Orgel in der Jahrhunderthalle
Zum Gedenken der von Breslau ausgegangenen Erhebung im Jahre 1813, die die europäischen Befreiungskriege wider das Joch Napoleons einleitete, wurde als Krönung des großen Scheitniger Parkgeländes - mit dem Denkmal Eichendorffs im Altteil - in Odernähe und dem „Zoo" benachbart, die Jahrhunderthalle errichtet.

Erbaut nach den Plänen des Stadtbaurats Max Berg mit einer Spannweite der Kuppel von 67m, stellte sie mit den fein stilisierten Ausstellungshallen Hans Poelzigs und den historischen Gärten neben dem riesigen Messehof, der ebenfalls bis zu 30 000 Menschen aufnahm, und der repräsentativen Staatenhalle einen modernen Ausstellungs- und Kulturbereich von amerikanischem Ausmaß dar, an das New-Yorker Lincoln Center erinnernd.
Breslauer Jahrhunderthalle
Aus stolzem Bürgersinn errichtet
Und lauterem Geschichtsverstand,
Ist hier Vergangenheit geschichtet,
Die sich mit Gegenwart verband.Im größten Kuppelbau der Erde
Verkündete im Orgelton
Das ew'ge Lied von » Stirb und Werde!"
Europas große Tradition.Im deutschen Vaterland entstanden
Dank seinen allertreusten Söhnen
Ward' hier ein Werk, mit tausend Banden
Die deutsche Einheit uns zu krönen.Hermann Matzke
Die Orgel der Jahrhunderthalle erklang in vielen Konzerten führender Organisten, dazu im Zusammenhang mit Max Reinhardts Großinszenierungen (Gerhart-Hauptmann-Festspiel u. a.), in Mahlers „Sinfonie der Tausend", beim Deutschen Sängerbundfest 1937 usw. Auch der Geigenton eines Adolf Busch schwebte in Solosonaten vom erhöhten Podest empor zur Riesenkuppel.
Die größte Orgel Europas, erbaut 1913 von W. Sauer, Frankfurt a. O. (Regierungsbaumeister P. Walker jun.), disponiert und eingeweiht vom Leipziger Thomaskantor Karl Straube mit einem dafür geschriebenen Monsterwerk von Max Reger, wurde 1937 durch den Breslauer Orgelmeister Gerhard Zeggert nach modernsten Erkenntnissen neu disponiert. Sie enthielt nun in Haupt- und Gegenorgel 222 klingende Stimmen, 16 706 Pfeifen, insgesamt auf 7 Manualen und 2 Pedalen.
Zulassung zum Orgelspiel in der Jahrhunderthalle

Magistrat Breslau
Breslau, den 3. April 1923
- J.H. 122/23
Herrn Oberorganist Gerhard Zeggert,
Hier
Auf Ihr gefl. Schreiben vom 21. März des Jahres teilen wir Ihnen ergebenst mit, dass Sie zum Spielen der Orgel in der Jahrhunderthalle zugelassen werden. Sie müssen sich jedoch zunächst durch Herrn Oberorganist Burkert noch die Einrichtung der Orgel genau zeigen 1assen.
Etwaige Stromkosten werden Ihnen besonders in Rechnung gestellt.
Die Deputation
für die Jahrhunderthalle und die sonstigen Ausstellungsanlagen.
