Breslau - Wroclaw September 2008

Das 2. Mal in diesem Jahr.

Anreise

Wie immer beginnt mein Reisebericht mit den Schwierigkeiten an den Bahnhöfen in Mainz und Frankfurt. Ich hatte rechtzeitig, 4 Tage vor der Abreise den Bahnhofshilfsdienst informiert. Als ich pünktlich mit dem Taxi eintraf, kein Begleiter in Sicht.

Eine junge Frau ,. auch Bahnreisende fragte mich worauf ich wartete und als sie mein Problem verstanden hatte, zog sie mir die Bahnkarte am Automat, nahm meinen Koffer und brachte mich zu dem Bahnsteig von dem die S-Bahn nach Ffm abfuhr, Dann musste sie zu ihrem eigenen Zug und endlich kam auch der Hilfsdienst Er wartete mit mir auf dem Bahnsteig, nahm dann mein Gepäck und setzte mich auf einen günstigen Platz. In Ffm. Das gleiche Dilemma: der Bahnhofsdienst darf nicht das Geländer versaßen und die Lufthansamitarbeiter dürfen das Bahngelände nicht betreten. So richtig deutsche Bürokratie!!! - doch da kamen 3 Polizeibeamte die ich nach dem Weg fragte. Sie meinten sie hätten hier Dienst und könnten alles regeln. Sie führten mich und das Gepäck zum Abfertigungsschalter, erklärten dort den Beratern, das ich dann weiterhin bis zum Einstieg in den Flieger betreut werden sollte. Es gab wieder Wartezeit, da der Flieger Verspätung hatte doch ein Extrabus brachte mich ganz alleine im Rollstuhl zum Flieger, ich stieg alleine ein und saß dann ca. 20 Minuten im völlig leeren Flieger bis ein anderer Bus mit den Fluggästen kam.

Im Flieger lief es ab wie im Märchen. Der Fluggastbetreuer war der Gleiche mit dem ich schon im Mai geflogen war. Er erkannte mich sofort und nach dem Start, ehe die Servierwagen kamen, brachte er mir schon einen Kaffe und etwas Süßes. Die anderen Passagiere schüttelten nur den Kopf.Die 1 1/2 Stunden nach Wroclaw waren sehr sonnig, wenig Wolken, der Flieger flog recht tief und man konnte die schöne tschechische Natur beim Überflug gut erkennen.

Mit einer kleinen Verspätung kamen wir in Wroclaw an. Am Lotport war alles viel unkomplizierter als zu Hause. Als ich aus dem Bus stieg und die wenigen Schritte in die Eingangshalle machte, stand dicht dabei eine junge Pani. Sie hatte eine gelbe Jacke an auf deren Rückenpartie stand in Polnisch und Englisch:”Information und Hilfsdienst". Ich fragte auf polnisch ob sie mich zur Gepäckausgabe begleiten würde und dann zum Taxi, damit ich ins Hotel fahren könnte. Die Koffer rollten gerade herein und meiner war schon der 5. , also kein langes Warten. Zum Ausgang muss man etwas länger laufen, aber es war ziemlich leer. Aus den vielen Taxis suchte sie mir einen Wagen, dessen Fahrer etwas deutsch sprach. Bis zum Hotel Patio ist es ein sehr weiter Weg, der Fahrer fuhr offensichtlich eine Abkürzung, denn in 15 Minuten waren wir dort. Die Fahrt kostete 15 Sloty, das sind weniger als 5 Euro - ungewohnt billig.

Am Empfang begrüßte mich die Pani herzlich, gab mir sofort den Zimmerschlüssel und rief eine Hilfe, die mir den Koffer bis zum Zimmer brachte. Ich brauchte keine Anmeldung auszufüllen und keinen Ausweis vorzulegen. Alle Mitarbeiter sagten mir immer wieder: ”wir erinnern uns an Sie” Es war das gleiche Zimmer wie im Mai, nur 1 Stock tiefer. Also Koffer und große Tasche ausgepackt, ein bisschen frisch gemacht, ein Glas vom bereitgestellten Mineralwasser getrunken und mal ins TV geschaut um zu sehen welche deutschen Sender es gab. Da kam die nächste große Überraschung: neben den Kitschsendern war dieses Mal auch das ZDF eingespeist. Da konnte ich abends die Heute - Sendung und das Heute-Journal sehen. Das ZDF ist nun mal mein Heimatsender hier in Mainz.. Nur “Prognosa Pogoda“ - Wetterbericht sah ich im TV Wroclaw.

Am späten Nachmittag machte ich noch einen kleinen Rundgang am Rynek, ging zum Kantor, denn wenn ich auch immer ein paar Sloty dabei habe, wechsele ich gleich am 1.Tag. Es war herrlicher Sonnenschein, viele Menschen unterwegs, da reizte einfach ein Besuch in einem Terrassen -Caffee, um Kawe Late zu trinken und Zernik zu essen. (Michcafe mit Käsekuchen.) Dann aber zurück ins Hotel, denn am nächsten Morgen stand schon das erste Treffen mit Kinga auf dem Terminplan

Mittwoch , 10. 9.2008

Ich stand früh auf um in Ruhe zu frühstücken, denn um 10.00 Uhr wollte Kinga schon im Hotel sein. Im Restaurant Tet a Tet gab es schon einige Geschäftsleute und auch eine Reisegruppe. Am Büfett suchte ich mit die Zutaten für das Müsli aus und ging dann an die Theke weil es nur kalte Milch gab und ich zum Müsli und auch zum Milchkaffe warme Milch brauche. Auch hier erinnerte sich die Pani und jetzt gab es jeden Morgen eine kleine Kanne mit warmer Milch für mich. Meine kleine Portion war schnell aufgegessen, noch einen Becher Joghurt für den Abend als Betthupferl mit aufs Zimmer genommen. Dann wieder runter auf die warme Terrasse zwischen Hotel und Frühstücksraum, hier darf man auch rauchen.

Kinga kam 10 Minuten später mit dem Rad, wegen des starken Verkehrs war ihr Weg vom anderen Ende der Stadt etwas umständlich. Da die Restaurants am Rynek meist erst um 11.00 Uhr öffnen sind wir noch ein bisschen sitzen geblieben. Dann liefen wir zum Ring um in 2 Buchhandlungen nach dem Buch “ Breslauer Küche “ zu fragen. Der Autor war mir zuerst nur per Email bekannt, weil er alte Breslauer suchte die ihm von Rezepten und Gaststätten erzählen konnten. Voriges Jahr traf ich ihn dann persönlich und vor 1 Monat schrieb er mir, dass das Buch fertig sei, er würde aber im September im Urlaub weg sein, sodass wir uns nicht treffen konnten. Ich hoffte jetzt, man kann das Buch auch kaufen aber in beiden Büchereien war der Autor noch nicht registriert. Also gingen Kinga und ich jetzt unseren Kawe Late trinken und sie erzählte mir von ihrem nächsten Journalistentreffen, diesmal ist es im Oktober in Leipzig. Sie will dort auch den Film zeigen , den sie mit mir gedreht hat. Dieser Film scheint ihr Vorzeige - Objekt geworden zu sein.

Leider hatten wir nur 2 Stunden Zeit füreinander, denn anschließend holte mich Marek ab, weil ich nach Karlowitz zu Pani Kawala fahren wollte. Marek kam dann auch eine Viertel Stunde früher, er hatte nicht viel Zeit, da am Abend seine Tochter das Auto brauchte um eine kranke Oma zu betreuen und zu versorgen. In Karlowitz hatte Pani Kawala schon den Tisch gedeckt mit viel Kuchen, ob man Kaffee oder Tee möchte wird man immer erst vorher gefragt. Sie erzählte von ihren diesjährigen Reiseplänen . Sie fährt mit einer Reisegruppe im Oktober nach Indien und Nepal. Ich wusste gar nicht, dass es diese großen Reisegruppen auch in den polnischen Städten gibt. Bei dieser Unterhaltung kamen wir dann auch auf das Verhältnis der normalen Menschen in Polen und Deutschland. Pani Kawala sagte, die Leute in Polen wissen viel mehr von Deutschland, von unseren Städten und dem Leben hier. Meine eigenen Erfahrungen bestätigen das. Wer weiss in Mainz zum Beispiel etwas von Wroclaw ?

Man hat zwar von Krakau gehört und der schönen Landschaft in den Masuren, aber das ist es dann auch.

Zwischendurch kam noch ein Anruf für Marek, er musste dringend zurück. Auf dem Weg aßen wir ganz schnell noch ein Schälchen Zurek, dann fuhr mich Marek zurück bis zur Uni, dort gehe ich oft am Nachmittag in ein nettes Kaffee. Dann bummelte ich noch am Rynel herum, schaute im Kaufhaus “Fenix“ nach etwas Süssem aus. Es gab meine geliebte Schokolade der Firma Wedel. Und bei den Beutelsuppen fand ich auch Zurek, davon habe ich 2 Beutel mit nach Mainz genommen. ( Wenn ich mal zu faul zum Kochen bin )

Abends gab es im Zdf das Fußballspiel Deutschland gegen Finnland, ich habe es mir in kurzen Ausschnitten angesehen.

Donnerstag, 11.09. 2008

Diesmal musste ich früh aufstehen, denn um 9.00 Uhr wollte Sonja aus Schweidnitz schon bei mir sein.

Ich wartete also nach dem Frühstück auf sie. Leider kam sie erst 20 Minuten später, sie hatte in der Nähe keinen Parkplatz gefunden und musste dann noch eine weite Dtrecke zum Hotel laufen. Zuerst werden - wie immer - die privaten Ereignisse erzählt.. Sie hatte dann nach unserem Treffen gleich einen Termin bei einer Tagung, aber ganz in der Nähe des Hotels. Dieses Mal erzählte sie auch von ihren “Autoren - Arbeiten“ Sie schrieb gerade ein Buch mit dem Thema “Leben und Arbeiten in Polen “ Das Manuskript hatte sie mir dann 2 Tage später per e -mail geschickt.

Außerdem bekam ich heute - am 17. 9. Hier in Mainz per Post das Buch “ Geschichten - Geschehen “ ( Epochenjahr 1989 ) zugeschickt. Es behandelt das Thema der Deutschen Einheit ca ab 1985 . Auch auf diese Lektüre freue ich mich, habe ich doch alles - im TV - miterlebt. Um 11.00 Uhr sagten wir dann tschüss für dieses Mal, denn ich wollte mich noch umziehen, um in der Viktoriaschule etwas gesitteter aufzutreten.

Das Taxi kam sehr pünktlich , ich war etwa 10 Minuten früher in der Schule als vereinbart. Im Sekretariat sagte man mir, das die Direktorin gleich kommen wird und bot mir sofort einen Kaffee an. Pani Podgarska war auch bald da, nur auf die Deutschlehrerin mussten wir warten, sie hatte noch Unterricht. Da traf auch schon ein Fotograf ein, der mit seiner Kamera alle Einzelheiten begleiten sollten. Pünktlich zum Unterrichtsbeginn betraten wir die Klasse. 15 Mädchen und 2 Jungen standen auf und begrüßten mich mit einem Kopfnicken und blieben weiter stehen. Das erinnerte mich an meinen Unterricht an dieser Schule - von 1940 bis 1945.. Wenn da der Lehrer in die Klasse kam standen wir auch auf. Nur damals erhoben wir die Hand und riefen: “Heil Hitler“.

Ich sagte mehrmals: bitte setzt Euch wieder, aber sie blieben stehen, bis die Lehrerin sie aufforderte sich zu setzen. Wie immer stelle ich mich auf polnisch vor, sage meinen Namen und das ich vor 65 Jahren schon in dieser Schule unterrichtet wurde. Dann sprach ich weiter auf deutsch. Die Direktorin hatte mir gesagt ich sollte von der Schulzeit, meinem Schwimmsport erzählen und dann von meinen Erlebnissen in Wroclaw in den letzten 15 Jahren erzählen.Manche verstanden das Deutsch wohl recht gut, man sah es wenn sie mit dem Kopf nickten, andere hörten mit wachen Augen interessiert zu, wenn die Lehrerin übersetzte, Unerwartet schnell waren 11/2 Stunden vorüber, dann war für die Schüler Pause und ich trank mit Pani Podgarska noch einen Kaffe in ihrem Büro und wir verabredeten, dass ich mich im Mai nächsten Jahres wieder bei ihr melden soll. Als kleines Geschenk bekam ich dann noch einen Keramikbecher auf dem in polnisch eine lustige Figur gezeichnet war mit der Aufschrift:  “Für gute Freunde“

Dann fuhr ich wieder zurück zum Hotel. Der Nachmittag war jetzt ganz frei, so dass ich beschloss mal einen längeren Spaziergang zu machen. Auf der anderen Ringseite zur Schweidnitzerstraße, dort ist gar nicht mehr viel los. Einige Geschäfte sind geschlossen, ein Schild daran: “for sale“. Wenige Kneipen , sie bieten aber nur Bier und andere kalte Getränke an. Wenn man dann durch die Unterführung weiter geht, wird auf der rechten Seite das Monopol restauriert und gegenüber auf der linken Seite gibt es ein französisches Kaffee. Dort sitze ich immer gerne auf der sonnengeschützten Terrasse und trinke meinen Kawe Late. Da dachte ich daran mal eine große Runde zu laufen, eine Bank zum Ausruhen würde es wohl geben. Ich verirrte mich dann in ein reines Wohngebiet, viele Reihenhäuser, fast alle mit 4 Stockwerken. Dann kam auch ein Kinderspielplatz und nicht weit davon eine sehr kleine Grünanlage - 4 grosse Bäume - darunter 2 Bänke in der Sonne. Auf der einen Bank saßen 4 junge Männer etwa 25 -30 Jahre alt und unterhielten sich. Die 2 Bank war leer, ich setzte mich hin, rauchte eine Zigarette und träumte vor mich hin. Die vier jungen Leute beachtete ich gar nicht.

Plötzlich stand einer auf, stand vor mir und fragte, auf polnisch, ob er sich mit mir unterhalten darf.. Ich sagte: ja gerne, aber ich kann nur wenig polnisch . Dann ging es schon los: ob ich Deutsche bin und warum ich nach Wroclaw komme. Die Antworten darauf kann ich ja fließend auf polnisch. Er fragte, ob er sich setzen darf. Als ich dann von meinen Erlebnissen jetzt erzählte, stand er 2 mal auf, verbeugte sich und gab mir einen Handkuss (das machen junge Leute jetzt überhaupt nicht mehr) Die Sonne schien ziemlich stark, davon tränten mir die Augen.. Er holte ein Päckchen Tempo aus seiner Tasche und wischte mir die vermeintlichen Tränen ab. Jetzt kamen mir dann doch richtige Tränen vor so etwas wie Rührung.-In Deutschland hätte ich dies kleinen Gesten bestimmt nicht erlebt. Als ich dann aufstand und mich verabschiedete, gab es einen letzten Handkuss mit den Worten: “ Pani ich bewundere Sie “

Als ich dann langsam zum Hotel zurück lief hat mich diese halbe Stunde noch einige Zeit beschäftigt. Am Ring aß ich noch ein kleines Schälchen Suppe und machte mir in meinem Zimmer gemütlich. Ich habe immer ein paar Beutel Kräutertee dabei, heißes Wasser gibt es im Bad. Doch meine Zuckervorräte waren zu Ende und als ich das am Morgen der Pani beim Frühstück erzählt hatte bekam ich eine volle Schale Zucker mit aufs Zimmer. An diesem Tag habe ich mich doch recht gut erholt, also noch Nachrichten geschaut und dann ins Bett. Das Zimmer ist auch nachts sehr hell, denn trotz der zugezogenen hellen Gardinen scheinen im unteren Stockwerk die Straßenlaternen sehr hell.

Karla mit einem polnischen Englischlehrer



Aufnahme September 2009


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Freitag, 12. September 2008

Ich hatte reichlich Zeit, denn Bozena , die bis 15.00 Uhr Unterricht hatte, wollte erst um 16.00 kommen. Ich ging nochmals bei Malgorzata im Dwor Polski vorbei, denn sie hatte Dienst. An der Rezeption stand ein Mann mit dem sie sich unterhielt. Oh, rief sie, schön, das Du da bist. Ich habe gerade dem Hotelgast von Dir erzählt, er kommt nämlich aus Mainz. Es war ein Musiker der mit seinen Kollegen auf Auslandstour war. Ihr Standort ist die Villa Musica in Mainz, er wohnt schon 20 Jahre hier, kommt aber eigentlich aus Oppeln. Die Musikgruppe spielt immer in Kirchen, auch am vergangenen Tag in Wroclaw und an dem Tag als wir uns trafen fuhren sie weiter nach Krakau.. Einen Mainzer in Wroclaw habe ich noch nie getroffen!!.

Dann ging es weiter zum Salzmarkt - Place Solny - die herrlichen Blumenstände besichtigt, aber ich brauchte doch keine Blumen mehr. Zum Mittagessen suchte ich mit dann ein keines Terassenstübchen aus und ass nur nalesniki (Pfannkuchen- Eierkuchen ) mit Erdbeeren. Dann wurde es Zeit den Koffer für die Abreise zu packen. Ich hatte schon alles bereitgelegt, nur die Sachen die ich am Samstag auf dem Flug brauchen würde lagen auf einer kleinen Ablage. Natürlich die Papiere, Taschentücher, Tabletten und ein bisschen Schokolade. Des Koffer war wieder randvoll, ich hatte zu viel warme Sachen mitgenommen und bei dem schönen Wetter reichte gerade mal eine Bluse und ein kurzer Pulli, viel zu wenig um öfter zu wechseln.

Punkt 16.00 Uhr stand Jurek vor der Tür um mich abzuholen. Er fuhr zu seiner und Bozenas Wohnung. Inzwischen spricht er auch schon viel deutsch, wir konnten uns auf der langen Fahrt gut unterhalten. Bei Bozena hatte ich als 2. Gast eine andere Deutschlehrerin erwartet, die ich im Mai ganz kurz getroffen hatte. Doch da kam die nächste Überraschung: mir wurde ein polnischer Lehrer vorgestellt, der an einem Gymnasium englisch unterrichtet. Er sprach nur polnisch und englisch, verstand etwas deutsch. Ich spreche deutsch, etwas englisch und polnisch. So haben wir uns im 3 Sprachen-Mix fast 3 Stunden gut unterhalten. Die Fragen an mich sind oft ähnlich : Kindheit und heutige Aktivitäten, wobei jeder , der mit mir spricht , andere Prioritäten setzt. Jurek war in der Küche verschwunden, alle wissen, das ich gerne Gemüse esse und da gab es dann Klöße, eine herrliche Hackfleischsoße und dazu viel Brokkoli in Butter gedünstet. Ich habe eine doppelte Portion gegessen, viel mehr als gewöhnlich.

Gegen 20.00 Uhr fuhr mich Jurek zum Hotel.

Samstag 13. September 2008

Für Samstag früh war noch ein kurzes Treffen mit Malgorzata vereinbart bevor mich Bozena und Jurek zum Lotport bringen würden. Dieses Mal ein reichhaltiges Frühstück, das nächste Essen gab es dann erst im Flieger. Malgorzata kam auch etwas später, sie muss mit dem Bus in die Stadt fahren. Beim Kaffeetrinken unterhielten wir uns über ihre beiden Jungen, jetzt 6 und 8 Jahre alt. Sie gehen neben dem Unterricht in der Schule noch zu Gymnastikkursen und der Ältere geht zur logopädischen Behandlung. Ich bin immer wieder erstaunt wie viel auch finanziell ärmere Familien für die Ausbildung ihrer Kinder ausgeben und selbst auf Vieles Verzichten.  Malgorzata und ich verabschiedeten sich um 12.00 Uhr, ich bezahlte meine Rechnung am Empfang per Euroscheck und 20 Minuten später kamen auch schon Bozena und Jurek um mich zum Flughafen zu bringen.

Ich sagte Bozena das die Lufthansa in Ffm. mir gesagt hatte, wenn ich hier in Wroclaw beim Einschecken Bescheid gebe, würde man eine Nachricht nach Ffm. weitergeben, damit ich dort vom Hilfsdienst abgeholt werde. Dazu mussten wir zum Infostand und Bozena vermittelte meine Wünsche. Die Pani dort schrieb eine Email nach Ffm.. und bestätigte die Information. Dann wurde der Hilfsdienst in Wroclaw gerufen. Vorher konnte ich mir an einem Zeitungsstand noch “die Zei “ kaufen, damit ich wieder mal eine deutsche Lektüre für den Flug hatte.

Als der Hilfsdienst mich dann mit Rollwagen abholte, konnte ich meinen beiden nur noch zuwinken, durch die Personenkontrolle durften sie nicht mitkommen. Die Kontrolle war dieses mal sehr intensiv: ich wurde von oben bis unten mit dem handgroßen Suchgerät abgetastet und musste die Schule ausziehen, damit man die Fußsohlen noch überprüfen konnte, Dann wurde ich im Rollwagen in den Warteraum gefahren. Der Flug war schon angezeigt aber es waren noch 40 Minuten Zeit. Es gibt dort einen kleinen Tresen wo man Kaffee kaufen kann und ich las schon mal “Die Zeit“ und trank meinen Kaffee. Nach ca. 20 Minuten kam die Pani zum Fahrkartenschalter, öffneten einen davon mit einem breiten Eingang und man schob mich dadurch bis zur Tür wo der Bus ankommt, um die Fluggäste zum Flieger zu bringen. Dann erst wurde der normale Schalter für die Anderen geöffnet. Dann noch Hilfe beim Einsteigen in den Bus und ich sagte, dass ich am Flieger alleine zurecht komme. Der Gepäckwagen rollte bereits zum Flieger und als wie dann dort ankamen waren wohl die Sicherheitschecks auch erledigt, das Personal wechselte gerade und die Verpflegungswagen wurden hoch gefahren. 10 Minuten später stiegen wir ein, der Flieger rollte langsam zur Startbahn. Es dauert dann immer noch eine Weile, manchmal wird er auf eine andere Bahn umgeleitet, doch dann kam wohl das richtige Signal. Der Flieger rollte langsam an, das Tempo wurde schneller und mit knapp 5 Minuten Verspätung hoben wir ab.

Der Service an Bord war nicht besonders freundlich, automatisch kamen die Getränkewagen angerollt, aber es gab meine geliebten Schokoriegel “Prinz Polo“ diesmal flogen wir sehr hoch über den Wolken, erst kurz vor Frankfurt kreiste die Maschine einige Male um die Stadt und die drum herumliegende Landschaft. Als die Maschine ausgerollt war und der Bus uns abholte , war auch der Behinderten- Flugdienst da. Er fuhr mit mir im Bus bis zum Tower, brachte mich zur Gepäckausgabe und dann sagte ich der jungen Frau, dass ich nun Hilfe brauche um zur S - Bahn nach Mainz zu kommen. Sie war da sehr unkompliziert, ging in der Eingangshalle zum Kundendienstschalter der Bundesbahn und erklärte den Kollegen das sie jemanden anrufen möchten, der zum Lift käme. Knapp 5 Minuten dauerte es, Der Hilfsdienst, diesmal ein Mann, fuhr mit mir zum richtigen S - Bahnsteig. Der Zug war schon angezeigt in 4 Minuten sollte er kommen. Man half mir beim Einsteigen und fand einen günstigen Platz in der Nähe der Tür. Eine halbe Stunde später waren wir am Hauptbahnhof in Mainz, ich rief ein Taxi und gegen 20.00 Uhr war ich zu Hause.

Auspacken wollte ich später, jetzt mal etwas abschalten, denn am nächsten Tag stand schon ein weiteres wichtiges Ereignis in Mainz an, das in engen Zusammenhang mit Polen stand.

Sonntag, 14. September 2008

Um 11.30 war ein Besuch im Rathaus von Lech Walensa angekündigt. Er war zu Besuch in Rheinland - Pfalz und sollte sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Er sprach über seine Karriere ab 1985 , dann aber ausgiebig über das Miteinander aller Staaten in Europa, denn nur so könnte unser Kontinent die globale Konkurrenz aller Kontinente durchhalten.

Danach sprach ich einige Worte mit unserem Oberbürgermeister Jens Beutel und erzählte, dass ich gerade in Wroclaw war. Seine Antwort: Ich bin auch in Breslau geboren (das wissen nur wenige Mainzer). So schloss sich mein Brückengang vom Rhein zur Oder - und zurück besonders harmonisch.

Karla Postrach- Rast, Mainz
Email: Kapora@web.de

 

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