Ein Spaziergang kreuz und quer durch Brockau

Erinnerungen aufgezeichnet von Richard Dubil (1921), ergänzt von Ingrid Langner (1928), beide geboren in Brockau

Zuerst betrachten wir unser Städtchen von Süden her: Aus einem Meer von Dächern ragen 4 hohe Bauwerke hervor: Der schlanke Turm der ev. Kirche mit dem Zwiebeldach und der Uhr, die Volksschule, der Wasserturm und der wuchtige Turm der kath. Kirche mit dem stumpfen Dach und dem zierlichen Aufbau darauf.

Gesamtsicht auf Brokau 

Wir schauen jetzt in südwestliche Richtung. Aus etwa 35 km grüßt uns der 718 m hohe Zobten und kündigt uns das Wetter an: Ist er blau, muss mit Regen gerechnet werden, ist er grau, gibt es Sonnenschein.

Der Zobtenberg mit Rogau

Bahnhof

Unseren Spaziergang durch Brockau beginnen wir am Personenbahnhof. Auf dem Vorplatz links befindet sich ein kleines Blumengeschäft. Nach einigen Schritten bis zur Tabakwarenhandlung Jantke sehen wir rechts die Auffahrt zu den Brücken. Neben der Auffahrt verläuft parallel die Breslauer Straße, gegenüber die Bahnhofstraße und links die Gartenstraße.

Als erstes gehen wir die Auffahrt hoch. Oben auf den Brücken haben wir einen guten Blick über den Personen- und den Rangierbahnhof - dem zweitgrößten im Osten Deutschlands - mit seinen vielen Gleisen, Weichen, Signalen sowie Güterwagen und Lokomotiven.

Schienen

Nach der ersten Brücke führt rechts eine Abfahrt zum Güterbahnhof, nach der zweiten Brücke zweigt rechts der Weg zum Sportplatz des Reichsbahnsportvereins ab. Auf der Straße abwärts von den Brücken sehen wir links auf der Straße „Am Floßgraben" das Wasserwerk. Wir gehen weiter, sehen rechts die Straße zum Friedhof und zum Gulitzteich, auf dem man im Winter Schlittschuh laufen kann. Links gegenüber führt die Grenzstraße zur Sauerkrautfabrik. Weiter geradeaus mündet die Straße „An der Gucke" in die Ohlauer Chaussee. Die Autobusse nach Breslau fahren diese Strecke weiter über Ohlewiesen bis zur Ofener Straße, wo man in die Straßenbahn zur Weiterfahrt in die Innenstadt umsteigen kann.

Danach gehen wir in die Breslauer Straße hinein, auf der linken Seite befinden sich die Gastwirtschaft Kluge, die Fleischerei Schattmann, die Gaststätte Schirdewan. Es folgen Schuhmacher Richard Schröter, Lebensmittelgeschäft Frieda Metzner, Frisör Steiner, Lebensmittelgeschäft Büntig, Drogerie Duvigneau - etwas zurückgesetzt hinter einer Grünanlage Fleischerei Engel, Bäckerei Dietrich - und ziemlich am Ende Lebensmittel Schaertl. Nach dem letzten Haus schlängelt sich links quer zur Breslauer Straße am Pappelweg der Kaisergraben entlang, dem wir am Ende der Pulststraße sowie am Ende der Hauptstraße hinter dem Friesenplatz wieder begegnen werden.

 Breslauer Straße

Blick in die Breslauer Straße

Vom Personenbahnhof geradeaus führt uns der Spaziergang in die Bahnhofstraße. Auf der rechten Seite sehen wir das Lebensmittelgeschäft Schröter, die Bäckerei Kiesewetter, das Textilgeschäft Vogt, die Fleischerei Worbs, Elektro-Kirchner, das Spielwarengeschäft Heidenreich (später Blumengeschäft Rumbaum) und an der Ecke Walterstraße die Eisenwarenhandlung Maiwald.

Bahnhofstraße

Blick in die Bahnhofsraße

Auf der linken Seite liegt der alte Friedhof, danach kommen wir zur Fleischereifiliale Beyer und zum Papier- und Tabakwarengeschäft Kresse an der Ecke Güntherstraße, weiter zum Süßwarengeschäft Eckert, zum Kurzwarengeschäft Semprich, zum Frisör Semprich, zum Schuhgeschäft Labich, zur Gastwirtschaft Gregor, der Pommerschen Meierei, der Bäckerei Kilian, zum Papierwarengeschäft Seidel und an der Ecke Hatzfeldstraße zur Drogerie und Weinhandlung Konczak.

Auf der rechten Seite der Bahnhofstraße gehen wir am Rathaus vorbei, in dem sich alle Amtsstellen und die Sparkasse befinden. Daneben sehen wir das Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1914 - 1918, danach die kath. Kirche St. Georg. Auf dem Platz davor fand der Wochenmarkt statt.

Rathaus mit Kriegerdenkmal

Katholische Kirche

Schräg gegenüber der Drogerie Konczak befindet sich in der Hatzfeldstraße die Konditorei Prescher. Nachdem wir einige Kilometer zurückgelegt haben, lassen wir uns dort in einer kleinen Pause die köstlichen Kuchen und Torten schmecken.

An der Ecke Bahnhofstraße/Kirchstraße befindet sich in einem großen Gartengrundstück mit hohen Bäumen und Sträuchern das Wohnhaus des ev. Pastors Schulte. Wir gehen jetzt die Kirchstraße entlang und kommen auf der rechten Seite am Pfarrgarten mit dem Wohnhaus des kath. Pfarrers Mihaltsek vorbei, danach am Schulsportplatz und am Schulhof der ev. und kath. Volksschule. Auf der linken Seite der Kirchstraße befinden sich einzelne Wohnhäuser. Die Kirchstraße endet zunächst an der Ecke Schulstraße, wurde aber später durchgebaut bis zur Winklerallee.

Volksschule

Foto Volksschule

Nun wollen wir noch das letzte Stück der Bahnhofstraße entlang gehen, links vorbei am Uhrengeschäft Schneider, der Kurzwarenhandlung Olga Erben, dem Fahrradgeschäft Kühn, dem Kino, der Klempnerei Seliger und dem Papiergeschäft Dodeck mit der Druckerei, in der die Brockauer Zeitung erstellt wird. Angekommen sind wir jetzt an der Ecke Hauptstraße, dem ältesten Teil Brockaus.

Wir kehren jedoch zurück zur Ecke Walterstraße, in der sich nach dem Fischgeschäft Mustroph rechts die Zufahrt zu einem Platz befindet, auf dem das Feuerwehrgerätehaus steht. Auf der linken Seite befinden sich im Anschluß an das Rathaus einige Schrebergärten, dann der Schulsportplatz sowie der Schulhof mit Wasserturm und Volksschule.

Am Ende der Walterstraße biegt rechts die Straße „Am Mühlberg" ab mit einem Wohnblock „Blaue Marie" genannt; diese Straße führt in einem Bogen nach rechts bis zur Breslauer Straße. Vor dem Bogen nach rechts kommen wir geradeaus in den Friesenweg, links auch ein Wohnblock. Der Friesenweg mündet in den Mittelweg, der vom Dierschkeplatz zur Breslauer Straße führt.

Wir begeben uns jetzt vom Ende der Walterstraße links in die Winklerallee mit der neuen Post. Kurz davor zweigt links die Schulstraße ab, in der wir rechts die ev. Kirche „Zum Heiligen Geist" sehen.

Evangelische Kirche 

Wir gehen jedoch in der Winklerallee weiter, rechts zweigt die Pulststraße ab, eine reine Wohnstraße, die sich bis zum Kaisergraben hinzieht, davor noch auf der rechten Seite der Dierschkeplatz mit dem Lebensmittelgeschäft Haja.

Pulsstraße

Wir wandern weiter in der Winklerallee, rechts das Haus der Christlichen Gemeinschaft mit dem Kolonialwarengeschäft Henkel, im Keller steht eine handbetriebene Mangel (Rolle genannt). Danach rechts Schrebergärten und ein großes Wohnhaus. Auf der linken Seite kann man durch das „Gässchen" zur Hauptstraße durchgehen. Die Winklerallee führt in einem Bogen nach rechts bis zur Vorwerkstraße, auf der sich die Schäferei befindet, kurz davor die Gärtnerei Schneider.

Nun spazieren wir zurück zur Ecke Bahnhofstraße/Walterstraße und biegen in die Güntherstraße ein, links das Lebensmittelgeschäft Klein, Ecke Heydebrandstraße das Papiergeschäft Braun, danach das Bettengeschäft Holzbrecher. Gegenüber sehen wir in einer Grünanlage den Feuerlöschteich und das Kriegerdenkmal für die Gefallenen 1870/71. Auf der anderen Seite der Güntherstraße finden wir noch das Beerdigungsinstitut Höfig. die Konditorei Mia Koch, im Keller das Lebensmittelgeschäft Heilmann und das Fotogeschäft Abresch an der Ecke Heydebrandstraße, in der sich das Bekleidungsgeschäft Haja befindet.

Jetzt biegen wir rechts in die Hatzfeldstraße ein, gehen bis zur Ecke Bahnhofstraße, biegen links ab und kommen am Ende in den ältesten Teil Brockaus, die Hauptstraße. Unser Spaziergang führt uns vorbei an der Gaststätte Hielscher mit Saal und Biergarten, an Gehöften, der Fleischerei Milde und weiter zu den Freierhäusern mit dem Vorkostgeschäft Klose und der Gaststätte Michalek, Ecke Schulstraße.

Freierhäuser

Freierhäuser

Weiter in der Hauptstraße kommen wir dann auf der rechten Seite nach der Milchhandlung Schwarzer zu der gut mit Geräten ausgestatteten Turnhalle - hinten auf einem Hof gelegen - vorbei an einer Schmiede zur Gastwirtschaft Baum, später Warkus. Gegenüber liegt der Sportplatz des Turnvereins Friesen mit einem großen Findling zum Gedenken an Turnvater Jahn. Hinter dem Friesenplatz fließt der Kaisergraben, der aus dem Park des Rittergutes kommt. Dahinter liegt die Eisenbahnstrecke Breslau - Strehlen, geradeaus führt die Straße nach Lamsfeld, zu beiden Seiten liegen die Felder des Rittergutes in einem fruchtbaren Schwarzerdegebiet.

Am Ende der anderen Seite der Hauptstraße befindet sich das Rittergut mit Schloß, Park und Wirtschaftsgebäuden.

Schloss

Ortseinwärts kommen wir an der katholischen und der evangelischen Spielschule vorbei, dazwischen liegt die Gärtnerei Otto Rumbaum.

Hauptstraße

Vorbei an der Ecke Bahnhofstraße gehen wir rechts an Gehöften, der Bäckerei Kutzner, der Sattlerei Kalis vorbei und überqueren den Pechnikweg. 1934/35 wurden auf der rechten Seite die hässlichen Baracken abgerissen und ein Platz mit schönen Wohnhäusern erstellt. Nach dem Platz biegt die Feldstraße ab, die uns zur Gärtnerei Konrad Rumbaum und zum großzügig angelegten neuen Schwimmbad führt.

Am linken Ende der Hauptstraße befinden sich die Kohlenhandlung Müller und die Bäckerei Dymarczyk. Wir biegen jetzt links in die Lieresstraße ein, sehen die Fleischerei Siegemund, das Papiergeschäft Olawsky, das Baugeschäft Knispel, das Schuhgeschäft Wolfgang (bis 1940 Deutsche Bank) und um die Ecke zur Hatzfeldstraße die Sattlerei Nagel. Gegenüber in der Lieresstraße sehen wir links die Drogerie Krümmel. In dem auf der rechten Seite errichteten neuen Häuserblock (1938) finden wir das Büro des Bau- und Sparvereins und den Frisör Hörder.

Lieresstaße

Lieresstraße/Ecke Gr. Koloniestraße

Jetzt begeben wir uns in die Große Koloniestraße, in der sich auf der linken Seite unzählige Schrebergärten befinden. Auch an vielen anderen Stellen sind derartige Kleingärten zu finden, die liebevoll gepflegt werden. Aus diesem Grund wird Brockau auch die Gartenstadt genannt.

Große Koloniestraße

Gr. Koloniestraße

Auf der rechten Seite sehen wir den Konsum, den Frisör Langner (Nachfolger Hörder, ab 1938 in der Lieresstraße), die Apotheke Chory, die Klempnerei Böhm, das Lebensmittelgeschäft Seeliger, das Gasthaus Bothe (früher Mende) mit großem Saal. Wir überqueren die Lindengasse, kommen zur Fleischerei Beyer, zur Bäckerei Kiesewetter, zur Zufahrt zum Wannenbad, zur Backstube Kiesewetter und zum Schlachthaus Beyer. Es folgt die Kleine Koloniestraße als Durchfahrt zur Wehrmannstraße mit dem Lebensmittelgeschäft Liess. Wir gehen weiter geradeaus am Lebensmittelgeschäft Rösel vorbei und kommen zu der großen Kreuzung Gr.Koloniestr./Parkstr./Benkwitzer (später Lindenruher) Allee/Gartenstraße.

An der Ecke Gr. Koloniestraße/Parkstraße befindet sich das Frisörgeschäft Kraja und gegenüber die Gastwirtschaft „Zur guten Laune". Auf der anderen Straßenseite führt eine Holzbrücke über die Eisenbahnstrecke Breslau - Ohlau - Brieg - Oppeln - Oberschlesien und ein Tunnel unter den Gleisen des Rangierbahnhofs zu Verwaltungsgebäuden der Reichsbahn und zum Lokschuppen. Von der Brücke lässt sich das Abrollen der Güterwagen vom Ablaufberg des Rangierbahnhofs gut beobachten. Die Straße, die neben der Eisenbahnstrecke verläuft, führt nach Lindenruh (früher Benkwitz).

Ecke Gr. Kolonie- / Parkstraße

Gr. Koloniestr./ Ecke Parkstr.

Gasthaus Zur Guten Laune

Gasthaus Zur Guten Laune

Rangierbahnhof

Blick auf Holzbrücke und Rangierbahnhof

Wir wollen jetzt die Parkstraße entlang gehen. Auf der linken Seite befinden sich der Frisör Zips, das Lebensmittelgeschäft Buchmann, bei dem in einem Nebenraum eine von Hand zu bedienende Wäschemangel steht, ferner die Fleischerei Günther. Auf der rechten Seite stehen vierstöckige Wohnhäuser. Danach zweigt die Wehrmannstraße ab, die in die Feldstraße mündet. Hier stehen auf der rechten Seite die mehrstöckigen Wohnhäuser der Genossenschaft, auf der gesamten linken Seite schöne Kleingärten.

Auf der Parkstraße kommen wir nun auf der rechten Seite zur Städt. Mittelschule, die einen guten Ruf hat, von Schülerinnen und Schülern aus Brockau und Umgebung besucht und nach 6 Jahren mit der Mittleren Reife verlassen wird.

Mittelschule

Herrliche Kastanienbäume säumen die Parkstraße, auf der zu beiden Seiten schöne Villen liegen. Rechts zweigt der Baumschulenweg ab, ehe wir zum Kleinen Park kommen. Dort wohnten Paul Keller, Erzbischof Meissner und der Breslauer Oberbürgermeister Dr. Friedrich. Vom Kleinen Park kann man links auf der Paul-Keller-Straße zur Rotdornalle durchgehen, eine reine Wohnstraße mit schönen Häusern.

Weiter auf der Parkstraße zweigen rechts Ahornweg und Grüner Weg ab, links liegt das Lebensmittelgeschäft Magalle. Wir überqueren den Lindenweg und erreichen am Ende der Parkstraße rechts den Schützenplatz mit Schützenhaus und Schießständen, gegenüber stehen mehrere kleine Wohnhäuser. Danach kommen wir in den Großen Park. Von dort kommt man geradeaus nach Oldern und links nach Lindenruh, wo sich der Sportplatz des Vereins Sportclub Sturm Brockau befindet.

Wir wandern zurück und biegen jetzt in die Gartenstraße ein, links Kleingärten, rechts die Eisenbahn. Nach dem Überqueren der Lieresstraße sehen wir links die Gastwirtschaft Kolley und die Bäckerei Müller. Danach zweigt links die Heydebrandstraße ab. Wir gehen weiter auf der linken Seite der Gartenstraße vorbei am Lebensmittelgeschäft Rohde, dem Juvelier Dlubek, der Gaststätte „Deutsches Haus", der Fleischerei Thaler, dem Fahrradgeschäft Bleyer, der Eisdiele Franzke, dem Schuhgeschäft Siebenhaar, dem Kaffeegeschäft Schindler und dem Handarbeitsgeschäft Häring. Auf der rechten Seite stehen rote Backsteinhäuser, Eisenbahner-Häuser genannt.

Gartenstraße

Blick in die Gartenstraße

So kommen wir zum Ausgangspunkt unseres Spazierganges zurück.

Erst wenn Du in der Fremde bist,
weißt Du, wie schön die Heimat ist.

Gartenstraße
 

 

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