten Eden im Sinne Gottes zu beackern, auf dass da etwas wachse zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Menschen. Es soll echte Arbeit sein, die den Schweiß ins Gesicht treibt und Hunger macht, die Leben mit Sinn erfüllt. In all dem bleibt der Mensch Gott verantwortlich. Löst er sich aus dieser Rolle, dann hat er das Ziel seines Lebens verfehlt. Das klingt sehr nach Enge, nach Begrenzung. In Wahrheit stellt es die Handlungsmöglichkeiten des Menschen in einen weiten Raum. Aber vor allem freigestellten Handeln muß die Frage stehen: Ist das, was ich beabsichtige zu tun, im Sinne Gottes? Für das „Bewahren“ steht im hebräischen Urtext: Vorsichtig und gewissenhaft ausführen, hüten und bewachen wie eine Herde, im Gedächtnis behalten, schützen, sich nicht an etwas vergreifen. Also ist es die Aufgabe des Menschen, den Garten Eden, sein Paradiesgärtlein, die Welt, in der er lebt, als Gottes Heiligtum zu achten und genau das niemals zu vergessen. Wie Gott für ihn, so soll er für die Schöpfung ein guter Hirte sein. Er darf sich nicht an ihr um eines kurzfristigen Vorteils willen vergreifen. Er ist Beschützer, er ist auch Nutzer, aber nicht Ausnutzer. Bebauen und bewahren heißt nicht, dass alles so bleiben muß wie es ist. Aber ein Paradiesgärtlein Gott zur Ehre als gute Lebensgrundlage für die Menschen muß es bleiben. Handelt der Mensch anders, dann hebt er sich über seine eigenen Möglichkeiten hinaus und es ergeht ihm wie Goethes Zauberlehrling: Die Geister, die er ruft, wird er nicht mehr los. Er kann sie nicht beherrschen. Das Chaos bricht aus. Oft genug muß man das Gefühl haben, dass wir schon lange auf einem chaotischen Weg sind. Übertragen wir die Liebe zu uns selbst und zu unserem Paradiesgärtlein Schlesien auf Gott, auf die Menschen, die mit uns leben, und auf die ganze Welt als Garten Eden, dann haben wir eine Chance, dass auch künftige Generationen Gottes Garten Eden genießen können. Amen.
Die am Anfang der Predigt in Anführungszeichen gesetzten Zitate entstammen dem Buch „Niederschlesien“ von Markus Dworaczyk und Erle Bach, S. 9, Kraft Verlag Würzburg 1994 Fast drei Wochen in Breslau und Niederschlesien Schnell sind die Tage vergangen, die mir Breslau und die evangelischen Gemeinden deutscher Sprache in Niederschlesien ein Stück näher gebracht haben. Ich durfte in Breslau, Liegnitz, Schweidnitz und Waldenburg Gottesdienste halten und einige Gemeindeglieder kennenlernen. Die Orte und die Situation der Gemeinden sind mir vertrauter geworden. Leider habe ich es nach Bad Warmbrunn und Lauban nicht geschafft. Darauf hoffe ich nun für das nächste Jahr. Ich hoffe auch sehr, dass es mir im Sommer 2009 gelingen wird, mehr mit den Gottesdienstbesuchern ins Gespräch zu kommen, Hausbesuche zu machen und an den Bibelstunden teilzunehmen. Ich würde mich freuen, wenn ich die Breslauer Pastoren in der Seelsorge ein klein wenig unterstützen könnte. Zur Zeit freue ich mich auf meinen nächsten Besuch in Schlesien, der mich am 5. Oktober zum Erntedankfest und zur Goldenen Konfirmation nach Liegnitz führt. Dankbar bin ich auch dafür, dass ich in Breslau und Liegnitz viele Stationen aus dem Leben meiner Vorfahren suchen und finden konnte. In Liegnitz war mir dabei Rosel Langierowicz sehr behilflich. Das Glatzer Bergland, den Zobten und Teschen habe ich auf dieser Reise zum ersten Mal gesehen. Das war sehr schön. Die Besuche bei Familien, die zur Liegnitzer Gemeinde gehören, haben mich tief beeindruckt, ebenso die Begegnung mit der Familie von Kap-herr auf dem Saatzuchtbetrieb in Kondratowice/Kurtwitz. Ich danke allen für ihre große Gastfreundschaft und Herzlichkeit und warte voller Freude auf neue Begegnungen im kommenden Jahr. Möge Gottes Segen Sie alle begleiten! Mit herzlichen Grüßen Rinteln, 21. September 2008 – Großwartenberger Heimattreffen Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen. Sehr geehrter Prinz Biron von Curland. Ich freue mich sehr, hier wieder stehen zu dürfen, auf der Kanzel der Stadtkirche St. Nikolai zu Rinteln und mit Ihnen diesen Gottesdienst zu erleben, begleitet durch die wunderbare Orgel. Ich bin hier das fünfte oder sechste mal gekommen, aber es ist das erste Mal, ohne an der Grenze zwischen Polen und Deutschland aussteigen zu müssen oder meinen Pass aus der Tasche zu ziehen. Es könnte sein, dass wir Grosswartenberger in dieser Kirche das letzte Mal unseren Gottesdienst feiern dürfen. Deswegen möchte ich Ihnen drei Sachen laut und deutlich sagen, ich denke es ist die höchste Zeit dafür. Erstens: Ich möchte Ihnen für diese 15 Jahre in Groß Wartenberg, Neumittelwalde und Neurode herzlichst danken. Sie, liebe Schwestern und Brüder, neben den schlesischen Johannitern und der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier, haben schon in den 60er Jahren die ersten Brücken zu uns in Schlesien gebaut. Unsere Evangelische Kirche in Polen hat ca. 130 Gemeinden, jede hat mindestens eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in Deutschland, wo die Schlesier immer in erster Reihe standen, wenn es um die Kontakte mit der alten Heimat geht. Mit Ehepaar Cunow kennen wir uns schon seit mehr als 20 Jahren. Wie viel mal haben wir uns in Groß Wartenberg und Neumittelwalde getroffen, Gottesdienste gefeiert, im Garten des Pfarrhauses gegrillt, Bier getrunken, erzählt von unseren Familien, Kindern, Freuden und Kummer, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie alle haben dazu beigetragen, dass die Vergangenheit ihrer Heimat für uns nicht mehr fremd ist. Sie haben uns gezeigt und gelernt, was die wahre Liebe zur Heimat bedeutet, wie man sie praktiziert, dass diese Liebe niemandem schadet. Sie haben die für viele immer noch unsichtbare, aber doch reale Einheit zwischen unseren beiden Völkern aufgebaut, genauso wie es Apostel Paulus im heutigen Predigtext meint. Es geht um die Einheit unter den Christen, die wahrscheinlich das Allerwichtigste ist, weil wir aus dieser Einheit die Kraft für das tägliche Leben schöpfen, um die Einheit auf anderen Ebenen unseres Lebens zu kämpfen, sorgen oder sie zu stiften. Was währt die Einheit der Christen? Es ist das Band des Friedens, so der Epheser-Brief. Frieden! Was für ein Wort! Was ist heutzutage alles im Namen des Friedens möglich: Krieg wird mit Frieden begründet, Tod auf Wunsch wird durch Frieden legitimiert, Hass und Nationalstolz wird ausgegeben als etwas Gutes, was dazu beiträgt, den Frieden zu fördern. Diese Art von Frieden kennt die Bibel nicht, ja sie bekämpft sie sogar, indem sie vom wahren, vom göttlichen Frieden redet. Und dieser Frieden ist nicht selbstgebastelt mit billigem Kleber -nein, dieser Friede, den die Bibel verheißt, ist von Gott geschenkt, in ihm ist das Trennende der Gegensätze verschwunden. Dort gibt es das schöne Bild bei Jesaja: Wolf und Schaf werden beieinander wohnen, ohne dass der eine den anderen bedroht. Sie merken: Der Friede wird nicht hergestellt dadurch, dass die Wölfe endlich alle Schafe gefressen haben oder andersrum: dass die Schafe in drohender Gefahr alle Wölfe in die Luft gesprengt haben (wie gestern die Terroristen in Islamabad ein Hotel in die Luft gesprengt haben). Der Friede ist hergestellt durch die Macht Gottes, die beide bestehen lässt: die Schafe und die Wölfe. Die Macht Gottes hat ihnen das Trennende genommen. Das ist der erste und der entscheidende Punkt, wenn es um Einheit geht: diese Einheit wurde uns bereitet, sie wurde uns geschenkt. Und geschenkt heißt eben: wir haben sie uns nicht verdient – wir haben sie uns nicht erarbeitet – wir haben sie nicht erst mit vielen Kompromissen ausgehandelt: gibst du mir das, gebe ich dir jenes. Nein: diese Einheit ist von Gott geschenkt und garantiert. Deswegen ist der Gottesdienst beim Grosswartenberger Heimattreffen immer ein Höhepunkt, weil wir Gott für alles danken möchten, was alles durch uns und zwischen uns in diesen Jahren möglich war. Zweitens: Als ich 1985 nach Groß Wartenberg kam, waren die drei Kirchen und das Pfarrhaus (gekauft 1910 durch die Gemeinde natürlich mit der Zustimmung des Schlosses) in einem katastrophalen Zustand. Die Dächer waren undicht und bei Regen floss das Wasser lustig rein an vielen Stellen. Aus eigener Kraft war die Gemeinde damals nicht in der Lage die notwendigen Reparaturen durchzuführen. Aber dann kamen Ihre Spenden, große und kleine, von vielen Ecken Deutschlands, wie die Bäche im Gebirge, die beim Regen zunehmen und weiter in dem Tal einen riesigen Fluss bilden, so auch Ihre Spenden. Kein Rechner in der Welt ist fähig diese Summen zusammenzurechnen. Dank damaligem Wechselkurs konnten wir in relativ kurzer Zeit alle vier Dächer dicht machen und damit die Gebäude für bessere Zeiten sichern. Wenn es Euch, liebe Schwestern und Brueder, nicht gäbe, hätten wir heute bestimmt nicht mehr die drei Kirchen und das Pfarrhaus. Und drittens: Mit ihrer vorbildlichen Liebe zur Heimat und ihrer Zuwendung zu uns in Schlesien haben Sie uns auch motiviert unsere Kräfte und Möglichkeiten zu sammeln und immer nach vorne zu schauen, auch wenn es nicht einfach und leicht war. Sie haben uns auch geholfen, die wahre Geschichte Schlesiens zu entdecken, die nicht am 9. Mai 1945 begann. Die wahrscheinlich wichtigste Entwicklung der letzten Jahre, die ich auch in Breslau erlebe, ist diese, dass die jetzigen Bewohner Schlesiens diese wahre Geschichte entdecken und langsam stolz darauf sind. Was viele Politiker auf beiden Seiten bis heute nicht verstanden haben, für Sie war es seit Jahren klar, nämlich: Schlesien liegt nicht mehr in Deutschland, aber Schlesien bleibt immer Ihre Heimat. Die Liebe zur Heimat, die Zuwendung und Hilfe für Menschen, die dort jetzt wohnen und leben, die in großer Zahl auch vertrieben wurden, darf nicht als Böses angesehen werden. Ich persönlich, und viele Tausende, sind Gott und Ihnen dankbar. Es wird eines Tages so sein, dass ihre Generation nicht mehr da sein wird, aber Ihre Taten der Liebe bleiben unvergessen. So baut man die Einheit unter den Menschen, wenn man versteht, wir sind ein Leib, durch Gott geschaffen, uns verbindet die Taufe, der Glaube, die Liebe zu den Menschen, die weit von uns wohnen, aber auch die Erde, die uns Gott anvertraut hat, wir sollen sie pflegen und bewahren. Das alles, liebe Gemeinde, macht die Einheit aus. Sie besteht bereits. Sie besteht selbst dann, wenn wir es nicht sehen, nicht erfassen, nicht begreifen können. Sie besteht unter uns Christen, ob evangelisch oder katholisch, ob orthodox oder freikirchlich; und mehr noch, liebe Gemeinde: sie besteht unter uns Menschen, ob schwarz oder weiß, ob hier oder dort lebend, ob so oder anders lebend. Und noch mehr liebe Gemeinde: sie besteht zwischen Menschen und Natur, zwischen allen Geschöpfen und allem Geschaffenen. Es ist ein Gott, der dies alles eingerichtet hat – eine Hand, die alles geformt und geschaffen hat, ein Wille, der die Welt regiert und ein Ziel, auf das alles laufen wird. Für mich ist es beruhigend, sich das immer wieder sagen zu lassen, diese von Gott geschenkte Einheit, denn im Leben, wie ich es erlebe, sehe ich oft nur die Unterschiede: Unterschiede zwischen Meinungen, Hoffnungen, Äußerlichkeiten – Unterschiede zwischen Vermögen. Auch wenn ich das alles jeden Tag sehe oder sehen muß, ich weiß, es besteht Gottes Einheit in dieser Welt. So kann ich bestehen als Christ mit dem Wissen um die göttliche Einheit: es lässt mich ruhig werden und öffnet mir den Blick auf den anderen, auf seine Meinung, auf seine Lebensweise, auf sein Verstehen, seine Fähigkeiten, auf sein Leben. Unser Text sagt klar: lebt in Demut, Sanftheit und Geduld. Wenn wir nur das jeden Tag ausüben könnten, würde die weite Welt und die Welt um uns anders aussehen. Der Prophet Micha fasst es so zusammen: demütig sein, Gutes tun und Gott ehren. Wenn wir das richtig verstehen, werden wir sehen, dass nicht alle wie wir sein müssen, um Einheit zu erreichen. Viel Böses ist in der Geschichte der Menschheit geschehen durch die Meinung – andere müssen sein wie ich oder wir. Zum Schluss noch ein wichtiger Gedanke. Sie wissen, ich bin auch Militärpfarrer. Aus der Erfahrung bei der Armee und vielen Auslandseinsätzen weiss ich genau, dass jede Truppe einen Führer haben muss. Das sind Sie, Prinz Biron, und ihre Familie. Bescheidenheit und Großzügigkeit sind in ihrer Person in einer königlichen Form verkörpert. Sie haben gesagt: „Die Kirche in Groß- Wartenberg sieht heute so aus, wie sie wahrscheinlich nie ausgesehen hat“. So ein Gedanke ist mir auch durch den Kopf gegangen, als ich an der Kirche vorbeifuhr. Sie aber haben es gesagt. Heute möchte ich sagen: wenn es nicht Sie und ihre geehrte Familie gäbe, wäre der Aufbau der Schlosskirche und vieles mehr überhaupt nicht möglich gewesen! Vielen Dank und Gott segne Sie und ihre ganze Familie. Seit Jahren hatte ich dieses Bedürfnis, dass alles laut und deutlich zu sagen. Von Rinteln aus gesehen oder von einer anderen Stadt in Deutschland sieht man die Sachen, die uns bewegen und die für uns wichtig sind, nicht so scharf. Das verstehen wir auch. Wie kann ein Rintelner verstehen und ahnen, was einen in Schlesien lebenden Polen bewegt. Hinter jedem steht eine andere Geschichte, die soll jedenfalls die Einheit, die Gott zwischen uns allen geschaffen hat, nicht verhindern oder zerstören. Wir alle möchten weiter diese Einheit in der Welt, dort wo wir leben, unterstützen und fördern. Gott helfe uns dazu. Amen. Sie alle grüße ich herzlich mit einem schlesischen Liebe Gemeindemitglieder, die ersten zwei Wochen im August sind wir (meine Frau, meine Tochter und ich) das erste mal gemeinsam in Urlaub gefahren oder besser gesagt nach Kreta geflogen. Es war eine wunderbare Zeit, ohne Handy, Internet und Stress nur Entspannung, Sonne, Swimmingpool und kleine Ausflüge – das war ein richtiger Urlaub… Als wir zurückkamen, hat uns Pastor Fober vom Flughafen in Breslau abgeholt. Wir haben schnell die Koffer neu gepackt und sind noch für drei Tage nach Masuren zu meinen Schwiegereltern gefahren, wo ich auch meinen 30ten Geburtstag gefeiert habe. Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen, die meinen Geburtstag nicht vergessen haben und mir gratuliert haben. Besonders bedanke ich mich bei den Gemeindemitgliedern aus Lauban, die mir meinen Traum mit der Bunzlauerkeramik verwirklichten – danke schön. Und so schnell sind die Urlaubstage vorbei. Dann habe ich mich auf den Familienausflug nach Konin vorbereitet und am Freitagmorgen sind wir nach Konin gefahren, wo wir in dem Gästehaus der ev. Gemeinde gewohnt haben. Konin ist mein Geburtsort. In dem Pfarrhaus und dem riesigen Pfarrgarten bin ich aufgewachsen. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Kinder aus unserer Gemeinde diesen Ort kennenlernen durften, an dem ich als kleiner Dawid gespielt habe. Das nächste Wochenende bin ich mit meiner Familie nach Neinstedt bei Quedlinburg gefahren, wo ich zu einem Vortrag über unsere St. Christophorigemeinde von Herrn Diakon i.R. Heinz Stumpe eingeladen war, um unsere Gemeinde nicht nur mit Worten zu beschreiben, sondern auch mit Fotos, die ich dank der modernen Technik in der alten Kirche zeigen konnte. Am Sonntag habe ich gemeinsam mit der Frau Pfarrerin Heide Aßmann den Gottesdienst in der St. Katharinen - Kirche gehalten. Wir haben in Neinstedt eine sehr nette Unterkunft bei Familie Schnecke bekommen. Unsere Małgosia nannte liebevoll das Ehepaar Großmama und Großpapa. Dann kam das erste Wochenende im September, an dem am Samstag ein Militärgottesdienst in der Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche gehalten wurde. Leider konnte ich nur an der Vorbereitung teilnehmen, aber nicht am Gottesdienst, weil ich zu der Zeit mit einer ökumenischen Gruppe aus Breslau in Wiesbaden war. Am Freitag wurden wir von dem evangelischen und dem katholischen Dekan begrüßt und im Rathaus empfangen. Am Abend haben wir an der Nacht der Kirchen teilgenommen. Der Samstag war genau so voll mit Programm wie der Freitag. Wir haben mehrere Kirchen und Klöster in Wiesbaden und Umgebung gesehen mit einer Teilname an der Vesper in der St. Hildegardis-Kirche. Am Sonntag wurde ich zum Predigen in die ev. Kirche zu Klarental eingeladen. Zum Schluss der Begegnung haben wir gemeinsam mit den Repräsentanten der ACK ( Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) Mittag gegessen und Erlebisse ausgetauscht. Die zweite Woche im September war eine traurige Woche für unsere Gemeinde. Wir mussten uns innerhalb einer Woche von drei Gemeindemitgliedern verabschieden. Ich habe auch mit dem Religionsunterricht begonnen. Wir treffen uns mit den Konfirmanden (Rachel Gundlach-Fober und Hubert Frei) im Pfarrhaus montags um 17 Uhr und mit den jüngeren Kindern in der St. Christophorikirche oder bei Kurtwitz am Freitag. Den Kindern macht es Spaß mit der Gitarrenbegleitung zu singen. Am Samstag, den 13. September freute sich die Gemeinde in Lauben über den Besuch von Frau Metzele und den Gemeindemitgliedern aus Aschaffenburg. Wir haben zuerst den Gottesdienst gefeiert und die Seele erquickt, dann hat Frau Metzele den Brief von Pastor Gitter vorgelesen und nach dem Gottesdienst haben wir unseren Leib im Restaurant gestärkt, wie dass schon zu einer Tradition bei den Besuchen von Frau Metzele geworden ist. Das wird auch von allen Gemeindemitgliedern in Lauban sehr schön und gut gefunden. Sie bedanken sich für diese freundliche Einladung bei allen Gemeindemitgliedern der St. Matthäus- Gemeinde in Aschaffenburg recht herzlich. Ich selbst kann auch ein Projekt unserer Gemeinde nicht vergessen, nämlich die Herausgabe eines Buchs über unsere St. Christophorikirche. Wir haben die finanzielle Unterstützung von der Schlesischen Genossenschaft des Johanniterordens, der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier und privaten Spendern bekommen, wofür wir uns bei allen recht herzlich bedanken. Am heutigen Tag haben wir auf unserem Konto für diesen Zweck 10 000 Zloty und brauchen noch 20 000 Zloty. Wir haben auch einen Antrag an die Wojewodschaft zum Wettbewerb geschrieben, haben viele Punkte bekommen, aber leider keinen Zuschuss. So habe ich jetzt letzte Zeit einen Brief an den Präsidenten der Stadt Breslau mit bitte um Hilfe geschickt und einen an Herrn Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland Dr. Helmut Schöps. Ich glaube, es wird uns auf dem Weg zum Herausgeben des Buchs mit Gottes Hilfe und Segen geholfen. Letzte Zeit habe ich sehr wenig euch, liebe Gemeindemitglieder zu Hause besucht, es werden aber die Feiern und Reisen aufhören, so möchte ich jetzt wieder zu euch mit dem Hausgottesdienst und Besuch kommen. Weil das die Aufgabe eines Pfarrers ist, damit wir zu euch kommen, und euch durch das Wort Gottes fröhlich machen. Gott macht uns fröhlich und das schreibt schon der Psalmist im Monatsspruch: Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen. Ps 65,9 Das möchte ich euch jetzt in der Herbstzeit wünschen, dass der Herrgott uns alle fröhlich macht. Gott befohlen Bibelstunde in der HeimatWer eine Bibelstunde für eine trockene und langweilige Angelegenheit hält, der kennt sie nicht, die Bibelstunden der St. Christophorigemeinde in Niederschlesien. Zu einer solchen trafen sich am 18. Juli, einem wunderschönen Sommertag, etwa 20 bibelfeste Schlesier nicht etwa in einem staubigen Gemeindesaal, sondern auf dem Hof von Lotte Lamek in Krausendorf, Kreis Landeshut. Bereits gegen 10 Uhr morgens begann das fromme Treiben. Pfarrer Mendrok aus Breslau befuhr mit einem Kleinbus das Lameksche Anwesen. Und dann schallte es auch schon laut vernehmbar über den Hof hinweg ins Bobertal hinaus, das schöne Gebirgsschlesisch. Denn dem Kleinbus entstiegen die letzten daheimgebliebenen evangelischen Deutschen aus den Kreisen Waldenburg und Landeshut. Über Jahrzehnte haben die meist schon auf ein langes Leben zurückblickenden Damen ihrer Kirche die Treue gehalten. Nun ist es oft einsam um sie geworden. Aber die Gottesdienste und Bibelstunden bieten eine gute Gelegenheit, in der Muttersprache miteinander zu reden, zu singen und zu beten. Die Corona verstärkten der in Lauban geborene und nun im Westen lebende Pfarrer Matzker mit Gattin, die heute in Berlin wohnende Brieger Ärztin Frau Dr. Witt, Herr Oliver Hor aus Meißen und schließlich der einer Landeshuter Familie entstammende Vikar Dirk Metzig. Gemeinsam dachte man dann über die von Gott geschenkten Begabungen nach. Grundlage dafür bildete der dem Lukasevangelium entnommene Wochenspruch: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern“ (Lk 12,48). Einig war man sich schnell, daß Gott Begabungen schenkt, nicht damit wir hochmütig und überheblich werden, sondern damit wir sie unserem Nächsten zu Nutz und Frommen und zur Auferbauung der christlichen Gemeinde gebrauchen sollen. Durch das geschickte Nachfragen von Pfarrer Mendrok berichtete so mancher Bibelstundenteilnehmer über seine speziellen Begabungen und die Freude, die es bereitet, damit anderen helfen zu können. Um der Dankbarkeit gegenüber dem Geber aller Gaben Ausdruck zu verleihen, kam dann auch unser altes Schlesisches Provinzialgesangbuch kräftig zum Gebrauche. „Nun danket alle Gott“, „Lobe den Herren“, „O Gott, du frommer Gott“ und viele andere Choräle klangen nun hinaus ins Dorf und zeigten, daß die schlesische Kirche deutscher Zunge noch nicht ausgestorben ist. Da aber geistige Anstrengung hungrig und Gesang bekanntlich durstig macht, schloß die Bibelstunde mit einem gemeinsamen Würstelessen und einem Gläslein heimtlichem Stonsdorfer. So an Leib und Seele gestärkt, traten sie den Heimweg an, die letzten evangelischen Deutschen. Mir jedenfalls wird diese Bibelstunde lange in guter Erinnerung bleiben. Dirk Metzig, z. Z. Hamburg Kurzer Bericht über die Entstehung der ev. Gemeinde in Breslau – ZimpelDie Siedlung Zimpel (Sępolno) wurde in den Jahren nach dem I. Weltkrieg in mehreren Bauabschnitten auf einem etwa 100 ha großen Areal im Osten der Stadt erbaut. Die neue Siedlung mit 2200 Wohnungen für ca. 10 000 Einwohner war für junge Familien mit Kindern gedacht. 1921 heirateten meine Eltern und wohnten seitdem, bis Januar 1945, in Zimpel. Die Siedlung gehörte anfangs zur Luther-Gemeinde in Scheitnig. Weil sich die Gemeinde aber ständig vergrößerte, inzwischen gehörte auch Bischofswalde (Biskupin) dazu, wurde sie von der Luther-Gemeinde getrennt. Die eigenständige Gemeinde übernahm 1928 Pastor Manfred Bunzel, der sie bis zu seinem Tode im September 1939 betreute. Die Gottesdienste fanden zunächst in der Schulbaracke statt, die später durch einen Schulneubau ersetzt wurde. Meine Eltern waren das „Küsterehepaar“. Vater spielte das Harmonium und leitete den Kirchenchor. Mutter baute den Altar auf und sorgte für den Blumenschmuck. Ich selbst wurde 1925 in der Baracke getauft, hatte also schon als Täufling im Steckkissen den ersten Kontakt mit der Schulbank. Als die neue große Schule 1929 fertig gestellt war, durfte die Gemeinde ihre Gottesdienste dann dort in der Gymnastikhalle feiern. Hier wurde 1931 auch mein jüngerer Bruder getauft. Am Sonnabendnachmittag wurden von unserer Familie der Altar auf- gebaut und etwa 200 Stühle gestellt, zu Feiertagen bis 400. Am Sonntagmittag nach dem Gottesdienst erfolgte dann wieder der Abbau, denn am Montag war wieder Schulbetrieb. Eines von uns Kindern holte am Sonnabend immer den Liederzettel bei Pastor Bunzel ab, damit sich unser Vater am Harmonium für den Gottesdienst vorbereiten konnte. Pastor Bunzel, der Kirchenvorstand, die ehrenamtlichen Mitarbeiter und die ganze Gemeinde hofften damals sehr, bald eine eigene Kirche zu bekommen. So begann man mit der Planung und fing an, Geld für den Neubau zu sammeln. Wir Kinder aus dem Kindergottesdienst gingen von Haus zu Haus und haben Bausteine zu 10 Rpf verkauft. Wir waren sehr fleißig dabei. Den Bau der Kirche konnte unsere Familie dann hautnah verfolgen. Wir wohnten nämlich direkt gegenüber dem Bauplatz im Meisenweg 58. Die Grundsteinlegung am 6. Nov. 1932, dem 300. Todestag von Gustav Adolf, haben wir mitgefeiert. Als ich, mit acht Jahren, während des Baues auf der Straße von einer Frau gefragt wurde, ob hier eine Fabrik gebaut würde, war ich darüber sehr empört. Der Bau ging schnell voran. Die drei Glocken kamen, mit Blumen und Girlanden geschmückt, auf einer Lafette vor den Neubau gefahren und wurden dort geweiht. Das Aufziehen der Glocken in den Glockenstuhl war dann, nicht nur für uns Kinder, ein aufregender Vorgang. Wieder am 6. November im Jahr 1933 konnte die Kirche eingeweiht werden. Sie wurde von der Gemeinde sehr gut angenommen. Am 6. Nov. diesen Jahres wird sie nun 75 Jahre alt. Das Pfarrhaus wurde erst 1935 fertig gestellt. Der Küsterdienst meiner Eltern, mit Hilfe von uns Kindern, war nach 12 Jahren beendet. Johanna Kirschke Familienwochenende in KoninAls krönenden Abschluss der Sommerferien durften wir, d.h. die jungen Familien der Christophori-Gemeinde, Ende August ein Wochenende in Konin verbringen. Wir waren zu Gast bei den Eltern unseres Pfarrers Mendrok, die schon vor Jahrzehnten eine Scheune zum Gästehaus umbauten und auf diese Weise uns vier Familien mit neun Kindern beherbergen konnten. Freitagvormittag ging es los am Zimpel, VW-Bus und Autos bepackt mit Gitarre, Dreirädern und Federball. Zum Zeitvertreib haben die Mädchen während der Fahrt nicht nur gesungen, sondern auch probiert, wer wohl am lautesten schreien kann... Heidi und Edwina bezogen stolz Zimmer Nr.7, Nummern und Schlüssel „wie im Hotel“ gibt es zu Hause natürlich nicht. Frau Mendrok (die Mutter von Pfr. Dawid Mendrok) hatte für uns schon das Mittagessen gerichtet und verwöhnte uns bis zu unserer Abfahrt auf das Köstlichste! Gut gestärkt lockte der große, alte Pfarrgarten mit unzähligen Apfelbäumen, Blumen- und Gemüsebeet und viiiiiel Platz zum Herumtollen. Dieses Kinderparadies sollte richtig erkundet werden, und so ging unser Pfarrer mit den Kindern auf eine fabelhafte Schnitzeljagd, an deren Ende in einem Verlies unter dem Pfarrhaus der Schatz geborgen wurde: Ein Steckbaukasten, der die Mädchen zu kleinen Konstrukteurinnen werden ließ und - huch, die Polizei?? – nein, das sind Gretel und Paul-Adrian, die auf Streife „fahren“. Cecilia kletterte begeistert in die Bäume, so wie Pfarrer Mendrok und sein Bruder das als Jungs taten während Theresa versuchte Schmetterlinge zu fangen. Gegen Abend besichtigten wir die Kirche, die mit ihren hohen Fenstern und den weißen Bänken ganz hell ausgestattet ist. Alle durften auf dem Blasebalg treten, um die Orgel ertönen zu lassen, doch reichten unsere schweißtreibenden Anstrengungen nur für zwei Register – wie gut, dass sich ein Elektromotor zuschalten lässt. Wie schön klang unser abendlicher Gesang auf den Altarstufen, gefolgt vom Märchen von der Frau Holle. Wir verbrachten einen lauen Sommerabend in der Laube, den Grill feuerten die Axel und Dag an, Jörg steuerte Köstlichkeiten dazu bei. Am Samstag führte uns Pfarrer Mendrok durch seine Heimatstadt, in der es einiges zu entdecken gibt. Infolge der Zugehörigkeit zu Russland im vergangenen Jahrhundert sind in der Altstadt etliche Straßenzüge mit den typischen russischen Häusern bebaut – schnörkelige , gusseiserne Balkone mit Bretterboden, verspielte Gesimse – und der Marktplatz sowie die anderen Kirchen dann wieder ganz deutsch. Das Stadtwappen, ein sich aufbäumendes, weißes Pferd auf rotem Grund zeugt von der wundersamen Rettung eines Prinzen durch eine Herde wild lebender Pferde, die Konin zu seinem Namen als Pferdestadt verhalf. Nach einem Blick über die Warthe hinüber nach Neu-Konin, das für die Arbeiter der dort ansässigen Stahlindustrie erbaut wurde, ging es vorbei an der ehemaligen Synagoge zum Stadtpark. Hier kamen die Kinder voll auf ihre Kosten, gab es doch nicht nur Strauße, Esel sowie die unterschiedlichsten Nutztiere zu betrachten, sondern auch einen großartigen Spielplatz. Der Nachmittag verflog beim Versteckspielen und dem Versuch, die Goldfische im Gartenteich per Hand zu fangen, was aber glücklicherweise niemandem gelang. Mit Halleluja und gemeinsam träumen im Apfelbaum hatten die Mädchen ihre Wochenendhits gefunden, die sie auch jetzt noch im Religionsunterricht, Kindergottesdienst oder beim Autofahren aus voller Kehle schmettern. Das Märchen von den 7 Raben, schon im Halbdunkel vorgelesen, zeigte uns, wie die Liebe auch trotz tiefer Verletzungen hilft zu Verzeihen, ein Thema, das jeden von uns sicher immer wieder beschäftigt. Abends gab es Kinderdisco mit viel Juchhei und Besuch von einem waschechten Clown – nein, besser gesagt von einer Clownfrau, die mit den Kindern herrlich spielte. Das war ein Riesenspaß, als zu guter Letzt alle Monika Mendroks kugelrunde rote Nase aufsetzen durften! Den Sonntagsgottesdienst hielt Pfarrer Mendrok teilweise in polnischer Sprache, während unsere Gastgebergemeinde auch die deutschen Lieder kräftig mitsang. Unsere Kinder saßen sehr brav in der ersten Reihe und unser Pfarrer erzählte uns später, wie er auf seinem Platz neben der Mutter immer so heiß von der Sonne geblendet wurde, aber vom Vater von der Kanzel aus beobachtet kann man ja nicht einfach die Augen schließen... die Kindheitserinnerungen... Im Anschluss an den Gottesdienst feierte die ganze Gemeinde Pfarrer Mendroks 30. Geburtstag mit einer riesigen Torte, die seine Mutter und seine Frau gebacken hatten. Ein Sto lat und das Geburtstagsständchen der Kinder rundeten die festliche Stunde ab. Es zogen Regenwolken auf, die jedoch nicht den geplanten Ausflug trüben sollten - eine solche Überraschung hatte keiner von uns erwartet, als wir auf einem Agrotouristik-Hof einer Vielzahl exotischer Tiere gegenüberstanden. Wir sahen ein Kamel, Strauße, Emus, Hasen mit „Hochsteckfrisur“, Hängebauchschweine, Pfauen und sogar Affen sowie Stachelschweine. Die Kinder gingen auf Trophäenjagd und kehrten abends mit einer Sammlung an Federn und Borsten heim. Zunächst konnten wir aber noch Ungeahntes erleben wie Ponyreiten, Spielen auf dem Planwagen mit Rutschen und Bällchenbad und Karussellfahren. Da mussten die Eltern ordentlich Anschwung geben, dann war’s aber fast toller als die Fahrt mit der Pferdekutsche durch die sandigen Felder. Zum Abschluss fanden wir uns am Lagerfeuer ein, wo wir den Indianerhunger mit Würstchen und Grillbrot stillten. Der Abend endete mitten in der Nacht, als den Mädchen beim Singen schon fast die Augen zufielen und wir all die verabschiedeten, die sich schon auf die Rückfahrt nach Breslau machten, denn eine neue Arbeitswoche stand bevor. Die Morgengymnastik oblag am Montagmorgen ganz Jörg, der die Kinder zu Aerobicmusik hüpfen ließ. Voller Dankbarkeit für die erfüllten Tage gingen wir zur Andacht ein letztes Mal in die sonnendurchflutete Kirche und baten um Gottes Geleit für die vor uns liegende Rückreise. Die Kinder sagten den Tieren im Park Lebewohl, schaukelten noch einmal „bis zum Himmel“ – und halfen dann kräftig mit beim Aufräumen und Packen. Traurig, diesen schönen Ort nun zu verlassen, doch mit Vorfreude auf zu Hause winkten wir Frau Mendrok zum Abschied, die uns so sehr verwöhnt hat. Nach einem Picknick im würzig duftenden Wald kamen wir abends wohlbehalten wieder in Schlesien an, voller froher Erinnerungen, die uns Familien miteinander verbinden. Nicht nur die Kinder durften Gottes Wort hören und davon singen, auch wir Eltern bekamen geistiges Rüstzeug. An den Abenden lasen wir aus den Sprüchen Salomos zur Erziehung der Kinder. Es gibt, wie wir festhalten konnten, kein Rezept zur Kindererziehung. Einmal mag Strenge angezeigt sein, sogar eine Bestrafung, ein andermal aber das großherzige Verzeihen, wie wir es im Gleichnis vom verlorenen Sohn hören. Wir Eltern sollen den Kindern die Richtung für ein ehrbares Leben geben, doch brauchen auch wir Erwachsenen immer wieder einen Fingerzeig und Stärkung für unser Tun. An alle und alles hatte Pfarrer Mendrok gedacht und so gilt ihm und seiner Mutter, die so maßgeblich zum Erfolg dieser sommerlichen Tage beigetragen haben, unser besonderer Dank. Annemarie von Kap-herr Gemeindeinformationen und Termine
Unsere Jubilare im Oktober und November
Allen Jubilarinnen und Jubilaren möchten wir von ganzen Herzen viel Gesundheit, Kraft und Tapferkeit wünschen, aber vor allem Gottes reichen Segen. Wir freuen uns, dass Sie gemeinsam mit uns in der Christophorigemeinde pilgern.
Seniorenwohnhaus in Zagórów bei Konin in PolenUnser Seniorenwohnhaus steht in einer Kleinstadt 80 km östlich von Posen. Sie finden hier Ruhe, freundliche deutschsprachige Gemeinschaft und gute Betreuung. Es stehen für Sie Einzelzimmer (ca. 20 m2) zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an die Evangelische Gemeinde in Konin: Parafia Ewangelicko-Augsburska, ul. Dąbrowskiego 1, 62-500 Konin, Polen Tel. 0048 63 2428 456, pkonin@ptew.org.pl , www.ptew.org.pl/pKonin Gottesdienstordnung im Oktober und November 2008Sonntag 05.10.2008 Erntedankfest
Sonnabend 11.10.2008 21. S. n. Trinitatis
Sonntag 12.10.2008 21. S. n. Trinitatis
Sonntag 19.10.2008 22. S. n. Trinitatis
Sonnabend 25.10.2008 23. S. n. Trinitatis
Sonntag 26.10.2008 23. S. n. Trinitatis
Sonntag 02.11.2008 Reformationsfest
Sonnabend 08.11.2008 Drittletzter S.
Sonntag 09.11.2008 Drittletzter S.
Sonntag 16.11.2008 Vorletzter S.
Sonnabend 22.11.2008 Ewigkeitssonntag
Sonntag 23.11.2008 Ewigkeitssonntag
Sonntag 30.11.2008 1. S. im Advent
PASTOREN DER ST. CHRISTOPHORIKIRCHENGEMEINDE
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